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Sport-Order Winter 21

Blick ins Ungewisse

Salewa / StorytellerLab
Der nächste Winter ist schwer planbar. Doch Highlights, Emotion und Inszenierung bleiben unverzichtbar.
Der nächste Winter ist schwer planbar. Doch Highlights, Emotion und Inszenierung bleiben unverzichtbar.

Wie plant man einen unplanbaren Winter? Wie gehen Handel und Industrie gemeinsam die großen Herausforderungen an, vor die sie die laufende Orderrunde stellt? Und was erwartet die Besucher bei der ersten digitalen Ausgabe der Ispo in München?

Skisaison? Abgehakt. Die letzten Wochen des Jahres setzten einen traurigen Schlusspunkt hinter ein Jahr, das auch dem Sporthandel in Summe ein dickes Minus beschert hat. Von minus 18% geht die Unternehmensberatung Hachmeister+Partner für den hiesigen Sportfachhandel aus. Hinter diesem Wert stecken allerdings extreme Ausschläge in den einzelnen Kategorien. Das Minus von 38% bei Wintersport schlägt besonders heftig zu Buche. Dass gerade das kapitalintensive Wintersport- und vor allem Alpinski-Geschäft in diesem Winter nicht stattgefunden hat, belastet die Liquidität der Händler massiv. Besonders dramatisch ist die Situation für die Wintersport-Spezialisten, die nicht nur den Lockdown überstehen müssen, sondern auch den Sommer, für sie qua Geschäftsmodell eine verlustreiche Saison. Von dem Run auf Individualsportarten, wie er sich im nächsten Sommer wiederholen könnte, werden sie kaum profitieren können.



Auch die Monatsbetrachtung zeichnet ein extrem heterogenes Bild: Die Shutdown-Monate März und April mit minus 64% bzw. 83% konnten der Sommer und Herbst nicht kompensieren, aber doch abfedern mit immerhin vier Monaten im einstelligen Plus. Besonders dramatisch waren aber November und Dezember mit einem Minus von 20% bzw. 46%. Dieser Umsatz fehlt in der Kasse.

Auf der Suche nach individuellen Lösungen

Pauschale Antworten auf diese Situation gibt es nicht. Zumal sich die Lage nun auch für die Industrie zuspitzen wird. Die Vororder für Sommer 21 lief bei vielen Anbietern noch besser als erhofft, da sich nach dem ersten Lockdown die Erholung schneller und deutlicher als erwartet eingestellt hatte. Diese Perspektive gibt es für die laufende Orderrunde nicht. Zumindest nicht, was das deutsche Geschäft betrifft. Es wird viel verhandelt, diskutiert, bewertet und ausgehandelt – und es werden individuelle Lösungen gesucht.

Die Industrie kommt dem Handel mit einer Erhöhung des Durchläuferanteils entgegen, um einem allzu drastischen Wertverfall entgegenzuwirken. Eine Maßnahme, die viele Händler begrüßen. Ein Accessoires-Anbieter wie Buff kann nicht zuletzt aufgrund seiner eigenen Fertigung in Europa flexibler agieren und denkt darüber nach, die Winter-Order ein Stück nach hinten zu verschieben. „Wir sehen, dass die Händler eine Perspektive brauchen, um ihre Vororder planen zu können“, stellt Deutschland-Chef Marc Hasenstein fest. Umso besser, wenn man dabei den Partnern versatile Produkte anbieten könne, die auch neue Zielgruppen wie City Runner, Commuter und Speed Hiker adressieren.

Begeisterung für Wintersport ist ungebrochen

Die Ausgangsvoraussetzungen für eine erfolgreiche Wintersaison 21/22 sind da. Nie zuvor war das Thema Wintersport und die Begeisterung der Menschen für die Berge so präsent in den Medien wie in diesen Wochen. „Wir sind davon überzeugt, dass die Lust auf das Skifahren durch diesen ‚ausgefallenen‘ Winter in der kommenden Saison noch stärker ist und dass Aktivitäten im Winter auch neben der Piste, wie Skitouring oder das Winterwandern, Wachstumsthema bleiben“, zeigt sich Schöffel-Vertriebsleiter Stefan Merkt zuversichtlich. „Denn eines klar ist: Die Menschen wollen Outdoor.“


Der Boom dieser neuen Winterthemen kann die laufende Saison nicht retten. Wenngleich Spezialisten wie Ortovox und Dynafit auch schon jetzt davon profitieren konnten, wie nah einige ihrer Händler speziell in Süddeutschland trotz Shutdown an ihren Kunden sind und über unterschiedlichste Kanäle intensiv beraten können und auch verkaufen. Es wird sie auch in der laufenden Orderrunde geben, die Gewinner – auch abseits der mit deutlich weniger Fragezeichen behafteten Kategorien Bike, Running, Outdoor und Fitness, bei denen sich viele Händler bei ihrer Orderplanung an den 2019er-Zahlen orientiert haben.

Premiere für die digitale Ispo Munich

Themen, die klassischerweise auch auf der Ispo diskutiert werden. Die Messe setzt einen Fixpunkt im Branchenkalender – auch wenn sie für die Order schon lange keine große Bedeutung mehr hat. Für Mammut-Chef Oliver Pabst stand eine Beteiligung an der ersten digitalen Ispo Munich außer Frage. Nicht nur wegen seines Anspruchs, Mammut zum digitalen Leader der Outdoor-Branche zu machen.


„Es geht darum, diesen Zeitpunkt für die Industrie zu besetzen“, ist er überzeugt. Der Schweizer Bergsport-Spezialist ist einer der Haupt-Partner bei der Premiere, die vom 1. bis 5. Februar stattfindet. In der Expo Area erhalten die Kunden Informationen über das Unternehmen und über Highlight-Produkte. „Wir werden auch Live-Produktvorstellungen aus unseren Showrooms broadcasten.“ Nicht zuletzt schätzt Pabst die Möglichkeit des „virtuellen Reception Desk“. Auch bei Jack Wolfskin will man die Gelegenheit, mit Kunden und anderen Marktteilnehmern in Kontakt zu bleiben, nicht missen. Gerade in der aktuellen Zeit seien solche digitalen Formate wichtige Plattformen, um mit der Community verbunden zu bleiben.


Nicht jeder langjährige Ispo-Aussteller konnte von den Vorteilen überzeugt werden. Helly Hansen schon. Hier erhofft man sich vor allem neue Kontakte. „Uns ist es wichtig, dass die Besucher in wenigen Sekunden verstehen, wofür unsere Marke steht und Lust bekommen, mit uns in Kontakt zu treten“, so Marketingleiter Michael Uhl. „Mit unseren bestehenden Partnern sind wir digital in diesen Monaten ohnehin in Kontakt – diese Möglichkeiten nutzen wir ja heute sehr viel intensiver als noch vor einem Jahr.“

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