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Sport Schuster-Macher im Gespräch

„Performance statt Athleisure”

Annika Feuss

Sport Schuster ist eine Instanz im Sport-Retail. Die Münchner Adresse ist weit über die Region hinaus bekannt. Gerade erst hat eine Kooperation mit dem Hype-Bike-Anbieter Peloton für Aufsehen gesorgt. Wir trafen Einkaufsleiter Helmut Buchheimer, Store Manager Tobias Zipfer und Marketing-Chef Konstantin Rentrop auf einen Kaffee in der hauseigenen Bar Alpina. Das sagen die drei über die besten Parkas, 90s-Streetwear und den Wiedereinstieg ins Tennis-Geschäft.

TextilWirtschaft: Wie läuft das Wintergeschäft bei Ihnen an?
Helmut Buchheimer: Sehr erfreulich. Wir machen jetzt schon gute Geschäfte mit Skibekleidung, haben schöne Ski-Bons von über 500 Euro. Das bleibt natürlich nicht so, wenn nicht mehr nur die Premium-Kunden unterwegs sind. Aber wir stehen jetzt, Mitte November, besser da als vor 12 Monaten, was Abverkäufe und Marge betrifft.


Gibt es Aufsteiger?
Helmut Buchheimer: Wir sind mit Toni Sailer gestartet, führen die Marke exklusiv in München. Und das funktioniert wirklich sehr gut. Exklusivität und selektiver Vertrieb spielen uns immer in die Hände. Unser stärkster Ski-Bekleidungs-Lieferant ist allerdings Kjus – also ein hochfunktionaler Anbieter. Funktion steht bei uns immer im Vordergrund, das ist in Kombination mit Beratung für viele unserer Kunden ein Grund, zu uns zu kommen, und zwar früh in der Saison.


Schätzen diese Kunden auch Ihr urbanes Outdoor-Angebot?
Helmut Buchheimer: Wir sehen da eine schöne Entwicklung. Unsere Stammkunden sind überrascht, dass sie bei uns jetzt auch modischere Sortimente finden. Und dass „ihre“ Marken auch so tolle Parkas machen. Wir lernen natürlich dazu, sind zum Beispiel mit den Preisen jetzt zum Winter etwas runter gegangen. Jetzt gibt es auch Jacken von Picture für 250 Euro, das ist eine neue Einstiegspreislage. Auch von Fjällräven und The North Face bieten wir nun etwas günstigere Modelle. Die Spitze bilden dann die Parkas von Canada Goose, die allerdings etwas verlieren, Arc‘teryx, in dem Segment der stärkste Lieferant, und eine Liebhaber-Marke wie Houdini.


Also insgesamt ein stark von Jacken getriebenes Feld.
Tobias Zipfer: Im Winter auf jeden Fall. Stark sind aber auch Accessoires, Schuhe und Rucksäcke. Und im Sommer verkaufen wir auf der Fläche wirklich sehr viele Oberteile. Hier ist Patagonia extrem stark. Ganz entscheidend ist auch bei diesem Segment, dass alle Marken ihren Ursprung im Sport haben. Die urbaneren Kollektionen wie Houdini und Arc’teryx genauso wie die Anbieter mit stärkerer Outdoor-Ausrichtung wie Maloja. Genau diese zwei Strömungen wachsen immer mehr zusammen, das war ja überhaupt der Grund für unseren Start mit der „Urbanen Outdoor-Kultur“.


Vor einem Jahr haben Sie den neuen Schuster eröffnet. Wie fällt Ihre erste Bilanz aus?
Tobias Zipfer: Wir haben im Vergleich zum Vorjahr ein deutliches Plus, liegen im Moment bei plus 20%. Damit sind wir allerdings unter unseren sehr ambitionierten Erwartungen geblieben. Dabei sind es ausschließlich die neuen Felder, die noch nicht ganz so stark waren wie erhofft.


An welchen Stellschrauben drehen Sie jetzt?
Helmut Buchheimer: Das Thema Athleisure hat seinen Zenit überschritten. Wir gehen deswegen jetzt auch im 1. OG, der Frauen-Etage, stärker in Richtung Performance, verabschieden uns von 90er Jahre-Streetwear-Looks rund um Logo-Sweats. Diesen Look kaufen unsere Kundinnen – und ihre Töchter – beim Münzinger. Dafür stärken wir bei Schuster den Yoga-Part mit Lieferanten wie Mandala und Prana. Außerdem bringen wir die extrem erfolgreiche Bra-Bar und die Tight-Bar zusammen. Generell waren wir nach dem Umbau etwas zu luftig, die Warenpräsentation war etwas zu großzügig. Das verdichten wir. Ein weiterer Hebel ist ein verbessertes Replenishment.


Tennis war der einzige Bereich, der dem großen Umbau zum Opfer gefallen war. Jetzt ist Tennis wieder da. Warum?
Tobias Zipfer:
Weil unsere Kunden danach fragen. Und wir mit der deutlich vergrößerten Kinderabteilung nicht so erfolgreich waren wie erhofft. Wir machen da keinen Riesenaufschlag, bieten aber ein Basis-Sortiment für den tennisspielenden Schuster-Kunden.


Bike ist ein weiteres neues Thema. Wie ist das angelaufen?
Helmut Buchheimer: Auch da lernen wir dazu. Noch wissen viele Kunden gar nicht, dass wir jetzt auch E-Bikes führen. Aber wir glauben an das Thema E-Mobilität in München und sind der einzige Anbieter in der Innenstadt, noch dazu mit komplettem Service-Angebot. Wir werden uns auf City- und Trekking-Bikes beschränken, und zwar auf vier Marken – neben Simplon, Coboc und Scott starten wir mit Riese & Müller, einer kleinen, feinen Schmiede für individualisierbare E-Bikes.


Sport Schuster schafft den Katalog ab, um mehr Flexibilität in den 360 Grad-Bespielungen zu bekommen. Erfüllt sich diese Hoffnung?
Konstantin Rentrop:
Ja, unsere Herangehensweise an Kampagnen entwickelt sich, wir spielen sie immer kongruenter aus. Wir haben alle zwei Wochen neue Fenster, fast jede Woche neue Aktivierungen im Haus. Dank unseres flexiblen Ladenbaus mit Grid-Systemen auf allen sieben Etagen haben wir dafür im ganzen Haus entsprechende Sales Points – auch ohne Shop-in-Shops. Und wir müssen natürlich unsere Kunden direkter ansprechen und besser abholen. Wir gehen aktiver ins In-Season-Management und arbeiten viel enger mit den Marken zusammen. Es geht immer darum, die Community zu aktivieren.


Warum aktivieren Sie die nicht über regelmäßige Sportveranstaltungen wie dem berühmten wöchentlichen Lauftreff?
Konstantin Rentrop:
Weil wir kein Sportveranstalter sind. Dieses Angebot gibt es zur Genüge. Wir wollen exklusive Mehrwerte schaffen, immer mit Produkt- und Markenbezug. Dabei wollen wir neue, überraschende Wege gehen. Wie etwa mit der Kooperation mit Peloton, deren Angebot wir für zehn Wochen exklusiv nach München bringen. Auf diese Weise schaffen wir unsere eigene Frequenz. Das ist die größte Herausforderung der nächsten Jahre. Wichtig ist für uns auch der Austausch mit anderen Händlern, Münchens Ersten Häusern. Aber eben auch unsere Alpina Bar, unsere Aktionen und die Eventräume im 6. Stock. Da trifft sich mal die Outdoor-Community zur Filmpräsentation von Patagonia, im Januar findet dort aber zum Beispiel auch ein Ärztekongress statt.
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