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Tobias Gröber von der Messe München im TW-Interview

"Wir säßen Ende Januar auf einem irrelevanten Termin"

Messe München
"Wir können Messen unter Corona-Bedingungen veranstalten. Das haben wir nicht zuletzt mit der IAA Mobility gezeigt", sagt Tobias Gröber, Leiter Geschäftsbereich Konsumgüter der Messe München.
"Wir können Messen unter Corona-Bedingungen veranstalten. Das haben wir nicht zuletzt mit der IAA Mobility gezeigt", sagt Tobias Gröber, Leiter Geschäftsbereich Konsumgüter der Messe München.

Der Januar ist Vergangenheit. Die Ispo Munich findet ab 2022 bereits im November statt. Auch die Outdoor by Ispo rückt nach vorne: Sie findet 2022 im Juni statt, ab 2023 dann im Mai. Tobias Gröber, Leiter Geschäftsbereich Konsumgüter der Messe München, über die fehlende Messe im kommenden Januar, digitale Zusatzangebote und die Konzentration aufs Wesentliche. 

TextilWirtschaft: Wieso findet die Ispo Munich im Januar 2022 nicht statt?
Tobias Gröber: Wir haben in den vergangenen drei, vier Wochen sehr intensive Gespräche mit allen Branchenteilnehmern geführt. Das Ergebnis war eindeutig: Knapp 90% aller Befragten haben gesagt, wir sollen sowohl mit der Ispo Munich als auch mit der Outdoor by Ispo nach vorne rücken.


Also keine coronabedingte Absage?

Wir können Messen unter Corona-Bedingungen veranstalten. Das haben wir nicht zuletzt mit der IAA Mobility gezeigt. Mit einer Ispo Munich im November 2022 macht aber eine Veranstaltung im Januar 2022 keinen Sinn, das wären für viele Aussteller schlicht zu hohe Kosten.

Die Diskussion um Messetermine ist so alt wie die Messen selbst. Hat Sie dieses fast einstimmige Votum für den November-Termin überrascht?

Tatsächlich habe ich eine solche Zustimmung in meiner ganzen Messezeit noch nie erlebt. Bis vor Corona war der Januar-Termin ein guter Kompromiss, auf den sich alle im Markt verständigen konnten. Die Textil-Anbieter hätten gerne ein früheres Datum gehabt, die Hartwaren-Anbieter ein späteres. Aber mit dem Januar-Termin konnten die meisten leben. Jetzt ist aber durch die massiven Probleme in der Supply Chain die Order nach vorne gewandert, auch bei der Hartware. Damit säßen wir Ende Januar, zwei Wochen nach der letzten Orderdeadline, auf einem irrelevanten Termin. Um das zu verhindern, nehmen unsere Partner in Kauf, auf eine Messe in diesem Winter zu verzichten. Ein positiver Nebeneffekt: So sind wir endlich aus der Kollision mit dem Chinesischen Neujahrsfest raus.

Hartware spielt doch ohnehin eine immer kleinere Rolle für die Ispo Munich.

Das stimmt prozentual, der Anteil der Bekleidungshersteller an den belegten Flächen ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Hartwaren belegen derzeit noch rund 10 bis 15 % der Fläche – aber dieser Part ist immens wichtig, auch emotional.

Warum wird es im Januar 2022 keine digitale Messe geben wie im Januar 2021?

Wir haben alle in den anderthalb Jahren Lockdown gelernt: Digital kann eine perfekte Brücke schlagen zum physischen Erlebnis, aber es ist kein vollwertiger Ersatz für ein persönliches Treffen. Wir vernachlässigen digital keineswegs und entwickeln auch unsere Online-Angebote permanent weiter – unabhängig von einem festen Messetermin. Gleiches gilt für unsere Awards, für die es künftig vier Einreichungstermine im Jahr gibt. Präsentieren werden wir sie auch in Zukunft auf einer Fläche bei den physischen Veranstaltungen, das nächste Mal auf der Outdoor by Ispo im Juni. Vor allem aber werden wir sie online featuren – das ganze Jahr über.

Sie haben eingangs die Kosten für Ihre Aussteller angesprochen. Die Beschränkung auf drei Messetage und eine Maximalbegrenzung der Standfläche zielen darauf ab, diese Kosten zu reduzieren, richtig?

Ja, auch. Aber eine Begrenzung der Standfläche – bei der Outdoor by Ispo sprechen wir von 150m² je Marke, bei der Ispo Munich von 200m² je Marke – erfordert auch eine Konzentration auf das Wesentliche. Ich bin davon überzeugt, dass die Zeit des Gigantismus vorbei ist. Ich muss mir als Marke darüber Gedanken machen, wie ich mich unterscheide. Zuletzt war es für die Messebesucher allein angesichts der schieren Größe schwierig, einen Überblick zu bekommen. Aber genau das ist ja die Funktion einer Kick off-Messe: einen Überblick zu geben über Trends, Innovationen und Marktentwicklungen und über Themen, die Unternehmen zukunftssicher machen.

Was sind Ihre Zielvorgaben für die Veranstaltungen im kommenden Jahr?

Exakte Ausstellerzahlen zu nennen, ist schwierig. Es geht, wie so oft, mehr um Qualität statt um Quantität. Wir wollen natürlich Unternehmen zurückgewinnen, die sich von der Messe verabschiedet haben. Wir wollen eine saubere Konsumenten-Integration und ein Event mit Strahlkraft bieten, das es mit seinen Themen auch in die Publikumsmedien schafft. Wir nennen das „Lobby for Good“. Unsere Branche kommuniziert noch viel zu verhalten darüber, was sie Gutes tut – für die Gesellschaft und für den Planeten. Sport hat eine große Bedeutung für die physische und psychische Gesundheit der Menschen. Darin sehen wir ein Riesenpotenzial. Uns als Messeveranstalter geht es schon lange um mehr als den reinen Verkauf von Quadratmetern.

Aber diese Quadratmeter hat die Messe München nun einmal. Können Sie den Ausfall einer weiteren Ausgabe der Ispo Munich vor Ort finanziell stemmen?

Die Ispo Munich findet 2022 statt. Nicht im Januar, sondern im November. Und unser Geschäftsjahr endet am 31. Dezember 2022.

Vor wenigen Wochen haben Sie die Outdoor by Ispo abgesagt, allerdings mit sehr viel weniger Vorlauf als jetzt. Was war da los?

Wir haben nicht die Messe Outdoor by Ispo abgesagt. Deren Ausrichtung im Sommer 2021 wurde uns aus Gründen der Pandemie untersagt. Im Oktober war ein Kongress geplant, für den wir uns 800 bis 1000 internationale Besucher als Ziel gesetzt hatten. Zehn Tage vorher waren lediglich 130 Tickets verkauft. Mit am Ende vielleicht 300 primär deutschsprachigen Besuchern hätten wir unseren Anspruch an einen internationalen Kongress nicht erfüllt. Deswegen haben wir uns gemeinsam mit unserem Partner EOG zur Absage entschlossen.
Wir werden inhaltlich aber bis zur Outdoor by Ispo im Juni 2022 noch mit einer Menge Inhalten aufwarten. Wir arbeiten beispielsweise an Workshop-Formaten, die wir zwischen den physischen Events anbieten wollen. Wir entwickeln das Angebot unserer Webseite ispo.com kontinuierlich weiter. Auch verfügen wir mit unserem Ispo Collaborators Cub, der weltweit über 80.000 Premium-Konsumenten umfasst, über eine Community, die wir perspektivisch noch stärker einbinden und nutzen wollen.
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