Wer jetzt noch kein Ticket hat, muss leider draußen bleiben. Seit Wochen ist das Beauty-Event Glow ausverkauft, das Ende Oktober in Berlin auf dem Gelände der Premium Exhibitions stattfindet. Bis zu 90 Euro zahlen die meist jungen Besucherinnen für ein Tagesticket, um Produkte zu testen, Pröbchen einzusammeln und Party zu machen. Und nicht zuletzt, um beim Meet & Greet ihre You Tube- und Insta-Stars zu treffen und ein Selfie mit ihnen zu ergattern.

16.000 Beauty-Begeisterte kamen Anfang März zur letzten Glow in die Dortmunder Westfalenhalle. Fast doppelt so viele Besucher zählte das Fitness-Spektakel World Fitness Day, das im Juli in Frankfurt auf dem Gelände der Commerzbank-Arena zum zweiten Mal stattfand. Zwei Beispiele für Events, die ihre Größe nicht zuletzt professioneller Social Media-Einbindung verdanken. Oder ohne gar nicht stattfinden würden. Und zwei Events, an denen die neuen Gesellschafter der 21sportsgroup maßgeblich beteiligt sind. Sie zeigen, welches Potenzial in der Verbindung von Reichweite und Content mit entsprechenden Produkten steckt.

21sportsgroup

  • 2005 legt Firmengründer Jörg Mayer mit der Eröffnung des Lauf&Sport-Shops Rhein-Neckar den Grundstein für das Multichannel-Unternehmen.
  • 2015 der größte Coup: Übernahme des Action Sports-Spezialisten Planet Sports von der insolventen Puccini Holding.
  • 2016 Übernahme der Berliner Mysportgroup mit dem Online-Marktplatz Vaola. Im gleichen Jahr wechselt Firmengründer Jörg Mayer von der operativen Geschäftsführung in den Beiratsvorsitz. Planet Sports-Geschäftsführer Henner Schwarz wird auch in die Geschäftsführung der 21sportsgroup berufen, die er seit Ende 2017 als alleiniger Geschäftsführer leitet.
  • 2018 Umzug von Mannheim nach Ketsch, wo das neue Logistikzentrum in Betrieb genommen wird. Ab Ende 2019 soll von hier aus die komplette Logistik laufen.
Vor einem knappen Jahr sind die früheren Pro Sieben- und Premiere-Manager Georg Kofler und Michael Börnicke gemeinsam mit ihrem Partner Holger Hansen als Investoren bei dem Multichannel-Sporthändler eingestiegen. In diesem Frühjahr haben sie ihre Anteile deutlich aufgestockt. „Für unser weiteres Wachstum ist dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil“, erklärte Geschäftsführer Henner Schwarz, als der Einstieg der neuen Gesellschafter bekannt wurde.

Zugpferd der Gruppe mit Sitz in Ketsch in Baden-Württemberg ist der Action Sports-Spezialist Planet Sports, der 2015 von der insolventen Puccini Holding übernommen wurde. 12 Stores, etwa 80% Online-Anteil, klarer Fokus auf Boardsport. Allen Schwierigkeiten im Action Sports-Markt zum Trotz: „Wir wachsen mit Planet Sports“, so Schwarz. Der Umsatz konnte von rund 60 Mio. Euro im Jahr der Übernahme auf aktuell über 70 Mio. Euro gesteigert werden. „Dabei ist Planet Sports nach der Integration in die 21sportsgroup wieder durchgehend profitabel – anders als die Gruppe insgesamt.“ Den aktuellen Gesamtumsatz der Gruppe beziffert Schwarz mit über 100 Mio. Euro.

Beispiel Beachwear: Eine der jüngsten, deutlich emotionaleren Planet Sports-Kampagnen.
Beispiel Beachwear: Eine der jüngsten, deutlich emotionaleren Planet Sports-Kampagnen.
Die Eröffnung neuer Läden steht zwar aktuell nicht auf der Agenda, aber sie sind extrem wichtig für das Unternehmen und das Erreichen der Zielgruppe, wie Schwarz betont. Mit rückläufigen Frequenzen habe man natürlich zu kämpfen, aber das könne man über Tablet-Verkäufe im Store und damit höhere Bons gut kompensieren. Die Möglichkeit, aus der Filiale heraus auf das Lager und den Online-Shop zuzugreifen sei vor allem bei Hartwaren extrem wichtig. Deren Anteil liege konstant im unteren zweistelligen Prozentbereich.

