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Top-Personalien

Beben in der Sportbranche

Nike
Mark Parker übergibt den CEO-Posten bei Nike an John Donahoe
Mark Parker übergibt den CEO-Posten bei Nike an John Donahoe

Es war nicht nur ein Paukenschlag, es waren gleich drei, die innerhalb weniger Stunden die Sportbranche aufwirbelten. Dienstagnachmittag gab der langjährige Nike-CEO und President Mark Parker bekannt, dass er 2020 von seinem Posten zurücktritt. Wenige Stunden zuvor hatte Under Armour-CEO und -Gründer Kevin Plank eben diesen Schritt auch verkündet. Und nur einen Tag zuvor erklärte Adidas, dass der Konzern ab 2020 auf Eric Liedtke verzichten muss, im Vorstand zuständig für Global Brands.

Chef-Wechsel: Gleich drei Spitzenmanager der Sportbranche räumen ihren Sessel

Doch die Nachfolge ist geregelt, das gilt für alle drei Positionen. Parker übergibt das Zepter am 13. Januar 2020 an John Donahoe, CEO des Software-Unternehmens ServiceNow, und seit 2014 Mitglied im Nike-Verwaltungsrat. Mit Donahoe, der von 2008 bis 2015 CEO von Ebay war, holt Nike einen ausgewiesenen Digital-Experten an die Spitze. Kein Zufall – ist es doch vor allem das Digital-Business, mit dem der weltgrößte Sportkonzern aktuell das stärkste und lukrativste Wachstum einfährt. „Seine Expertise in Digital-Geschäften, Technik und weltweiter Strategie, sein Führungsvermögen in Verbindung mit einer starken Nähe zur Marke machen ihn zur perfekten Person, um die digitale Transformation und unsere direkte Kunden-Offensive weiter voranzutreiben“, sagt Parker über den designierten Nike-Chef.

Über einen Wechsel an der Spitze war es still geworden − bis vor wenigen Wochen

Die Personalie kommt überraschend. Und nur wenige Wochen, nachdem Parker wegen des mittlerweile geschlossenen und höchst umstrittenen Nike Oregon Project in die Schusslinie geraten war. Offizielle Gründe für den Wechsel an der Spitze werden keine genannt. Spekulationen darüber, dass er in Zusammenhang mit dem Nike Oregon Project steht, weist Parker in einem Interview mit CNBC zurück.

Tatsache ist: Erst im vergangenen Jahr hatte Parker noch erklärt, über 2020 hinaus als CEO im Amt zu bleiben. Allerdings mag diese Erklärung damals vor allem der Beruhigung der Investoren gedient haben. Denn sie erfolgte im Zusammenhang mit dem Rücktritt zahlreicher Führungskräfte, nachdem sich weibliche Mitarbeiter über deren unangemessenes Verhalten beschwert hatten. Auch Trevor Edwards musste seinen Hut nehmen, der Brand President war die Nummer zwei im Unternehmen und galt als wahrscheinlicher Parker-Nachfolger. Nun also John Donahoe. Wahrscheinlich wurde an dieser Lösung tatsächlich schon seit längerem gearbeitet, möglich, dass der Wirbel um das Nike Oregon Project das Ganze beschleunigt hat.

Parker bleibt dem Unternehmen auch nach seinem Abgang als CEO als Executive Chairman of the Board erhalten. In dieser Rolle soll er auch nach 2020 eng mit Donahoe und dem Management-Team zusammenarbeiten, wie es heißt.

Neuer Under Armour-CEO berichtet auch künftig an Kevin Plank

Auch Under Armour-Chef Kevin Plank zieht sich nicht zurück, rückt strenggenommen sogar auf. Denn der neue CEO wird künftig an Plank berichten, der als Chef des Verwaltungsrats Executive Chairman und Brand Chief des Unternehmens bleibt. Plank werde sich in seiner neuen Funktion unter anderem auf die Produktentwicklung konzentrieren, teilt Under Armour mit.

Plank hat das Unternehmen 1996 gegründet und übergibt sein Amt als CEO zum 1. Januar 2020 an Patrik Frisk. Der 56-Jährige wird President und Chief Executive Officer des Unternehmens aus Baltimore/Maryland. Bisher war er President und Chief Operating Officer (COO). Frisk soll auch dem Verwaltungsrat beitreten. Er kam 2017 von dem kanadischen Schuh- und Accessoires-Unternehmen The Aldo Group zu Under Armour. Davor arbeitete der designierte CEO mehr als ein Jahrzehnt für den US-Konzern VF Corporation, war u.a. President der Marke Timberland sowie Vice President und General Manager von The North Face.

Als sein Partner habe Frisk in der Phase der größten Transformation des Unternehmens „außergewöhnliche Fähigkeiten“ bewiesen, so Plank. Er setze die Vision der Marke perfekt um und konzentriere sich dabei auf eine langfristige Strategie. Zudem habe er das Vertrauen der Teamkollegen, der Kunden und der Aktionäre, verfüge über Branchenerfahrung und pflege einen unkomplizierten Führungsstil.

Der Weggang Eric Liedtkes ist ein herber Verlust für Adidas

Bei Adidas muss Vorstandschef Kasper Rorsted künftig auf seinen Kollegen Eric Liedtke verzichten. Der 52-jährige Marken-Chef ist neben Roland Auschel das einzige Vorstandsmitglied, das auch schon unter Herbert Hainer diesem Gremium angehörte. Rorsted hält hohe Stücke auf Liedtke. Zu Recht. Er hat die Marke Adidas wieder sexy gemacht. „Eric Liedtke hat Großartiges geleistet, indem er Adidas als ‚Creator‘-Sportmarke positioniert hat“, betont Rorsted. „Ich kann seine Marketingexpertise, seine unvergleichliche Leidenschaft für unsere Marken und sein Engagement im Bereich Nachhaltigkeit nur loben. Gemeinsam mit allen Adidas-Mitarbeitern möchte ich Eric herzlich danken und ihm für seine berufliche wie auch persönliche Zukunft alles Gute wünschen.“

Auch Liedtke ist voll des Lobes über das Unternehmen. „Adidas ist seit mehr als 25 Jahren mein berufliches Zuhause. Nun ist es an der Zeit, mich neuen Projekten und Unternehmungen zu widmen. Es war mir stets eine große Ehre, diesem fantastischen Unternehmen zu dienen. Ich bin stolz auf das, was wir als Team erreicht haben, und ich bin dankbar, dass ich mit so vielen außergewöhnlichen Menschen aus aller Welt zusammenarbeiten konnte, die die Liebe zu unseren Marken teilen. Ich danke Euch allen. Es war einfach großartig.“

Sein Nachfolger steht bereits in den Startlöchern: Zum 1. Januar 2020 wird Gant-CEO Brian Grevy Vorstandsmitglied bei Adidas, verantwortlich für Global Brands. Er tritt in große Fußstapfen. Vielleicht die größten überhaupt in Herzogenaurach.
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