TW Sports
Unternehmensnachfolge

"Konsequent Maloja"

Maloja
"Menschen führen kann ich", sagt Bernd Eisenbichler (Mitte), der sich auf die Zusammenarbeit mit Klaus Haas (l.) und Peter Räuber "extrem" freut.
"Menschen führen kann ich", sagt Bernd Eisenbichler (Mitte), der sich auf die Zusammenarbeit mit Klaus Haas (l.) und Peter Räuber "extrem" freut.

Warum die Gründer des Chiemgauer Sport- und Outdoor-Anbieters den Sportchef der deutschen Biathleten zu ihrem Nachfolger machen.

Wer Maloja kennt, der weiß: Dieses Unternehmen folgt seinen eigenen Regeln. Gegründet und geprägt von zwei Menschen, deren ganz persönliche Biografie sie 2004 zur Gründung des Sport- und Outdoor-Anbieters Maloja führte. Nachzulesen für jeden, den es interessiert. 2021 erschien das Buch "Eigene Wege gehen – die Maloja Story über inspiriertes Arbeiten, behutsames Wachsen und nachhaltigen Erfolg". 17 Kapitel über die Maloja-Familie, Maloja-Orte und -Hersteller, aber auch über richtige und falsche Entscheidungen.


Zu letzteren zählte die, selbst über Amazon zu verkaufen. Ein Kapitel, das 2016 von Maloja beendet wurde. Rückblickend eine kluge Entscheidung war hingegen, eines der absoluten Bestseller-Produkte ohne Not aus dem Programm zu nehmen. Der Aufschrei der Händler war groß. Aber Peter Räuber war überzeugt: "Man darf ein Design nicht verkaufen, bis alle es satthaben. Damit erhebt man ein Produkt zur Marke, die man mit jedem zusätzlichen Umsatzeuro zugleich in ihrer Strahlkraft schwächt."

Die Arbeit an diesem unglaublich persönlichen Buch markierte für die Gründer und Geschäftsführer Klaus Haas und Peter Räuber auch den Anfang eines geplanten Endes. Denn es war immer klar, dass dieses Buch auch ein Vermächtnis an die nächste Generation an der Maloja-Spitze sein sollte. Dass Räuber und Haas mit 59 bzw. 57 Jahren noch nicht in dem Alter sind, in dem die meisten Inhaber ans Aufhören denken, passt ins Bild.

Nicht aus der Branche, aber aus dem Sport

Jetzt ist klar, wer als nächstes kommt: Bernd Eisenbichler. Eingefleischten Wintersport-Fans ist der Name bekannt, der 46-Jährige war seit 2019 sportlicher Leiter Biathlon beim Deutschen Skiverband. Auch aufmerksamen Lesern der Maloja-Story ist der Name schon einmal begegnet. Eisenbichler war es, der 2018 als damaliger Chief of Sport beim US-amerikanischen Biathlonverband Räuber und Haas von einem Einstieg als Bekleidungssponsor bei den US-Biathleten überzeugte.


Viel mehr Berührungspunkte hatte Eisenbichler mit der Bekleidungsbranche bisher allerdings nicht. Kein Problem, sind Haas und Räuber überzeugt. "Uns war es wichtig, jemanden zu finden, der ein sehr gutes Gespür für Menschen hat, der aber auch entscheidungsstark ist", sagt Haas. Räuber ergänzt: "Und der natürlich unsere Sportarten beherrscht, ein kreatives Verständnis dafür hat. Das ist ganz elementar."

Für das Branchen-Know-how gebe es sehr gute Leute im Haus, so Haas weiter. "Wir haben eine erste Geige, eine erste Bratsche und so weiter. Wir haben einen Dirigenten gesucht. Der muss nicht unbedingt ein Instrument spielen. Aber der entscheidet, welches Stück gespielt wird."

Die starke zweite Ebene

Ab Juni 2022 wird Eisenbichler die Beiden unterstützen. Ab Herbst 2023 wird der studierte Pädagoge die alleinige Führung übernehmen. Sein Führungsverständnis? "Ich kann es nicht leiden, wenn ich jemandem jeden Tag sagen muss, was er zu tun hat. Ich möchte einen Raum geben, den der Mitarbeiter ausfüllt. Ich gebe die Leitplanken vor." Eisenbichler hat sich für seine Entscheidung Zeit genommen, die ersten Gespräche liegen schon einige Monate zurück. "Mir war sehr wichtig zu verstehen, wie die neue Struktur aussehen soll und wie die zweite Führungsebene stark gemacht wird."

Das ist offenbar gelungen. "Würde sich das hier nach 18 Jahren nicht selbst tragen, hätten wir doch einen schlechten Job gemacht", ist Haas überzeugt. "Wir haben gezielt gute Leute aufgebaut, die schon einige Zeit bereit dafür sind, mehr Verantwortung zu übernehmen und das auch wollen. Es wäre fatal, wenn jetzt wir weiter die Schlagzahl vorgäben. Es ist gut, wenn nach so einer langen Periode frische, neue Ideen reinkommen."

Ein Rückzug, kein Abschied

Neue Ideen wollen aber auch Haas und Räuber künftig noch einbringen. Sie bleiben Anteilseigner und wollen die strategische Ausrichtung der Marke auch nach 2023 maßgeblich mitgestalten. "Es gibt Freiraum im Kopf, wenn man nicht mehr im Tagesgeschäft steckt. Es könnte sich ein Maloja-Hotel am Gardasee entwickeln, eine Berghütte, die von uns gestaltet wird – mir fallen tausend Dinge ein, die der Marke guttun würden, für die wir aber jetzt keine Kapazitäten haben", erzählt Räuber.

Der Rückzug der Gründer ist also kein Abschied. Haas wird sich noch ein, zwei Jahre um die Fertigung in Bulgarien kümmern. Auch für Räuber ist ein Tag ohne Maloja in Zukunft kaum realistisch. Sohn Julian wird viele seiner Aufgaben übernehmen. Und wenn ihre privaten Pläne über ein Mehrgenerationenhaus Gestalt annehmen, wird sicher Raum geschaffen werden für einen kreativen Austausch.

Für ihre unkonventionelle Nachfolge-Regelung finden Freunde des Unternehmens wohlwollende Worte. "Ihr habt euch für Werte und Persönlichkeit entschieden und keinen Industrieveteranen mit Netzwerk installiert. Konsequent Maloja", liest Räuber aus eines Whatsapp-Nachricht vor. "Dass Ihr eigenen Talenten eine größere Bühne gebt, um zusammen mit Bernd den nächsten Schritt zu gehen, ist auch enorm wichtig. Ich würde mir wünschen, dass es mehr Führungspersönlichkeiten gibt, die die Grundprinzipien des Sports wie Fairness, Toleranz und Anerkennung von Leistung vorleben. Aus der Ferne betrachtet eine gute Wahl."

logo-tw-sports-white

Ab sofort den kostenfreien Newsletter ins Mail-Postfach?

 

stats