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Nach der Initiative von Udo Siebzehnrübl und dem Appell der Wintersporthändler

Sportfachhandelsverbund begrüßt Protest-Aktionen

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vds- und FEDAS-Präsident Stefan Herzog fordert mehr Gehör für die Branche
vds- und FEDAS-Präsident Stefan Herzog fordert mehr Gehör für die Branche

Der Verband des deutschen Sportfachhandels, der vds, fordert seine Mitgliedsunternehmen auf, sich selbst Gehör in der Politik zu verschaffen – stärker als bisher. Er begrüßt die Aktionen, mit denen Sportfachhändler auf ihre dramatische Situation aufmerksam machen wollen.

Udo Siebzehnrübl von Intersport Siebzehnrübl in Altötting wollte trotz des Lockdown öffnen, die neue Interessensgemeinschaft deutscher Wintersportspezialisten unter Führung von Thorsten Bohl von SkiBo Tours & Sports Bochum und Oliver Nieß von SOS Sport in Braunschweig fordert eine Anpassung der staatlichen Hilfen, Boris Lehmann vom Laufladen in Erfurt berät seine Kunden auch im Lockdown persönlich – der vds begrüßt diese Aktionen und den öffentlichen Appell der Unternehmer an die Politik.



„Dabei will der deutsche Sportfachhandel weder öffentlich zu Rechtsbrüchen aufrufen, noch sind alle deutschen Sportfachhändler auf Krawall gebürstet“, so vds- und FEDAS-Präsident Stefan Herzog. „Ich freue mich besonders darüber, dass es zum Beispiel unserem Kollegen Boris Lehmann, dem Inhaber des Erfurter Laufladens, gelungen ist, am 30. Dezember 2020 vom Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie trotz strenger Corona-Beschränkungen für den Thüringer Einzelhandel eine Ausnahmegenehmigung für die Öffnung seines Erfurter Laufladens zu erhalten.“

„Die Genehmigung“, so Herzog weiter, „die nur für die Laufschuhberatung und nicht für den allgemeinen stationären Verkauf im Geschäft gilt, zielt erfreulicherweise auf eine Eigenschaft des gesamten deutschen Sportfachhandels ab, die wir als Verband schon seit den letzten Jahrzehnten in den Mittelpunkt unserer Öffentlichkeitsarbeit stellen: Unsere Mitglieder und der gesamte mittelständische Sportfachhandel sind perfekt ausgebildete Freizeit-, Wellness- und Sportgesundheitsberater. Das sind sie gerade auch jetzt in Zeiten von Corona und des damit verbundenen weiter steigenden Interesses in der Bevölkerung an fachlicher Beratung im Outdoor- und Individualsport.“

Stefan Herzog beglückwünscht als vds-Präsident das Team in Erfurt zu dieser positiven Entwicklung für das Angebot des Erfurter Laufladens als echte Kunden-Unterstützung in der Lockdown-Krise, auch wenn mit dieser Genehmigung nicht direkt vor Ort verkauft werden darf. Angeboten werden nur Beratungsdienstleistungen wie Schmerzberatung, Leistungsdiagnostik, Bewegungstherapien und andere Angebote rund ums gesunde und sichere Laufen in allen Altersklassen, und das auch nur nach telefonischer Anmeldung und nach den in Erfurt herrschenden Corona-Regeln im Handel. Sollte bei dieser Beratung eventuell ein neuer Laufschuh für die Besserung der augenblicklichen gesundheitlichen Probleme gewünscht werden, dann kann dieser im Rahmen der Beratung bestellt und dem jeweiligen Kunden nach Hause geschickt werden.

Stefan Herzog sieht in dieser Initiative einen kleinen, aber wichtigen Leuchtturm in der Krise mit Ausstrahlung in die gesamte Sporthandelslandschaft. Einen solchen Leuchtturm der Selbsthilfe setze auch der Intersport-Händler und frühere Aufsichtsrat des Verbandes Udo Siebzehnrübl mit seinen fünf Fachgeschäften rund um Altötting und München. Er kündigte am 4. Januar an, zwei seiner Fachgeschäfte trotz Lockdown ab 11. Januar wieder zu öffnen und dafür eventuell Strafzahlungen in Kauf nehmen zu wollen.


Zwar habe er die Aktion auf Grund ihrer Vereinnahmung durch rechte Politaktivisten leider nicht in der ursprünglich vorgesehenen Form durchführen können, die Politik sei aber auch durch ihn auf den Einzelhandel aufmerksamer geworden. Damit habe er seinen Teil dazu beigetragen, dass jetzt die Politik auf die Probleme des Handels und speziell des Sportfachhandels aufmerksam wird und somit z.B. in Bayern Click & Collect erlaubt ist.

Intersport selbst hat sich von der geplanten Aktion ausdrücklich distanziert. Konkret heißt es von Intersport-CEO Alexander von Preen: „Auch im Namen des Aufsichtsrats und meiner Vorstandskollegen distanzieren wir uns ausdrücklich von Bestrebungen einzelner selbständiger Sportfachhändler zur Wiedereröffnung ihrer Geschäfte trotz Lockdown. Hier geht es um gesellschaftliche Verantwortung und die haben wir alle zu tragen.“

Hohe Aufmerksamkeit

Stefan Herzog sieht vor allem die hohe Aufmerksamkeit, die dieser Aktion zuteil wurde. „Als Verband deutscher Sportfachhandel bewerten wir die Initiative von Udo Siebzehnrübl sehr positiv, denn wir haben offensichtlich einen neuen aktiven Mitstreiter für unsere Verbandsarbeit und unsere damit verbundene Öffentlichkeitsarbeit gewonnen, und noch dazu einen der langjährigen erfahrenen Aufsichtsratsexperten des Intersport-Verbunds.“

Mit diesen Beispielen aus der aktuellen Corona-Diskussion der vergangenen Wochen ruft der Verband deutscher Sportfachhandel vds seine Mitgliedsunternehmen auf, sich selbst, stärker als bisher, Gehör in der Politik zu verschaffen. Vor allem deshalb, damit der Sporthandel bei dem dringend notwendigen staatlichen Ausgleich der finanziellen Corona-Verluste nicht vergessen, sondern angemessen entschädigt werde.

Vor allem die Unterzeichner des Appells der Wintersport-Spezialisten mahnen: „Nichts wäre eine größere Verschwendung von Steuergeldern, als uns Händler mit kleinen Zuschüssen über Wasser zu halten – mit der großen Gefahr, dass uns im Sommer die Luft ausgeht. Dann hätten die Hilfen eine ähnliche Wirkung wie der versuchte Lockdown light.“

In entsprechenden Mailings in die elektronischen Briefkästen der jeweiligen lokalen Landtags- und Bundestagsabgeordneten sollten die Wintersporthändler, nach Auffassung und dem Rat ihres Berufsverbandes vds, der Argumentationskette des öffentlichen Kollegenschreibens an die Berliner Politik folgen. Wichtig sei dabei, dass sie ganz persönlich darauf hinweisen, dass es ohne eine entsprechende bundes- und landespolitische Förderung in dieser Jahrhundertkrise schwierig werden könnte, den Fortbestand des mittelständischen Handels in Städten und Gemeinden sicherzustellen.

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