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Vaude-Chefin Antje von Dewitz

"Nachhaltigkeit ist nicht wirtschaftsfeindlich"

Vaude

Vaude-Chefin Antje von Dewitz beschreibt in ihrem gerade erschienenen Buch ihren Weg zur Führung eines wirklich nachhaltigen Unternehmens.

Mich hatte Antje von Dewitz nach nur einem Telefonat. Ich legte auf und sagte, nur halb im Scherz, zu meinen Kollegen: „Ich gehe zu Vaude.“ Das war vor neun Jahren. Seither habe ich mit vielen anderen klugen, inspirierenden, weitsichtigen Persönlichkeiten sprechen dürfen. Doch die Vaude-Chefin und ihr unternehmerisches und gesellschaftliches Engagement beeindrucken mich nachhaltig.

Und so war das nun erschienene Buch von Antje von Dewitz natürlich Pflichtlektüre. Die erfolgreiche Unternehmerin beschreibt ihren Weg zu Vaude, der gar nicht so klar vorgezeichnet war. Wie wichtig Visionen für die von ihr angestoßenen Veränderungen in der Firma waren. Aber auch, wie nervös sie war, als sie ihre idealistische Vorstellung eines gläsernen und durch und durch nachhaltigen Unternehmens bei ihren zukünftigen Kollegen der Geschäftsleitung vorstellte.

Doch ihr Mut wurde belohnt. Noch am selben Abend stellte die versammelte Geschäftsleitung die Eckpfeiler für die kommenden Jahre auf und formulierte ein anspruchsvolles Ziel: Bis 2015 sollte Vaude Europas nachhaltigster Outdoor-Ausrüster werden.

„Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es sich gewagt oder vermessen anfühlen kann, sich mit einer ambitionierten, emotionalen Vision angreifbar zu machen, und dass es nicht immer leicht ist, zu seinen Werten zu stehen und sich von ihnen unternehmerisch leiten zu lassen“, schreibt von Dewitz in ihrem Schlusswort. „Auf der anderen Seite habe ich die Erfahrung gemacht, dass genau dieses unvermeidliche Ringen mit Zielkonflikten, Authentizität und eine klare Wertehaltung eine Strahlkraft entwickeln, die anzieht, Hoffnung erzeugt und nicht zuletzt Vertrauen schafft.“

Immer wieder betont von Dewitz, welche Rolle auf diesem Weg die Unternehmenskultur, Führung und die Art der Zusammenarbeit der Führungskräfte und der Mitarbeiter spielt. Die fußt bei Vaude auf Vertrauen und Wertschätzung. Im Großen wie im Kleinen: Vom Modell der Vertrauensarbeitszeit bis hin zum Bezahlen in der Kantine. Jeder Mitarbeiter gibt selbst per Touchscreen ein, was er konsumiert hat, der entsprechende Betrag wird von der Essenskarte abgebucht.

„Ich dufte miterleben, dass es belohnt wird, an das Gute im Menschen zu glauben und eine Organisation auf Vertrauen und klaren Spielregeln aufzubauen. Es bringt das Positive zum Vorschein, und die Kraft, die dadurch entsteht, kann problemlos ein paar Rückschläge kompensieren.“

Interessant sind vor allem die Passagen, in denen von Dewitz von diesen Rückschlägen berichtet, von Stolpersteinen und Widerständen auf ihrem Weg zu einem wirklich nachhaltigen Unternehmen. Vom Unmut vieler Mitarbeiter etwa, die mit der Einführung eines Umweltmanagementsystems einen Berg ungeliebter Aufgaben bekamen. Denn zunächst ging es vor allem darum, Tabellen mit Zahlen zu befüllen, sämtliche Verbräuche mussten erfasst und ausgewertet werden. Die Vision als Großes bringt viel Bürokratie im Kleinen mit sich.

Die konsequent nachhaltige Ausrichtung bedeutet für jeden Mitarbeiter ein Mehr an Aufwand. Die Vaude-Führung hat es vor allem über neue Formen der Organisation geschafft, das für jeden Einzelnen stemmbar zu machen. Und sie schaffte es, selbst Rückschläge wie die Greenpeace-Kampagnen in den Jahren 2012 und 2013, die auch Vaude als PFC-Sünder anprangerten, ins Positive zu wenden.

Entscheidend ist es nach Ansicht von Dewitz‘, andere Denkansätze zuzulassen. Auch, um Alternativen für das Wachstum ihres eigenen Unternehmens zu entwickeln, neue Geschäftsfelder. Zum Beispiel eine Nachhaltigkeitsakademie, um künftig andere Unternehmen und Organisationen bei ihrer nachhaltigen Transformation zu unterstützen. „Wir konnten zeigen, dass Nachhaltigkeit nicht wirtschaftsfeindlich ist, sondern zu einem Zukunft gestaltenden Treiber eines Unternehmens werden kann.“

Antje von Dewitz‘ Buch „Mut steht uns gut!“ ist im Benevento Verlag erschienen und ist zum Preis 15,99 Euro im Buchhandel und im Vaude-Online-Shop erhältlich.
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