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Interview mit Tobias Zipfer vom Sporthaus Schuster

„Was momentan zermürbt, ist die Ungewissheit“

Sport Schuster
"Dass der 10. Januar nicht reichen würde, war ja von Anfang an klar." Dennoch bleibt Tobias Zipfer vom Sporthaus Schuster optimistisch. "Wenn man alleine sieht, wie viele Junge jetzt wandern gehen und sich in diesem Sommer Wanderschuhe gekauft haben, dann ist das ein Riesen-Potenzial."
"Dass der 10. Januar nicht reichen würde, war ja von Anfang an klar." Dennoch bleibt Tobias Zipfer vom Sporthaus Schuster optimistisch. "Wenn man alleine sieht, wie viele Junge jetzt wandern gehen und sich in diesem Sommer Wanderschuhe gekauft haben, dann ist das ein Riesen-Potenzial."

Das Sporthaus Schuster ist eine Bergsport-Institution – weit über die Münchner Stadtgrenzen hinaus. Nach einem starken Sommer war man hier wieder recht zuversichtlich. Doch dann kam der Shutdown in den wichtigsten Wochen des Jahres. Store-Manager Tobias Zipfer zur aktuellen Lage.

TextilWirtschaft: Seit Montag ist in Bayern nun auch Click&Collect erlaubt. Wie läuft es?
Tobias Zipfer: Gut, am ersten Tag haben etwa 50 Kunden Bestellungen bei uns abgeholt. Das kann unsere Ausfälle natürlich bei weitem nicht kompensieren, aber es hilft.

Was kaufen die Kunden jetzt?

Alles, was man bei der Kälte jetzt gut gebrauchen kann. Vor allem Bekleidung, aber auch viel fürs Rodeln. Im Prinzip alles außer Ski.


Was machen Sie mit der Ski-Ware?
Den Großteil werden wir einlagern. Den Winter haben wir abgeschrieben. Wobei das unsere Logistik schon vor große Herausforderungen stellen wird, wir reden hier über 3000 Paar Ski-Schuhe, 2000 Ski-Hosen und 1500 Ski-Jacken. Leider haben auch die Hersteller dieselben Herausforderungen, wir konnten aber partnerschaftliche Lösungen finden.
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Werden Sie für nächsten Winter neue Ski bestellen?
Neue Highlight-Modelle werden wir bestellen, ansonsten wäre es eine große Hilfe, wenn die Hersteller die Kollektionen durchlaufen lassen würden.

Wie entwickelt sich Ihr Online-Shop?
Sehr gut, wir haben allein im Dezember eine Million Euro mehr Online-Umsatz gemacht als im Vorjahr. Trotzdem schlägt der Dezember mit minus 41% zu Buche. Den verlorenen Stationär-Umsatz kann der Online-Umsatz nicht kompensieren.

Verdienen Sie online Geld?
Mittelfristig wollen wir online Geld verdienen, ganz klar. Aufgrund der aktuellen Situation dient Online aber hauptsächlich dazu Winter-Ware abzuverkaufen, die Spanne steht momentan nicht im Vordergrund.

Rechnen Sie damit, Überbrückungshilfe III zu bekommen?
Davon gehen wir aus. Allerdings ist man bei der Beantragung alleine verloren, dafür braucht es Wirtschaftsprüfer und Steuerberater. 500.000 Euro monatlich wären auf jeden Fall eine Hilfe, vor allem aber hilft uns das Kurzarbeits-Modell. Es dauert aber alles viel zu lang, das Geld für den Frühjahrs-Lockdown haben wir erst im August bekommen.

Haben Sie eigentlich darüber nachgedacht, Ihre Fahrradwerkstatt zu öffnen? Das dürften Sie auch in Bayern trotz Lockdown.
Das würde sich nicht rechnen. Im ersten Lockdown war die Situation eine andere, da war es noch erlaubt, Bike-Textilien und Zubehör zu verkaufen, was dieses Mal leider nicht erlaubt ist. Die Nachfrage nach der Bike Werkstatt ist allerdings, aufgrund der Jahreszeit, auch sehr gering.

Sie bleiben optimistisch für die Zukunft?
Ja, auf jeden Fall. Wenn man alleine sieht, wie viele Junge jetzt wandern gehen und sich in diesem Sommer Wanderschuhe gekauft haben, dann ist das ein Riesen-Potenzial. Und auch im Winter entstehen neue Trends wie Tourengehen und Schneeschuh-Wandern. Was momentan zermürbt, ist die Ungewissheit. Dass der 10. Januar nicht reichen würde, war ja von Anfang an klar.

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