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TW-Interview mit Herno-Chef Claudio Marenzi

"Outdoor müssen wir besetzen"

Herno
Seit 2001 Fan von Montura: Herno-Chef Claudio Marenzi
Seit 2001 Fan von Montura: Herno-Chef Claudio Marenzi

Als leidenschaftlichem Alpinisten sind Claudio Marenzi die Wachstumsraten im Outdoor-Segment nicht verborgen geblieben. Deshalb hat der Eigentümer der Luxusmode-Marke Herno zusammen mit der Agnelli-Familie den Bergsport-Spezialisten Montura gekauft. Sein Ziel: eine globale Brand schaffen.

Claudio Marenzi sitzt dauernd im Auto in diesen Wochen. Seitdem der Herno-Chef die Bergsport-Marke Montura gekauft hat, braust er mindestens einmal in der Woche vom Herno-Sitz in Lesa am Lagio Maggiore zum Montura-Hauptquartier in Rovereto. Drei bis dreieinhalb Stunden Fahrt.

Die zehrende Pendelei nimmt er gerne auf sich. "Es ist nach einem Eigentümerwechsel schon wichtig, persönlich vor Ort zu sein und der Montura-Belegschaft Sicherheit zu geben", sagt Marenzi, der Montura mit dem Private Equity-Fonds Nuo übernommen hat. Hinter diesem steht Exor, die Holding-Gesellschaft der Fiat-Dynastie Agnelli. "Wir werden nichts umstrukturieren. Im Gegenteil, wir werden Montura dabei helfen, das Potenzial zu entfalten."

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Der begeisterte Alpinist Marenzi ist Fan von Montura, weil er selbst Kunde ist. Er ist aber auch Geschäftsmann, der die Chancen sieht. "Outdoor wächst wesentlich schneller als die Mode", sagt Marenzi, der bereits 2010 die Performance-Linie Laminar aufgelegt hat. Montura will er nun international groß herausbringen. "Ich bin super motiviert."

TextilWirtschaft: Sie sind jetzt Eigentümer von Montura. Zuvor waren sie aber schon seit langem Kunde der Marke. Inwiefern hat das beim Kauf eine Rolle gespielt?

Claudio Marenzi: Seit den 70er-Jahren bin ich begeisterter Alpinist. Ich klettere und fahre Tiefschnee-Ski. Diese Leidenschaft ist für die Menschen typisch, die wie ich aus der Gegend um Lesa kommen. Ich bin seit 2001, als die Marke auf den Markt kam, Kunde. Ich bin also Kunde der ersten Stunde. Vor Montura gab es für Alpinisten wie mich keine spezifischen Produkte aus Italien.

Was verbindet Sie mit dem Montura-Gründer Roberto Giordani?
Wir haben uns 2016 kennengelernt. Uns verbindet die Art, wie wir ein Unternehmen führen. Roberto ist sozial engagiert, was mir auch sehr wichtig ist. Wir werden deshalb eine Stiftung gründen, die aus den Umsätzen von Montura gespeist wird und karitative Projekte vorantreibt. Roberto wird Stiftungspräsident sein. Die genauen Mechanismen müssen wir noch festlegen.


Leidenschaft ist das eine, das Ökonomische das andere. Warum legen Sie im Sport los?
Der gesamte Outdoor-Markt wächst stark. Wesentlich schneller als die Mode. Deshalb müssen wir Outdoor absolut besetzen. Montura entwickelt sich in der Nische sehr dynamisch. Wir reden von Zuwächsen von 30%. Aktuell beläuft sich der Umsatz auf rund 50 Mio. Euro. Und das, obwohl Montura so gut wie gar nicht kommuniziert und auf Mund-zu-Mund-Propaganda setzt. Das Hosenmodell Vertigo ist beispielsweise ein Muss für jeden Alpinisten.

