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Nach der Abstimmungsniederlage: Exklusiv-Interview mit dem Intersport-Chef

„Wir fokussieren uns auf die, die wollen”

Intersport
Intersport Deutschland-Chef Alexander von Preen wertet die Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Mitglieder als klares Mandat und nicht als Vertrauensverlust.
Intersport Deutschland-Chef Alexander von Preen wertet die Zustimmung einer deutlichen Mehrheit der Mitglieder als klares Mandat und nicht als Vertrauensverlust.

Die erforderliche Dreiviertel-Mehrheit für eine geplante Satzungsänderung hat er nicht bekommen. Doch Intersport-Chef Alexander von Preen will sich davon nicht entmutigen lassen, denn er weiß den Großteil der Mitglieder hinter sich. Die signalisieren ihm: „Lasst uns diesen Weg weitergehen.”

TextilWirtschaft: Worum ging es bei der Abstimmung?
Alexander von Preen: Bei der Abstimmung über die Satzungsänderung ging es auf der Generalversammlung an diesem Montag um die Erweiterung des Geschäftsmodells der Intersport Deutschland eG: Neben den klassischen Großhandels-Finanzierungsströmen einer Einkaufsgenossenschaft sollte es einen sogenannten Gemeinschaftsbeitrag der Eigentümer geben. Dieser Beitrag hätte Kosten für notwendige IT-Investitionen im genossenschaftlichen Sinne über die Gesamtorganisation verteilt. Doch dieser zusätzliche Beitrag in Höhe von monatlich 500 Euro wird von einem Drittel der Mitglieder nicht gewünscht.

Woran scheiterte es?
Zunächst einmal stehen offenbar fast alle unsere Händler, auch diejenigen, die den Gemeinschaftsbeitrag ablehnen, zu unserer Best in Sports-Strategie. Die zeigt die klare Zustimmung zum Vorstand und zum Aufsichtsrat. Ich glaube, es gibt ein Lager, das aus Prinzip eine in der Satzung hinterlegte Zentraleinnahme ablehnt. Und es gibt Mitglieder, die von diesem Beitrag, der in IT investiert werden sollte, nicht oder kaum profitiert hätten, da sie ihre eigene Warenwirtschaft haben. Ich denke, das waren die zwei wesentlichen Themen.

Wofür fehlt Ihnen jetzt Geld?
Dieser Beitrag wäre für eine schnellere Modernisierung der IT-Systeme und Prozesse geplant gewesen. Dabei geht es um Investitionen in unsere eigene Warenwirtschaft Intersys 8 und Schnittstellen zu Fremd-Warenwirtschaften, um Themen wie zentrales Datenmanagement, Anbindungen zu neuen Leistungen der Genossenschaft, wie etwa Category Management, CRM oder auch Künstliche Intelligenz. Grundsätzlich sind Mittel dafür da, wir hätten das aber gerne schneller und verbindlicher in der Genossenschaft umgesetzt.

Welche Konsequenzen ziehen Sie aus dem Votum?
Die zwei Drittel, die dafür gestimmt haben, sind sehr enttäuscht und wollen unbedingt, dass wir weitermachen. Die sagen „Lasst uns das auch machen, wenn das jetzt nicht in der Satzung festgeschrieben wird. Lasst uns diesen Weg weitergehen.” Das ist der Tenor. Und auf die, die wollen, fokussieren wir uns jetzt. Die werden dann vielleicht auf freiwilliger Basis in eine Kostenübernahme gehen. Außerdem werden wir natürlich schauen, wie wir unsere Investitionen anders allokieren können. Wir haben aber den Händlern am Montag auch dargestellt, wie wir in der Zentrale durch ein diszipliniertes Kostenmanagement jährlich Kosten in Höhe von 2,7 Mio. Euro sparen können. Auch diese Mittel werden wir nun anders einplanen. Das ist eher ein Umweg, führt aber immer noch zum gleichen Ziel. Natürlich hätten wir gerne die Autobahn genommen, wenn jetzt aber die große Mehrheit der Mitglieder sich tatsächlich freiwillig verpflichtet, dann könnte diese Dynamik eine ganz neue Ära bei Intersport lostreten.

Also ein klares Mandat und kein Vertrauensverlust?
Auf jeden Fall. Wir haben die Mehrheit hinter uns. Wir müssen jetzt einen Weg finden, um unsere Best in Sports-Strategie in der geforderten Geschwindigkeit auf anderen Wegen umzusetzen. Wir können nicht ewig warten, der Markt verändert sich rasant. Und wer jetzt diesen Weg vielleicht noch nicht mitgehen will, kann später dazukommen.

Die Neugestaltung der CI-Verträge mit ihren Mitgliedern, die einen einheitlichen Auftritt der Marke Intersport gewähren sollen, ist von dieser Entscheidung unberührt?

Das hat damit nichts zu tun. Da geht es auch nur um die Intersport-gebrandeten Partner, die neben den Kooperationspartnern für etwa die Hälfte unserer knapp 1000 Mitglieder stehen. Und das ist auch ein Thema, an dem wir nicht rütteln werden, denn dazu sind wir ganz klar vom Inhaber der Intersport-Markenrechte, der IIC mit Sitz in Genf, angehalten. Wir werden die Verträge, die zum Teil sehr alt sind, wie geplant zum 30. September kündigen mit einer einjährigen Kündigungsfrist. Teil des neuen CI-Vertrages wird es sein, sich an einem einheitlichen Branding zu orientieren und das zu unterstützen – auch mit einem gewissen Marketing-Beitrag. Denn wir müssen zum einen ein einheitliches Look&Feel der Marke Intersport sicherstellen, wir müssen sie aber auch emotional aufladen. Damit sind die Kollegen in den Niederlanden und in Österreich sehr erfolgreich, wo die Marke Intersport schon sehr viel präsenter und stärker ist als hierzulande.

Das ausführliche Exklusiv-Interview mit Intersport-Vorstand Alexander von Preen lesen sie am Mittwoch, 18. März, ab 17 Uhr im E-Paper, sowie am Donnerstag, 19. März, in der gedruckten Ausgabe.

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