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Vor-Corona-Niveau übertroffen

JD Sports schließt das Geschäftsjahr mit Rekordgewinn ab

Imago / Michael Gstettenbauer
Zwar erreiche die Frequenz in Deutschland derzeit nur 70% des Vor-Corona-Niveaus und damit etwas weniger als in ganz Europa (80%), doch es werde europaweit mehr verkauft, meint JD Sports Fashion. Geshoppt wird etwa in Düsseldorf (Foto).
Zwar erreiche die Frequenz in Deutschland derzeit nur 70% des Vor-Corona-Niveaus und damit etwas weniger als in ganz Europa (80%), doch es werde europaweit mehr verkauft, meint JD Sports Fashion. Geshoppt wird etwa in Düsseldorf (Foto).

Vor allem Akquisitionen haben dazu geführt, dass JD Sports Fashion im vergangenen Geschäftsjahr den Umsatz um 39% steigern und den Vorsteuergewinn sogar mehr als verdoppeln konnte. Um weiter zu wachsen, will die Gruppe unter anderem in Europa im Schnitt jede Woche einen neuen Store eröffnen.

Als "weiterer Zeitraum mit herausragenden Fortschritten" bezeichnet Interim Chair Helen Ashton das Geschäftsjahr 2021/22, das am 29. Januar endete. In Zahlen: JD Sports Fashion konnte den Umsatz um rund 39% auf 8,6 Mrd. britische Pfund (8,2 Mrd. Euro) steigern. Der Gewinn vor Steuern und außerordentlichen Posten lag bei 947 Mio. Pfund – und war damit doppelt so hoch wie der Rekordgewinn von 439 Mio. Pfund, der vor der Corona-Pandemie im Geschäftsjahr 2019/20 erwirtschaftet wurde (2020/21: 421,3 Mio. Pfund). Die Bruttomarge konnte von 48% auf 49,1% leicht verbessert werden.

Die Gruppe hat im Berichtszeitraum mehrere Unternehmen übernommen, um die geografische Reichweite zu erhöhen. Das hat sich auch stark auf das Ergebnis ausgewirkt. Ein Einblick, was die Akquisitionen seit der Übernahme zum Umsatz beigetragen haben:
  • Cosmos: 26 Mio. Pfund, übernommen am 21. Oktober 2021
  • Deporvillage: 67,8 Mio. Pfund, übernommen am 3. August 2021
  • MIG: 175 Mio. Pfund, übernommen am 30. April 2021
  • DTLR: 382 Mio. Pfund, übernommen am 17. März 2021
  • Shoe Palace: 390 Mio. Pfund, übernommen am 14. Dezember 2020 (56,1 Mio. Pfund für den Sechs-Wochen-Zeitraum nach der Akquisition)
Die von der Aufsichtsbehörde Competition and Markets Authority (CMA) blockierte Übernahme des kleineren Mitbewerbers Footasylum hatte übrigens dazu geführt, dass die Veröffentlichung der Jahresergebnisse verschoben worden war. Zu dieser Angelegenheit heißt es nun im Bericht: "Wir sind nach wie vor der Meinung, dass JD mit seinem anerkannten Status als erstklassiger globaler strategischer Partner die Markenbeziehungen von Footasylum und seinen Zugang zu Produkten langfristig positiv beeinflusst hätte." Dennoch habe sich die Gruppe nun mit der CMA darauf geeinigt, Footasylum an einen "zugelassenen Käufer" zu veräußern. Dieser Prozess sei in vollem Gange und es gebe bereits mehrere Interessenten.