Wo liegen die Wachstumshebel bei Montura?
An der Positionierung von Montura als Alpinismus-Spezialist höchster Qualität werden wir nichts verändern. Auch in der Produktion gibt es keinen Handlungsbedarf. Die Firma hat eine Fabrik in Moldawien, in der 1200 Mitarbeiter beschäftigt sind. Wir wollen die Marke internationalisieren. Momentan ist Montura auf den Heimatmarkt Italien fokussiert. Wir hoffen, zuerst in Deutschland, Österreich und der Schweiz und in Skandinavien stärker zu werden. Danach stehen auch die USA und Asien auf dem Plan. Darüber hinaus schwebt uns vor, sie in Richtung Outdoor zu öffnen.
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Inwiefern ist Arc'teryx ein Vorbild? Die Marke hat mit Veilance eine urbane Linie lanciert.
Montura und Arc'teryx sind aus meiner Sicht die Top-Anbieter, die weltweit die Produkte mit der höchsten Qualität anbieten. Im Vergleich zu Montura ist Arc'teryx schon sehr global. Eine urbane Linie wie Veilance ist nicht das, was wir vorhaben. Mit Outdoor meine ich Activewear, die sich allgemein für sportliche Aktivitäten in der Natur eignet. Von der Jacke, über Hosen und Strick bis zu T-Shirts. Referenzgrößen sind da eher Patagonia und The North Face.

Wie gehen Sie den Vertrieb an?
Montura wird über Fachhändler verkauft. Zu den größten Kunden zählen Sportway und der Filialist DF Sport Specialist, der Sergio Longoni gehört. Solche Händler werden wir im Ausland ansprechen. Wichtig ist der eigene Retail. Montura hat rund 30 eigene Läden. Die meisten befinden sich im Nordosten Italiens, also im Trient und in Venetien. Alerdings gibt es auch einen Laden in Mailand. Die Stores befinden sich wegen ihrer Größe meistens in der Peripherie. Denn Montura braucht Platz, um das ganze Sortiment zu zeigen. Gut verkaufen sich nämlich nicht nur die Bekleidung, sondern auch Rucksäcke, Seile und anderes Zubehör. Nachholbedarf hat die Marke im E-Commerce.

Herno, Laminar, jetzt Montura. Entsteht da eine Gruppe?
Ja, das kann man so sagen. Es ist der Moment gekommen, an dem über Synergien nachgedacht werden muss. Die Kosten für Technologie, für die Digitalisierung und für die Kommunikation steigen stetig. Deshalb ist es von Vorteil, diese Kosten über mehrere Marken verteilen zu können. Wichtig ist meines Erachtens, dass bei einer Gruppe ein roter Faden erkennbar ist, der alle Marken miteinander verbindet. In unserem Fall ist es die Produktkategorie Outerwear. Herno spielt in der Luxus-Leisurewear-Liga, Laminar steht für Mode mit Performance. Und Montura ist Activewear.

Welche Synergien gibt es zwischen Montura und Herno, Laminar?
Die Marke Herno ist international. Herno hat Tochtergesellschaften in den USA und in Japan. Zudem ist Herno weit im Digitalen. Davon kann Montura profitieren. Zudem haben wir bei Herno und Laminar ein Auge für die Ästhetik. Mit unserem Stilempfinden könnten wir den Montura-Kollegen helfen, die bislang sehr puristisch unterwegs sind. Umgekehrt ist das Produkt-Know-how von Montura für uns wertvoll, wenn wir auch selbst in einer Dekade mit Laminar große Fortschritte gemacht haben. Alles in allem hoffe ich schon auf eine Osmose von Wissen zwischen den Marken.

Sie sind Pitti-Präsident. Wann werden wir Montura im Outdoor-Pavillon der Pitti Uomo sehen?
Vielleicht in der Zukunft. Aktuell ist das aber noch nicht spruchreif. Die Outdoor-Marken, die auf der Pitti ausstellen, sind meistens schon urban unterwegs. Montura passt da als reiner Activewear-Anbieter nicht dazu. Die richtige Messe für Montura ist die Ispo. Die Entscheidung, die Termine für die Outdoor auf Juni und für die Ispo Munich auf November vorzuziehen, ist genau richtig.

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