Neben Planet Sports gibt es mit 21run ein spezialisiertes Format für Läufer und Triathleten, im Schwerpunkt online, aber auch mit zwei stationären Läden vertreten. Unter Clubsale betreibt die Gruppe einen Shopping-Club für registrierte Mitglieder. Auf diese drei Formate konzentriert sich die Gruppe heute vor allem. Die Webshops 21cycles.com und 21streetwear.com wurden integriert. Den Grundstein für die 21sportsgroup legte ein Laufladen, den Firmengründer Jörg Mayer 2005 eröffnete. Seine Vision für die daraus entstandene 21sportsgroup: die Entwicklung der größten europäischen Multichannel-Sporthandels-Plattform. Mitte 2017 zog sich Mayer zurück, verkaufte seine Anteile an die neuen Gesellschafter.

Über reine Größe mag Henner Schwarz die zukünftige Entwicklung nicht definieren. Zumal er für den großen Wurf zum Milliarden-Konzern sicher deutlich mehr Geld bräuchte, als ihm die diversen Finanzierungsrunden der vergangenen Jahre einbrachten. Dieses Geld hat die Gruppe vor allem in IT investiert, so dass heute alle Shops auf einer einheitlichen Plattform laufen. „Von den hohen Investitionen in IT in den vergangen Jahren profitieren wir heute. Auch wenn das wirklich kostspielig war. Aber so können wir uns jetzt voll auf das Thema Marketing fokussieren.“ Umso glücklicher ist Schwarz nun mit den neuen Geldgebern, die auch strategisch zur Gruppe passen und die weitere Entwicklung aktiv mit vorantreiben. „Für uns hat sich damit der Fokus auf Social Commerce verschärft“, so der Geschäftsführer. „Da haben wir jetzt echte Profis an Bord.“

Georg Kofler, Holger Hansen und Michael Börnicke sind Gesellschafter der Social Chain Group, einem integrierten Social Media-Unternehmen, das unter anderem in den Bereichen Social Media Marketing und Social Commerce sowie der Veranstaltung von Conventions und dem Influencer Marketing tätig ist. Insgesamt beschäftigt die Gruppe 500 Mitarbeiter an den Standorten Berlin, Manchester, München, London und New York. Dem Vernehmen nach werden die drei neuen Gesellschafter, die heute mit knapp 40% an der 21sportsgroup beteiligt sind, ihre Anteile in diese Firma überführen.

„Wir verpartnern uns mit Marken, die mit uns zusammenarbeiten wollen. Erste Ergebnisse wird man noch in diesem Jahr sehen. “

Henner Schwarz
Wenn Henner Schwarz über Wachstumsfelder spricht, dann nicht über ein bestimmtes Marktsegment, sondern vielmehr über Geschäftsmodelle, die sich verändern. Verändern müssen. Erst kürzlich hat Schwarz in den USA die Streetwear-Messe Agenda besucht. „Voll ist es da nur noch an den letzten Messetagen, wenn die Messe für das Publikum geöffnet wird. Das klassische Wholesale-Modell spielt dort ganz offensichtlich keine Rolle mehr. Einerseits verkaufen die Lieferanten direkt an die Kunden, andererseits haben die Händler Geschäftsmodelle entwickelt, die stark an eigenen Brands hängen.“ Und er ist sicher, dass diese Entwicklung auch das Geschäft hierzulande noch sehr viel stärker prägen wird. „Einer von vielen zu sein, der das gleiche Produkt online anbietet, ist sicherlich nicht der beste Weg.“

Doch wenn Schwarz von Exklusivität spricht, meint er nicht das klassische Private Label-Geschäft, wenngleich er mit der Entwicklung der zwei Eigenmarken des Unternehmens, Lakeville Mountain und Max-Q, sehr zufrieden ist. Ihm schweben eher Aktionen und Partnerschaften vor, wie sie erstmals schon im April präsentiert wurden: eine exklusive Kapselkollektion von Bench und 21run, deren Launch von einem Roll-Out auf allen Social Media-Kanälen der Social Chain Group begleitet wurde. Von „modernsten Lösungen für eine erfolgreiche Produktvermarktung“ sprach Michael Börnicke beim Start der Aktion.

Erste Social Chain-Einflüsse sieht man zum Beispiel auch an den deutlich emotionaleren Marketing-Kampagnen auf der Planet Sports-Website. Oder auch an der Shopping-Event-Tour The Flac. Für die Fortsetzung im Herbst soll das Konzept, das bisher vor allem als größter Lagerverkauf mit stark reduzierten Preisen beworben wird, weiter optimiert werden. Außerdem wird die Veranstaltung offiziell umbenannt in Planet Sports Convention.

Eine verstärkte, engere Zusammenarbeit mit den Marken, das ist es, was Henner Schwarz vorschwebt. Er spricht davon, sich mit Brands zu „verpartnern“. Und kündigt an: „Erste Ergebnisse wird man noch in diesem Jahr sehen.“ Auf welcher Party auch immer – im Netz auf jeden Fall.

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