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Roman Stepek, VP Head Sportswear, im TW-Gespräch

"Mode ist im Sport angekommen"

Reuters
"Seit wir Farben, Drucke und ein bisschen Pep in die Kollektion gebracht haben, haben wir Erfolg", sagt Roman Stepek. Der VP Head Sportswear kam im Juli 2016 zum Unternehmen. Zuvor war Stepek elf Jahre lang in der Schweiz als Senior Executive Vice President für Mountain Force sowie als Chief Executive Officer für Lasse Kjus tätig. Vor diesen Positionen leitete er Produktionsstätten für hochwertige Textilbekleidung in Südostasien.
"Seit wir Farben, Drucke und ein bisschen Pep in die Kollektion gebracht haben, haben wir Erfolg", sagt Roman Stepek. Der VP Head Sportswear kam im Juli 2016 zum Unternehmen. Zuvor war Stepek elf Jahre lang in der Schweiz als Senior Executive Vice President für Mountain Force sowie als Chief Executive Officer für Lasse Kjus tätig. Vor diesen Positionen leitete er Produktionsstätten für hochwertige Textilbekleidung in Südostasien.

Seit sechs Jahren baut Roman Stepek das Apparel-Business für Head auf. Keine einfache Aufgabe. Mittlerweile macht der Sportartikelhersteller einen zweistelligen Millionenumsatz mit Ski- und Tennis-Bekleidung. Was waren die größten Herausforderungen? Was sind die nächsten Schritte? Und welche Rolle spielen Lindsay Vonn und Collabs für Head Sportswear?

TextilWirtschaft: Sie haben vor sechs Jahren begonnen, das Bekleidungsbusiness bei Head aufzubauen. Wie macht man das in einem so hartwarenlastigen Unternehmen?
Roman Stepek: Zwanzig Jahre lang hatte Head versucht, in dem Bereich Fuß zu fassen, mit mehreren Geschäftsführern und Lizenznehmern. 2016 habe ich das übernommen, weil mich diese Aufgabe wirklich gereizt hat. Ich habe mir zwei erfahrene Leute geholt für die Supply Chain und für den kreativen Part, ansonsten vor allem junge Leute, mit freiem Kopf, mit denen man so ein Projekt bei Null starten kann. Ja, die ersten Jahre waren schwierig. Und wir sind im Konzern neben der Winter- und der Sommer-Hartware, der Tauchmarke Mares und dem Lizenz-Geschäft die kleinste der fünf Divisionen. Aber auch wir machen mittlerweile einen Umsatz von fast 30 Mio. Euro mit Head-Tennis- und Ski-Bekleidung. Allerdings haben wir jetzt mit den Preiserhöhungen ein großes Fragezeichen. Da weiß noch keiner, wie sich das auf die Konsumenten auswirken wird.

Wie stark müssen Sie die Preise erhöhen?
Bei der Tennis-Bekleidung konnten wir die Preise weitgehend halten, vor allem in dem wichtigen "Club"-Bereich. In anderen Segmenten werden wir sie für 2023 um 5 bis 10% erhöhen müssen. Auch im Ski-Bereich haben wir geschaut, dass vor allem die Einstiegspreise gehalten werden. Glücklicherweise sind wir vor allem mit Ski auch auf dem nordamerikanischen Markt sehr stark, der nicht so preissensibel ist.

Vor allem aber hat auch der Verlauf der Wintersport-Saison massiven Einfluss auf ihr Geschäft…
Ja. Und den können wir noch nicht abschätzen. Auch langfristig nicht. Wir wissen nicht, wie sich Klimawandel, neue Werte und veränderte Lebensstile auf den Wintersport auswirken werden. Und wird sich die nächste Generation Skifahren überhaupt noch leisten können? Skitourengehen ist sicher ein Thema, das weiter wachsen wird.

Winter 2023: So sehen die Ski-Linien von Head Sportswear aus


Wie beeinflusst das Ihre Kollektion?
Skitouren haben wir in der Bekleidung vor drei, vier Jahren eingeleitet, bei den Hartwaren ist das Thema schon lange sehr erfolgreich. Da nutzen wir dann Synergien. Das ist ohnehin ein Teil unseres Erfolgs, da ist unsere Kore-Linie ein sehr gutes Beispiel. Ins Leben gerufen haben wir sie vor drei Jahren. Ausgehend von dem sehr erfolgreichen Kore Freeride-Ski haben wir mit zwei Teilnehmern der World Freeride Tour ein Freeride-Outfit für Profis entwickelt. In der nächsten Saison kam dann der Nachfolger-Style für den normalen Freerider. Mittlerweile haben wir eine Gruppe von Outfits, mit denen man auch Touren gehen kann oder Skifahren. Mit diesem Thema machen wir die jungen Wilden auf uns aufmerksam.

Die modische Spitze ist Ihre Legacy-Linie. Ist die Mode jetzt angekommen im Sport?
Auf alle Fälle! Mit Lindsay Vonn, einer der erfolgreichsten Skirennläuferinnen aller Zeiten, haben wir vor drei Jahren Legacy ins Leben gerufen. Sehr sportlich, aber auch topmodisch. Mit Jacken, mit denen du Skifahren gehen kannst, mit denen du aber auch abends im Restaurant sehr elegant aussiehst. Wir stellen generell fest: Seit wir Farben, Drucke und ein bisschen Pep in die Kollektion gebracht haben, haben wir Erfolg. Die Leute wollen gut aussehen auf der Piste und am Abend – so wie in den 70ern, 80ern, 90ern –, aber nicht drei Jacken mitnehmen.
Winter 2023: Sport & Outdoor
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Wo verkaufen Sie die Legacy-Linie?
Im hochwertigen, modischen Sportfachhandel. In Nordamerika sind wir bei Händlern in allen wichtigen Orten vertreten. Wir wollen Legacy auf jeden Fall ausbauen und uns als modisch-sportlicher Anbieter im Skibereich etablieren. Wir starten jetzt mit der Männerlinie, werden uns zum ersten Mal auf der Pitti präsentieren. Premiere feiern wir zum Winter 2023 mit Lederjacken, um uns modisch noch stärker zu etablieren. Und zum Winter 2024 lancieren wir die Legacy Lounge- und Travelwear.


Neben der Frage, wo die Linie verkauft wird, spielt auch die Frage, wer sie verkauft eine wichtige Rolle, oder? Sind das die gleichen Sales Manager, die die Skier verkaufen?
Es war tatsächlich nicht ganz einfach, unsere Bekleidungsdenke in einer Hartwarenfirma zu implementieren. Das sind verschiedene Welten. In Nordamerika und Europa haben wir jetzt Top-Leute gewinnen können, die seit vielen Jahren schon Sport und Mode verkaufen. Die führen jetzt auch Gespräche mit großen Online-Luxus-Playern und großen Modehäusern.

Mit welchem Designer oder welcher Brand würden Sie gerne mal zusammenarbeiten?
Eine Brand, mit der wir schon sehr erfolgreich zusammenarbeiten, ist Porsche Design. Da gehen wir jetzt ins zweite Jahr. Wenn Sie mich nach Modedesignern fragen, dann gefällt mir der Look des frühen Helmut Lang. Ein edler Look, klare Linien, ebenso Jil Sander in ihren Anfangsjahren. Ich könnte da noch einige andere nennen. Da werden wir in Kürze etwas sehr Spannendes verkünden. Eine Kooperation, von der vor sechs Jahren keiner zu träumen gewagt hätte. Sehr überraschend auf jeden Fall.

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