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Scan&Go bei Decathlon

"Wir verstehen besser, wie sich der Kunde im Geschäft verhält"

Decathlon
Scan&Go bei Decathlon
Scan&Go bei Decathlon

Decathlon hat vor einigen Wochen, also unmittelbar nach den ersten Ladenöffnungen, einen neuen Bezahlservice eingeführt: Scan&Go, das autonome Zahlen per Smartphone. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend. Wichtiger als der Umsatz sind andere Kennzahlen.

Der französische Sport-Filialist Decathlon kooperiert für diese Lösung mit dem britischen Retail-Tech Start-up MishiPay. Deren Lösung wird auch schon von anderen Einzelhändlern eingesetzt – Tests gab es unter anderem bereits mit Mango und MediaMarkt Saturn. Wie Mango mitteilt, sei man mit dem Test zufrieden gewesen und der weitere Ausbau des Projekts sei geplant. Decathlon ist allerdings der erste deutsche Händler, der die Lösung flächendeckend einführt – und zwar komplett ohne Zwischenschritt wie etwa einer Validierung durch das Kassenpersonal.



„Bei diesem Projekt profitiert der Kunde sehr direkt davon, dass wir schon vor vielen Jahren massiv in das Thema RFID investiert haben“, so Stefan Hertkorn, der bei Decathlon in Deutschland das Thema Store-Digitalisierung verantwortet. Dass dieser ganze Vorgang komplett kontaktlos abläuft, ist ein Zusatznutzen, der erst jetzt wirklich als Benefit gesehen wird. „Wir haben noch Werbemittel im Lager, bei denen das kontaktlose Zahlen gar nicht im Fokus stand.“ Zwar habe Corona das Unternehmen beim Roll-out des Projekts etwa einen Monat zurückgeworfen, aber ansonsten sei das Timing für den neuen Bezahlservice natürlich glücklich.

Der neue Service sei allerdings keiner, der von den Kunden eingefordert worden sei. Und sie reagierten bisweilen überrascht auf die Möglichkeit, im Laden selbstständig zahlen und auschecken zu können. Nicht unbedingt etwas, was man in Deutschland, dem Land der Barzahler, erwarten würde. „Ich erinnere mich, als wir den Kollegen in Frankreich die Bezahl-Option im Online-Shop ‚Kauf auf Rechnung‘ erst einmal erklären mussten“, erzählt Hertkorn.

Die Möglichkeit des Zahlens per Smartphone ist auch nicht für jeden Kunden zugänglich.  „Wir möchten das niemandem aufdrängen“, betont Hertkorn. „Und es ist nicht unser Ziel, auf diese Weise den klassischen Bezahlvorgang abzuschaffen. Scan&Pay ist ein zusätzliches Angebot für unsere Kunden.“

Für Kunden, die eine gewisse Technikaffinität mitbringen, die sich mit Discount- und Selbstbedienungs-Konzepten wohlfühlen und für die es nicht zwingend wichtig ist, dass es überall eine Beratung gibt. „Ich würde mal schätzen, dass das Scan&Go für 30 bis 40% unserer Kunden eine Option sein könnte – aber auch das ist keine Zielvorgabe.“ Er spricht von einem „selbstregulierenden System“: „Je mehr Frequenz im Laden und je länger die Schlangen an den Kassen, desto mehr Kunden werden auf die Möglichkeit ausweichen, selbst per Smartphone zu scannen und zu zahlen.“

Die ersten Erfahrungen mit Scan&Go seien sehr positiv. „Für uns ist es vor allem eine Lösung, die uns hilft, deutlich besser zu verstehen, wie sich der Kunde im Geschäft verhält. Da er im Schnitt 4 bis 5 mal mehr Produkte scannt als er letztendlich kauft, sehen wir genau, wofür sich der Kunde interessiert und welche Artikel besonders gut funktionieren, wenn sie erst einmal gescannt wurden.“ Der Warenkorb eines Scan&Go-Kaufs ist im Schnitt etwas größer als ein durchschnittlicher Warenkorb, aber etwas niedriger als der eines durchschnittlichen Kaufs eines Kundenkarten-Inhabers. „Berücksichtigt man allerdings, dass der Scan&Go-Nutzer während eines Aufenthalts im Laden häufig mehrere Käufe tätigt, gleichen sich diese Werte an.“

Der Umsatz stehe weniger im Fokus als die Generierung neuer Kunden-Accounts. „Das ist eine der wichtigsten KPIs.“ Denn um den Service zu nutzen, muss man zwar keine App herunterladen, sich aber beim Kundenprogramm MyDecathlon registrieren. Man arbeite zwar an einer Gast-Lösung, für die man sich nicht registrieren müsste, da seien allerdings noch einige rechtliche Komponenten zu klären.


Dem Roll-Out in den mittlerweile 81 deutschen Decathlon-Filialen steht im Prinzip nichts mehr entgegen. „Technisch ist der Service jetzt in allen Filialen möglich, jetzt geht es um die Mitarbeiter, die geschult werden müssen.“

Die abzuholen sei kein Problem, so Hertkorn. Zumal sie ja bereits vertraut sind mit Self-Checkout-Kassen. Deren Anteil variiert, im Flaggschiff am Berliner Alexanderplatz machen sie schon 50% der Kassen aus. „Die Mitarbeiter sehen, dass sie durch diese Entlastung mehr Kapazitäten haben für Beratung und Produktpräsentation.“ Er schätzt, dass der neue Service bis zu den Sommerferien in allen deutschen Filialen angeboten werden könnte. 

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