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JD Sports-Chef geht mit sofortiger Wirkung

Imago / Michael Gstettenbauer
Der britische Sporthändler JD Sports, der auch in Deutschland mit zahlreichen Läden vertreten ist, muss sich einen neuen Chef suchen.
Der britische Sporthändler JD Sports, der auch in Deutschland mit zahlreichen Läden vertreten ist, muss sich einen neuen Chef suchen.

Wechsel an der Spitze des erfolgreichsten britischen Sports-Retailers. Peter Cowgill, der JD Sports Fashion seit 2004 führte, hat das Unternehmen nach einer Reihe von Ausrutschern und als Folge einer laufenden Prüfung der internen Unternehmensführung verlassen.

Die Nachricht kam kurz vor Börsenschluss am Mittwoch. JD Sports Fashion gab in einer Börsenmitteilung bekannt, dass Executive Chairman Peter Cowgill, 69, mit sofortiger Wirkung von seinem Posten zurücktritt. Als Grund nennt der Retailer von Sports, Fashion und Outdoor Brands eine laufende Überprüfung der internen Unternehmensführung und Kontrollen. Das habe das Unternehmen veranlasst, die Trennung der Rollen von Chair und Chief Executive zu beschleunigen.


JD Sports hatte vor einem Jahr angekündigt, Cowgills Rolle als Executive Chairman aufzuteilen und einen Chief Executive zu suchen. Helen Ashton, Non-Executive Director des Unternehmens und Chair des Audit & Risk Committee, wird Interims Non-Executive Chair. Sie gehört seit November 2021 dem Verwaltungsrat an. Sie hatte Führungspositionen beim Online-Retailer Asos, war Finance Director bei Lloyds Banking Group und Barclays und CEO-Positionen in Privat-Unternehmen.

Kath Smith, ebenfalls Non Executive Director und Senior Independent Director, wird Interims CEO. Sie verfügt über Erfahrungen in der Sports- und Outdoor-Branche, in der sie über 25 Jahre als Managing Director der Marken Adidas und Reebok tätig war. Bevor sie zu JD Sports kam, war sie Vice President von North Face für die Region EMEA. Die Suche nach einem CEO und einem Non-Executive Chair geht weiter. 

Mehrheitsaktionär Pentland: „Beispielloser Erfolg der Cowgill-Ära"

Das plötzliche Ausscheiden von Cowgill dürfte ein schwerer Schlag für Sportswear- und Sneaker-Filialisten sein. Cowgill, der eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft führte, die JD Sports prüfte, kam 1996 als Finanzdirektor in das Unternehmen. 2004 wurde er Executive Chair, als die Marktkapitalisierung von JD Sports rund 100 Mio. Pfund (118 Mio. Euro) betrug. Der Börsenwert liegt inzwischen bei fast 6 Mrd. Pfund. Im November 2021 betrug er fast das Doppelte, als die JD Sports-Aktie mit 234,00 Pence notierte. Direkt nach Bekanntwerden der Personalie fiel der Aktien-Kurs um 6,1 %, hat sich inzwischen bei einem Kurs von 112,55 Pence erholt.

Cowgill hat die Gruppe international expandiert und ein erfolgreiches Online-Business aufgebaut. Nachdem ein Portfolio von Brands einschl. Sprinter, Go Outdoors und Fishing Republic übernommen wurde, folgte der Aufstieg zu einem FTSE 100-Unternehmen. Kontroversen um Cowgill, der für seine robuste Persönlichkeit und seinen geradlinigen Business-Ansatz bekannt ist, gab es immer schon. Bislang konnte er aber immer auf die Unterstützung der Familie Rubin rechnen, deren Sport-Schuhe und Bekleidungs-Imperium Pentland Group mit einer Beteiligung von 52 % Mehrheitsaktionär bei JD Sports ist. Am Mittwoch teilte Pentland mit, dass es nun der richtige Zeitpunkt für das Unternehmen sei, seine künftigen Ambitionen unter einer neuen Unternehmensstruktur und neuer Führung zu erfüllen. Gleichzeitig lobte Pentland den „beispiellosen Erfolg“ der Cowgill-Ära.

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Veröffentlichung der Jahresergebnisse verschoben

JD Sports hebt Gewinnprognose an

Rückenwind vom Boom im Weihnachtsgeschäft: Der britische Sportswear- und Sneaker-Filialist JD Sports Fashion hat seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2021/22 (Stichtag: 29. Januar) zum dritten Mal innerhalb von drei Monaten angehoben. Gleichzeitig gibt das Unternehmen bekannt, die Veröffentlichung des Ergebnisses für das abgelaufene Geschäftsjahr wegen des von der Wettbewerbsbehörde geforderten Verkaufs von Footasylum zu verschieben.

Machtkonzentration und Ärger mit dem Wettbewerbshüter

Einige Investoren waren schon länger über die Macht besorgt, die Cowgill in der Vorstandsetage ausübte. Er führte JD Sports ohne einen Chief Executive seit Barry Bown 2014 ausschied. Die Bedenken verstärkten sich, als die britischen Wettbewerbshüter im Februar eine Geldstrafe von 4,3 Mio. Pfund gegen JD Sports verhängten. Die Übernahme des kleineren Mitbewerbers Footasylum durch JD Sports im Mai 2019 für 90 Mio. Pfund war von der Aufsichtsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) im Mai 2020 aus wettbewerbsrechtlichen Gründen blockiert worden.

Die Geldstrafe wurde erlassen, weil JD Sports und Footasylum gegen eine Anordnung verstoßen hätten, die eine weitere Integration der beiden fusionierten Unternehmen verhinderte. Kurz darauf gab JD Sports bekannt, die Veröffentlichung des Ergebnisses für das abgelaufene Geschäftsjahr 2021/22 (Stichtag: 29. Januar) wegen des von der Wettbewerbsbehörde geforderten Verkaufs von Footasylum zu verschieben. Gleichzeitig hatte der Retailer seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr zum dritten Mal innerhalb von drei Monaten angehoben und rechnet mit einem um Sondereffekte bereinigten Vorsteuergewinn in Höhe von mindestens 900 Mio. Pfund.




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