TW Sports
TW-Exklusiv: Die neuen und die alten Intersport Österreich-Eigentümer zu der geplanten Transaktion

"Eine logische Konsequenz"

Intersport
Intersport Österreich arbeitet bald wieder unter eigener Flagge.
Intersport Österreich arbeitet bald wieder unter eigener Flagge.

Intersport Österreich geht zurück in die Hände der österreichischen Händler. Warum? Und warum jetzt? Die Verantwortlichen erklären.

Harald Tscherne und Knud Hansen waren schon 2013 dabei. Der eine als Aufsichtsratsvorsitzender von Intersport Österreich, der ums Überleben seines Verbunds kämpfte, der andere als Aufsichtsratschef von Intersport Deutschland, die dabei zu Hilfe kamen. Tscherne und Hansen sind wieder am Tisch, als es darum geht, das Verhältnis von Österreich und Deutschland nach acht Jahren neu zu definieren.

Ein Rückblick: 2013 stand Intersport Österreich mit dem Rücken zur Wand, war durch die wirtschaftlichen Probleme des dereinst größten Mitglieds Eybl selbst ins Strudeln geraten – immerhin entfielen auf die Eybl-Gruppe zu Hochzeiten rund 70% des gesamten Intersport-Umsatzes. Und so glaubten die österreichischen Banken nicht mehr an das Überleben der österreichischen Intersport. Zu klein, zu finanzschwach. „Zum Glück hat Intersport Deutschland das getan“, sagt Tscherne. Die Deutschen übernahmen den österreichischen Verbund.

"Dass wir so schnell wieder in der Lage sein würden, wirtschaftlich selbständig zu agieren, das war nicht absehbar", sagt Harald Tscherne (li., im Bild mit Intersport Österreich-Geschäftsführer Thorsten Schmitz)
Intersport
"Dass wir so schnell wieder in der Lage sein würden, wirtschaftlich selbständig zu agieren, das war nicht absehbar", sagt Harald Tscherne (li., im Bild mit Intersport Österreich-Geschäftsführer Thorsten Schmitz)

Ob diese Lösung eine interimistische sein würde, stand damals nicht im Fokus. „Der Vorgang hat unter enormem Zeitdruck stattgefunden“, so Tscherne. „Der einfachste Weg war: Deutschland nimmt alles und haftet für alles. Dass wir so schnell wieder in der Lage sein würden, wirtschaftlich selbständig zu agieren, das war nicht absehbar.“

Alternativlos sei die Übernahme durch Deutschland nicht gewesen. „Es hätte auch die Möglichkeit gegeben, dass sich ein Investor beteiligt. Doch dagegen haben alle österreichischen Händler gestimmt. Uns war klar: Die Zusammenarbeit innerhalb der Intersport macht einfach Sinn.“

Ein Kulturschock war diese neue Konstellation zunächst durchaus, erinnert sich Tscherne. „Aber die deutsche Gründlichkeit hat uns sehr geholfen bei der Restrukturierung und dabei, wieder Ordnung ins System zu bringen. Der Erfolg war möglich, weil wir uns auf das Geschäft mit den Kunden konzentrieren konnten.“

"Struktur, die den Kern der Intersport ausmacht"

Deutschlands Unterstützung ermöglichte es den Österreichern, Marktanteile wieder zu gewinnen, die nach dem Aus von Eybl und Fehlern des Nachfolgers Sports Direct frei wurden. „Intersport Österreich hat sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Jetzt hat die Gruppe hat einen Marktanteil, bei dem es sinnvoll ist, diese Organisation auch wieder in die gewohnten Strukturen mit unternehmerischer Verantwortung bei den Händlern zurückzuführen“, sagt Hansen. „Aus meiner Sicht eine logische Konsequenz, das wieder in Strukturen zu überführen, die den Kern der Intersport bis heute ausmachen und auch in Zukunft ausmachen werden.“

Das gesamte Prozedere sei „extrem smooth“ gewesen, betont Thomas Storck, der den Prozess als Finanzvorstand der Intersport Deutschland begleitet hat. „Im Dezember haben wir erstmals konkret darüber gesprochen, dass wir uns einen Verkauf von Anteilen vorstellen können. Und schon im Februar hatten die wesentlichen Punkte zusammengeschrieben, am 12. Mai dann bereits das Signing gehabt.“

Diskutiert wurden auch andere Möglichkeiten, die österreichischen Händler wieder zu Genossen, sprich Eigentümern, zu machen. „Aber es ist nicht so einfach, über Ländergrenzen hinweg eine gemeinsame Genossenschaft zu führen“, erklärt Tscherne.

