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Sport- und Modehändler Thomas Reischmann zum Shutdown

"Planen können wir noch gar nichts"

Reischmann
"Jetzt werden uns mindestens drei Wochen fehlen, in denen wir normalerweise 10% des Jahresumsatzes machen", so Thomas Reischmann vom gleichnamigen Familienunternehmen.
"Jetzt werden uns mindestens drei Wochen fehlen, in denen wir normalerweise 10% des Jahresumsatzes machen", so Thomas Reischmann vom gleichnamigen Familienunternehmen.

Reischmann betreibt Sport- und Modehäuser in Ravensburg, Kempten, Memmingen und Ulm mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 40.000m². Die Folgen des zweiten Shutdown kann das Familienunternehmen nicht absehen. Geschäftsführer Thomas Reischmann über Bestände, Rabatte und Wintersport.


TextilWirtschaft: Die Läden sind seit gestern zu. Wie planen Sie die Wiedereröffnung?

Thomas Reischmann: Planen können wir noch gar nichts. Es macht ja einen riesigen Unterschied, ob wir wirklich am 11. Januar oder vielleicht doch erst am 11. Februar öffnen dürfen. Dann hätten wir ja nur noch zwei Wochen Zeit für den Abverkauf der Ware. Das wird nicht gehen. Und da wird es jetzt in den Gesprächen mit der Industrie darum gehen, ob und wie diese Ware im nächsten Winter noch aktuell ist.

In Ihren Sporthäusern bereitet Ihnen der Wintersport wahrscheinlich die größten Sorgen. Mit welchen Szenarien rechnen Sie?
Speziell beim Wintersport wird entscheidend sein, wie flexibel die Industrie die jetzigen Sortimente noch inkludieren kann. Komplett neue Kollektionen für nächsten Winter, das wird schwierig. Wie stabil die Anbieter allerdings sind, müssen wir jetzt abwarten. Mit ein Grund, weshalb wir unsere Order wirklich so weit wie möglich nach hinten schieben wollen. Wir haben selbst schon viel Wintersport-Ware absortiert, komplette Serien, die jetzt bei uns in der Logistik übersommern. Die Logistik schließen wir jetzt.

Wie ist die aktuelle Lagersituation bei Reischmann?
Stand heute sind die Warenlager sauber, sogar leicht unter Vorjahresniveau. Aber jetzt werden uns mindestens drei Wochen fehlen, in denen wir normalerweise 10% des Jahresumsatzes machen. Da geht es um Millionen.

In Baden-Württemberg dürfen Sie nicht einmal Click & Collect anbieten…
Wir versuchen natürlich weiter, mit den Kunden in Kontakt zu bleiben, über die Sozialen Kanäle, bieten aber auch Service per Telefon an. Und wir werden den Kunden auch anbieten, dass sie die Ware bei uns abholen. Uns kann keiner verbieten, dass wir uns vor dem Laden mit dem Kunden treffen und ihn unter Einhaltung aller Vorschriften ein Päckchen überreichen. Das wird keine Riesen-Umsätze bringen, ist aber ein Service und ein wichtiges Signal für unsere Kunden.


Glauben Sie an eine Verlängerung der Wintersaison?
Ich glaube nicht, dass der Modehandel am 15. Januar komplett auf Frühjahr umstellt – falls die Läden dann überhaupt geöffnet sind. Die Winterware muss raus, das Problem haben wir ja alle. Stand heute haben wir fast keine neue Ware auf der Fläche. Über die Frühjahrs-Saison mache ich mir eigentlich keine Sorgen. Ich habe die Hoffnung, dass die Kundinnen dann wirklich Lust haben zu kaufen, wenn sie das einige Wochen nicht tun konnten. Das hat ja schon in diesem Frühjahr besser geklappt, als wir gehofft hatten.

Wie wichtig waren Rabatte in den letzten Tagen vor der Schließung?
Wir waren vergleichsweise zurückhaltend mit Reduzierungen. In Ulm hatten wir in der letzten Woche pauschal reduziert. Außer einer schlechteren Marge hat uns das aber nicht viel gebracht. Mit punktuellen Reduzierungen, wie wir das in den anderen Häusern gemacht haben, fahren wir besser.
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