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TW-Interview zum E-Sport, Teil 2

Der Gaming-CEO: „E-Sport wird einen großen Sprung machen“

BIG Berlin International Gaming
Big-CEO Daniel Finkler: "Gaming ist schon lange kein Trend mehr."
Big-CEO Daniel Finkler: "Gaming ist schon lange kein Trend mehr."

Berlin International Gaming ist einer der stärksten E-Sport-Clubs in Deutschland und wird gesponsert von Firmen wie Red Bull. CEO Daniel Finkler ist offen für Partnerschaften mit Modelabels. Wie Hugo Boss mit Bayern München? „Tolles Beispiel.“

Bayern München kennt jeder. Doch wer kennt Berlin International Gaming (Big)? Mag der Berliner E-Sport-Club bislang nur einem überschaubaren Zirkel geläufig sein, so könnte sich der Kreis der Anhänger schnell deutlich weiten.

Big-CEO Daniel Finkler ist überzeugt, dass E-Sport in Zukunft in einem Atemzug mit Fußball genannt wird und sich die Gehälter der Spitzenprofis an die der Bundesligaprofis annähern werden. Er ist offen für Partnerschaften mit Modelabels: „Ich wünsche mir ein Label, das mit uns gemeinsam dieses sehr emotionale Thema mit voller Leidenschaft in den kommenden Jahren bearbeiten möchte.“

TextilWirtschaft: Welches sind die wichtigsten Games?
Daniel Finkler: Die derzeitigen Top-Titel sind seit Jahren League Of Legends, Counter-Strike: Global Offensive und Dota 2. Neben diesen etablierten Spielen können aber jederzeit neue Titel hinzukommen. Derzeit sehe ich das Spiel Valorant auf dem Vormarsch.

In welchen Ländern ist E-Sport ganz groß? Wo steht Deutschland?
Je jünger die Bevölkerung eines Landes und größer der durchschnittliche Wohlstand, desto populärer ist E-Sport. Traditionell sehr beliebt ist E-Sport in Korea, aber auch in Europa und den USA ist das Wachstum stark. Das gilt auch für Brasilien und die Türkei.

Wie hoch sind die Gehälter für die Top-Profis?
Bei den Top-Profis in den relevantesten E-Sporttiteln sind die Gehälter mittlerweile auf einem guten sechsstelligen Niveau. Mit starker Tendenz nach oben. Gehälter im Millionenbereich sind noch die Ausnahme, aber das wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten auch ändern. Ich rechne damit, dass wir in absehbarer Zukunft, in zehn bis zwanzig Jahren, mit den Gehältern im klassischen Sport wie Fussball oder Basketball gleichziehen können.

Fans bei einem Spiel in New York: "Gaming ist generationsübergreifend."
Andbox
Fans bei einem Spiel in New York: "Gaming ist generationsübergreifend."

Sind die Profi-Gamer die Fußballstars des 21. Jahrhunderts?
Definitiv. Innerhalb der Szene sind diese Spieler schon Stars. Dazu gehört im Spiel Counter-Strike auch unser Spieler Florian Rische, der international unter dem Namen „syrsoN” zu den besten Spielern der Welt zählt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis E-Sport-Profis ähnliche Bekannt- und Beliebtheitswerte wie die prominentesten Sportler erreichen werden. Davon bin überzeugt.

Für Fußfallvereine wie den FC Bayern sind TV- und Medienrechte Umsatzsäulen. Welches sind die wichtigsten Erlösquellen für einen Club wie die Berlin International Gaming?
Hier gibt es noch Unterschiede. Vergleicht man uns mit dem klassischen Sport, haben E-Sport-Vereine noch ein starkes Übergewicht an Sponsoring-Umsätzen. Bei uns liegen die Sponsoring-Umsätze bei circa 75% der Gesamteinnahmen. Transfererlöse, Merchandise-Umsätze und Preisgelder komplettieren den Umsatz. Einige Vereine erzielen schon einen großen Anteil mit Merchandise oder auch Beteiligungen an Franchise-Ligen. TV-Gelder, beziehungsweise Umsätze durch die Beteiligung an Übertragungseinnahmen, sind in vielen Fällen noch vernachlässigbar. Das wird sich jedoch in den kommenden Jahren deutlich ändern. Damit wird auch die Abhängigkeit von Sponsorengeldern reduziert.