"Ein für beide Seiten fairer Rückerwerb"

Über die finanziellen Details der Transaktion haben beide Seiten Stillschweigen vereinbart. „Ein für beide Seiten fairer Rückerwerb“, betont Storck. Für die deutschen Händler wird das Ende des Österreich-Kapitels allerdings deutlich erfreulicher werden als es die verlustreiche Beteiligung an dem Filialisten Voswinkel war.

Dass der Rückverkauf der Gruppe finanzielle Gründe hatte, weist Storck zurück und betont: „Die wirtschaftliche Situation von beiden Verbünden ist sehr gut. Wir haben in der Pandemie natürlich beide auf der Ertragsseite gelitten und haben unsere Pläne nicht erreicht, sind auch in Deutschland leicht ins Minus gerutscht. Bei der Liquidität als auch bei der der Finanzkraft stehen beide Konzerne heute deutlich besser da als vor der Coronakrise.“

Viel wichtiger als die Frage der Eigentümerstruktur, die jetzt neu beantwortet wird, sei die Frage der Zusammenarbeit. Dem pflichtet Tscherne bei. „Jetzt können und dürfen wir wieder eigenverantwortlich arbeiten, aber eben nicht alleine. Die Zusammenarbeit wird bleiben, schließlich sind unsere Organisationen mittlerweile extrem verschränkt.“ Zumal die neue Konstellation – so die Hoffnung – im operativen Alltag einiges vereinfachen werde. „Die Entscheidungswege werden kürzer. Das haben wir schon gemerkt: In Deutschland nimmt man Rücksicht auf Tausend – in Österreich kennt jeder jeden. Man muss in Deutschland Dinge aufgrund der Größe anders lösen. Gleichzeitig können wir in Österreich andere Dinge nicht lösen, weil wir zu klein sind. Das Verständnis dafür ist in den vergangenen Jahren gereift.“

Länderübergreifende Zusammenarbeit als role model

„Dort, wo es sinnvoll ist, werden wir auch in Zukunft eng zusammenarbeiten“, kündigt auch Intersport Deutschland-CEO Alexander von Preen statt. „Über gemeinsam erarbeitete Kooperationsvereinbarungen stellen wir sicher, auch zukünftig Synergien in den Kernprozessen rund um den Einkauf, unseren Intersport Exklusivmarken, im Category Management und bei IT- und Omnichannel-Services zu realisieren.“

Dabei betonen alle Seiten, dass der Wissenstransfer keine Einbahnstraße sei. Österreich übernehme jetzt zum Beispiel das Kassensystem der Deutschen. Deutschland wiederum denkt darüber nach, ob die hiesigen Händler – wie in Österreich – noch stärker in die Sortimentsfindung eingebunden werden können.

Eine so enge Kooperation zweier unabhängiger Länderorganisationen könnte dann wiederum role model für andere Länder sein. „Da gibt es viele Signale aus anderen Ländern, dass die sich das auch vorstellen können.“

Warum kommt dieser Schritt jetzt? „Wir müssen schneller werden“, bringt es Storck auf den Punkt. „Dazu wird unter anderem der Abbau emotionaler Barrieren beitragen.“ Beispiel Online-Shop: „Da mussten und müssen ja wir hier in Deutschland immer noch viel Überzeugungsarbeit leisten, um den Händlern die Angst zu nehmen, dass der Online-Shop ihnen Umsatz wegnimmt. Diese Überzeugungsarbeit ist natürlich noch größer, wenn dieser Vorschlag nicht von der eigenen Gesellschaft kommt. Die Notwendigkeit ergibt sich aus dem positiven ökonomischen Druck, im Wettbewerb nach vorne zu gehen.“

Weiteres Prozedere noch in Klärung

Mit der jetzt anstehenden Transaktion, die noch von der österreichischen Wettbewerbsbehörde genehmigt werden muss, wird die Intercontact Österreich, eine 100%ige Enkelgesellschaft der Intersport Deutschland, an österreichische Intersport-Mitglieder verkauft. Diese wird vertreten durch die Premiumsport Service. Geschäftsführer dieser neu gegründeten GmbH sind Harald Tscherne und Roman Winninger. Beide waren auch schon 2013 als Aufsichtsräte involviert. Neben Tscherne und Winninger sind auch noch die Intersport-Händler Erhard Fischer, Reinhard Klier und Bernhard Pilz Mitgesellschafter der Premiumsport Service. „Wir wissen, welche Verantwortung wir gegenüber den Kollegen tragen“, betont Tscherne.

Wie nun das weitere Prozedere und die Beteiligung der weiteren Händler aussehen wird, ist noch in Klärung. „Da kommt auch die Pandemie zum Tragen“, erklärt Tscherne. „Vielen der Händler geht es zwar gut, aber der Rent-Bereich hat sehr gelitten. Da brauchen wir etwas Zeit für faire Lösungen.“
logo-tw-sports-white

Ab sofort den kostenfreien Newsletter ins Mail-Postfach?

 

stats