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Sporthaus Schuster-Geschäftsführer Rainer Angstl im TW-Gespräch

"Ich bin besorgt"

Sport Schuster
Sport Schuster-Geschäftsführer Rainer Angstl plant für 2021 "ganz moderat": "Liquidität steht über allem."
Sport Schuster-Geschäftsführer Rainer Angstl plant für 2021 "ganz moderat": "Liquidität steht über allem."

Sporthaus Schuster-Geschäftsführer Rainer Angstl sieht die Einzigartigkeit der Münchner Innenstadt in Gefahr. Er mahnt: "Die Vormachtstellung Stationär bröckelt." Dank eines klaren Profils und starker Ausrichtung auf Natur- und Bergsortimente kann sich indes sein Haus auch in diesen Monaten behaupten. Doch die bange Frage bleibt: Kommt der Wintersport?

TextilWirtschaft: Wie sieht es in der Münchner Innenstadt aus?
Rainer Angstl: Jetzt hat’s auch München erwischt. Mit der Einführung der Maskenpflicht letzte Woche hatten wir etwa 50% weniger Frequenz in der Kaufinger und Neuhauser Straße. Freitag bei Sauwetter waren weniger Menschen in der Fußgängerzone als am Sonntag.

Und kaum mehr internationale Touristen, oder?
Im Juli hatten wir in München 94% weniger amerikanische Übernachtungsgäste, 96% weniger Chinesen und 100% weniger Araber. Beim Glockenspiel schaut hier keiner mehr nach oben.

Wie sieht es bei Ihnen im Haus aus?
Wir können uns ganz gut behaupten. Im August und September hatten wir 25% weniger Leute im Laden, haben aber fast den Umsatz vom Vorjahr geschafft. Das kommt natürlich auch daher, dass wir im Sport und mit starker Ausrichtung an die Natur-/Bergsortimente die Bedürfnisse der Kunden gut treffen. Wir haben weiter die bekannten Treiber: Running/Bike/Bergschuhe. Exemplarisch sind die Zahlen, wenn Sie alleine in das Rucksack-Segment schauen: Plus in Wandern/Alpin, Riesenminus in großen Trekking-Rucksäcken und Reisegepäck.

Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?
Den Umständen nach ganz ok, würde ich sagen. Alle haben die Lage erkannt und stellen die zum Teil dramatischen persönlichen Einschnitte hinten an. Viele wissen: Es ist eng in unserem Berufsbild. Münzinger hat alle geschockt, ebenso die Meldung zu den Galeria- und Karstadt-Schließungen und alles, was mit der SportScheck/Karstadt-Zusammenführung zu tun hat.


Wo stehen Sie aufgelaufen? Womit planen Sie fürs Jahr – bei aller Unwägbarkeit des Wintergeschäfts?
Wir sind weiter klar hinter Vorjahr und Plan. Ganz entscheidend ist nun: Kommt der Wintersport - allen voran die Skisaison im Alpinen Bereich? Touren und Langlauf werden zwar gut besprochen, dafür braucht es aber Naturschnee bzw. Konzepte für die Tourengeher auf den Alpin-Pisten. Dass Tirol und Vorarlberg Risikogebiete sind, macht uns sehr nachdenklich. Dort fahren die Münchner vorzugsweise Ski, neben den Gebieten in den Münchner Hausbergen.

Wie entwickelt sich kauflokal.com?
Wir glauben an diese Idee und werden bis Ende des Jahres mit Hochdruck so viel Händler wie möglich auf die Plattform holen. Das heißt viel Akquise- und Überzeugungsarbeit, bis hin zum „Klinkenputzen“. Wir möchten die Hirmers, Schusters, Kustermanns, Hugendubels, Dallmayrs und Ludwig Becks aus allen relevanten Handelsstädten, ob groß oder klein.


Wie planen Sie 2021?

Liquidität steht über allem. Wir planen ganz moderat und versuchen, die höhere Nachfrage, die dann hoffentlich kommt, über die Achse mit der Industrie zu stemmen.

Welche Perspektive sehen Sie für den innerstädtischen Sporthandel?
Ich bin besorgt. Die Münchner Innenstadt war in der Vergangenheit einzigartig: Zwischen Stachus und Isartor gab es alles von den großen Häusern, von den Markenstores dann alles in der anderen Achse, von Sendlinger Tor bis Odeonsplatz. Nun bröckelt die Vormachtstellung Stationär. Karstadt räumt, Münzinger auch, einige Vertikale machen zu. Die Baustellen in der Stadt, die Sperrung am Wochenende in der S-Bahn-Stammstrecke, gepaart mit 30 Euro Parkgebühr für einen Tag, das alles lässt die Kunden weiter ins Netz abwandern. Wir müssen alle miteinander den Mehrwert von Multichannel herausarbeiten und transparent machen. Allen voran den Service. Aber die Versprechen müssen dann bedingungslos gehalten werden.

Was erwarten Sie von den Vermietern? Haben Verhandlungen Aussicht auf Erfolg?
Wir warten noch ab, wie der Winter wird, dann werden wir gegebenenfalls die Gespräche suchen. Wir haben fast über Jahrzehnte Mietpartner, das ist sehr partnerschaftlich. Aber eines ist ganz klar: In der jetzigen Zeit sind die Mieten in Summe alle zu hoch, auch in München.
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