Was braucht es, damit die ARD-Sportschau über E-Sport berichtet?
Hier genügt eine einfache Rechnung. Das durchschnittliche Alter in der Bundesrepublik beträgt 44,5 Jahre. Dagegen sind E-Sport-Fans jünger. 70% sind unter 35 Jahre alt. Die meisten von ihnen sind zwischen 20 und 30. Die breite Öffentlichkeit, an der die Sendeanstalten ihre Programme ausrichten, ist somit älter als die Gaming-Community und hat andere Interessensgebiete. Das wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten ändern, so dass E-Sport auf natürliche Weise einen großen Sprung in der öffentlichen Wahrnehmung machen wird. Wir sind allerdings bereits heute schon auf einem guten Weg. Der E-Sport wird auch in der deutschen TV- und Presse - Landschaft immer präsenter und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das Interesse steigt von Jahr zu Jahr.

Gucci ist mit dabei: Die Luxusmarke hat mit dem E-Sport Fnatic eine Uhr herausgebracht.
Gucci
Gucci ist mit dabei: Die Luxusmarke hat mit dem E-Sport Fnatic eine Uhr herausgebracht.

Wer sind die Sponsoren?
Internationale Weltmarken haben die Chancen des E-Sports längst erkannt und sind seit Jahren aktive Werbepartner von Veranstaltern, Teams und Spielern. Auch wir haben mit Red Bull, HP, Volvic und Betway schon einige globale Marken als Partner gewinnen können. Die Rechte der Sponsoring-Pakete unterscheiden sich je nach den Zielen der Partner. Neben klassischen Logo-Platzierungen auf Trikots und den Social Media-Kanälen produzieren wir mit Partnern oder Agenturen auch aufwendige, maßgeschneiderte Content-Kampagnen. Auch die Platzierung der Partner innerhalb der Twitch Live-Streams unserer Spieler ist ein wichtiger Bestandteil solcher Pakete.

Viele E-Sport-Clubs haben ein reichhaltiges Merchandise-Angebot und scheinen deutlich weiter als die Fußballvereine zu sein.
E-Sport ist ein Teil der Gaming-Kultur, zu der sich immer mehr Menschen ab der Generation X zugehörig fühlen. Gaming ist schon lange kein Trend mehr, sondern eine generationsübergreifende Bewegung, die Zugehörigkeit erzeugt. Daher legen wir bei unserem Angebot großen Wert darauf, dass wir alltagstaugliche Merchandise-Artikel anbieten, mit der unsere Fans ihre Zugehörigkeit auch im Alltag zum Ausdruck bringen können.

Louis Vuitton kleidet Figuren im Spiel Leage of Legends ein.
Louis Vuitton
Louis Vuitton kleidet Figuren im Spiel Leage of Legends ein.

Hugo Boss kleidet die Spieler des FC Bayern ein. Welches Modelabel hätten Sie gerne für Big?
Für Big wünsche ich mir ein Modelabel, welches das Potenzial des E-Sports erkennt. Das betrifft gerade das Merchandising. Ich wünsche mir ein Label, das gemeinsam mit uns dieses sehr emotionale Thema mit voller Leidenschaft in den kommenden Jahren bearbeiten möchte. Der Kauf eines Hoodies oder Jerseys von Big ist jedes Mal eine sehr emotionale Entscheidung. Wir möchten sicherstellen, dass jeder Fan die passenden Artikel für sich findet, damit er seine emotionale Verbindung zu unserem Verein auch im Alltag zeigen kann. Das Engagement von Hugo Boss beim FC Bayern ist definitiv ein tolles Beispiel einer gelungenen Kooperation.

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