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TW 100: Alexander Nolte und Oliver Spies, Langbrett / Stop Microwaste

Unter der Sonne Kaliforniens


Langbrett
Alexander Nolte (li.) und Oliver Spies sind seit vielen Jahren befreundet.
Alexander Nolte (li.) und Oliver Spies sind seit vielen Jahren befreundet.

Im Kampf gegen Mikroplastik sind Oliver Spies und Alexander Nolte unermüdlich. Über ihre Non-Profit-Organisation Stop Microwaste haben sie vor rund fünf Jahren den Guppyfriend entwickelt, einen preisgekrönten Waschbeutel für Kunstfasertextilien, der den Mikroplastik-Abrieb in der Waschmaschine auffängt. Es folgten Filter für Putzeimer und Waschmaschinen, ein eigenes, polymerfreies Waschmittel, mit dem die Fasern nicht so leicht brechen sollen, ein Reiniger für Bikes, und geplant ist ein neuer Putzlappen in Zusammenarbeit mit Möwe.

Doch das alles bekämpft nicht die Ursachen. Die beiden Macher, die unter Langbrett selbst nachhaltige Bekleidung und Schuhe verkaufen, verzichten in den eigenen Kollektionen auf Polyester – den Hauptübeltäter. Branchenweit bleibt die Kunstfaser aber beliebt. "Alle wissen, was los ist, aber keiner handelt", fasst es Spies lapidar zusammen.

Die Langbrett-Jungs haben sich nun mit dem Textilforschungsinstitut in Krefeld zusammengetan und an einem "Fibre Lost Quantification Standard" gearbeitet. Ein Prüfverfahren, das mit realistischen Tests den Mikroplastik-Abrieb von Textilien im Laufe der Zeit misst. Das Ziel: Diese Methode der Branche zur Verfügung zu stellen und sie im Idealfall auch Bestandteil von offiziellen Zertifikaten werden zu lassen. Bisher gebe es lediglich Aufträge von einigen wenigen Bekleidungsherstellern.

Der "Fibre Lost Quantification Standard" ist ein Prüfverfahren, das mit realistischen Tests den Mikroplastik-Abrieb von Textilien im Laufe der Zeit misst, zum Beispiel von Fleece-Produkten.
Langbrett
Der "Fibre Lost Quantification Standard" ist ein Prüfverfahren, das mit realistischen Tests den Mikroplastik-Abrieb von Textilien im Laufe der Zeit misst, zum Beispiel von Fleece-Produkten.
Die Prüfmethode zu entwickeln, war aufwendig. Um Textilien im Labor einem sonst natürlichen Alterungsprozess zu unterziehen, wurden zum Vergleich Produkte in kalifornischen Testgebieten der Witterung ausgesetzt. Außerdem trugen Mitarbeiter von Langbrett die Teile. So entstand schließlich ein genormtes Verfahren für Licht und Schweißeinwirkung. Vor vier Jahren begannen sie mit den ersten Testreihen, jetzt sei alles soweit dokumentiert und standardisiert, dass jedes Labor solche Tests durchführen könnte, sagt Spies.



Ganz frisch haben sie zudem eine neue Tochterfirma in den USA gegründet: Guppyfriend Inc. "Dort in Kalifornien kümmert sich unser Kollege Malte Laas um die Testpanels und die lokalen Laboruntersuchungen. Wir freuen uns also über Anfragen zu diesem Testverfahren in der EU und USA."

Die Dachterrasse des Nachbarn wird auch genutzt: Dort herrsche die optimale, intensive Sonneneinstrahlung und entsprechende Tests könnten in sechs Wochen durchgeführt werden. Sonst würde dies schon mal ein Jahr dauern. Außerdem wollen sie auch in den USA für das Thema Mikroplastik sensibilisieren. Spies: "Unsere Kollegen vor Ort gehen auf Veranstaltungen, informieren im Gespräch mit Händlern, sogar Workshops an Schulen in den USA haben wir schon durchgeführt."

In San Diego werden die Textilproben einer vorab definierten Sonnenbestrahlung ausgesetzt.
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In San Diego werden die Textilproben einer vorab definierten Sonnenbestrahlung ausgesetzt.
Spies und Nolte einen die Liebe zum Surfen und zur Natur. Spies begann 1993 erste nachhaltige Kleidungsstücke zu produzieren. 2008 kam sein langjähriger Freund Nolte mit an Bord, sie entwickelten das Label Langbrett. Ihre jüngste nachhaltige Innovation: Ein Schuh, der möglichst einfach konstruiert ist, so dass er sich leicht reparieren bzw. in seine Bestandteile zerlegen lässt. Damit wird aus einem alten Langbrett-Schuh wieder ein neuer. Ohne Plastik.

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