Als besonders positiv hebt JD Sports Fashion die Entwicklung im Vereinigten Königreich und der Republik Irland hervor, wo der Vorsteuergewinn auf 471 Mio. Pfund stieg (2020/21: 263 Mio. Pfund; 2019/20: 289 Mio. Pfund). Auch mit dem Nordamerika-Geschäft ist der Konzern zufrieden. Dort lag der Vorsteuergewinn bei 343 Mio. Pfund – ein Plus von 100% gegenüber dem Vorjahr bzw. von 264% gegenüber dem Vor-Corona-Jahr. In diesem Zusammenhang teilt das Unternehmen mit: "Alle Geschäftsbereiche der Gruppe haben erfolgreich von den günstigen Handelsbedingungen profitiert, die durch die zweite Runde der fiskalischen Anreize der US-Regierung geschaffen wurden."

Das Segment Outdoor schaffte es aus den roten Zahlen: Während der Gewinn vor Steuern und außerordentlichen Posten im Vorjahr noch bei minus 6,1 Mio. Pfund lag, steuerte die Sparte nun ein Plus von 25,9 Mio. Pfund bei – bei einem Erlös von 513 Mio. Pfund. Grund dafür seien die gestiegene Nachfrage nach Urlaubsreisen sowie "die allgemeine Anerkennung der körperlichen und geistigen Vorteile von Aufenthalten im Freien". Mit der wesentlich größeren Sparte Sports Fashion setzte die Gruppe 8,04 Mrd. Pfund um, der Vorsteuergewinn lag bei 636 Mio. Pfund.

Suche nach CEO läuft

Die Suche nach einem Global CEO sowie nach einem neuen Non-Executive Chair laufe, lässt JD Sports Fashion verlautbaren. Vor rund drei Wochen hatte Executive Chairman Peter Cowgill nach einer Reihe von Ausrutschern und als Folge einer laufenden Prüfung der internen Unternehmensführung den Konzern mit sofortiger Wirkung verlassen. Bereits vor einem Jahr war angekündigt worden, Cowgills Rolle aufzuteilen und einen CEO zu suchen. "Eine Reihe hochkarätiger Kandidaten" befänden sich in verschiedenen Stadien der Prüfung", wie es von der Gruppe heißt. Darunter auch einige, die erst kürzlich ihr Interesse am Posten bekundet hätten. Das Verfahren zur Einstellung eines neuen nicht geschäftsführenden Vorsitzenden schreite ebenfalls zügig voran.

Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert der Vorstand ein Ergebnis, das dem des Jahres 2021/22 entspricht. Helen Ashton erklärt den vorsichtigen Ausblick: "Wir sind zwar ermutigt durch die robuste Verbrauchernachfrage im bisherigen Jahresverlauf, sind uns aber auch des Gegenwinds bewusst, der derzeit herrscht, einschließlich der allgemeinen globalen makroökonomischen und geopolitischen Lage." Das Unternehmen betont allerdings, dass der Umsatz nach den ersten vier Monaten des laufenden Geschäftsjahres flächenbereinigt bereits 5% über dem Vorjahr liege, obwohl es Lieferengpässe bei wichtigen Schuhmodellen gegeben habe. Footwear steuerte 2021/22 mit 4,6 Mrd. Pfund den Großteil des Umsatzes bei, Bekleidung machte 3,2 Mrd. Pfund aus.
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IMAGO / Michael Gstettenbauer
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Veröffentlichung der Jahresergebnisse verschoben

JD Sports hebt Gewinnprognose an

Rückenwind vom Boom im Weihnachtsgeschäft: Der britische Sportswear- und Sneaker-Filialist JD Sports Fashion hat seine Gewinnprognose für das Geschäftsjahr 2021/22 (Stichtag: 29. Januar) zum dritten Mal innerhalb von drei Monaten angehoben. Gleichzeitig gibt das Unternehmen bekannt, die Veröffentlichung des Ergebnisses für das abgelaufene Geschäftsjahr wegen des von der Wettbewerbsbehörde geforderten Verkaufs von Footasylum zu verschieben.

Wachstum soll nicht nur über Neueröffnungen weiterer Stores kommen (in Europa z.B. im Schnitt ein neuer Store pro Woche), sondern auch über digitale Kanäle. Die Online-Verkäufe stehn laut JD Sports Fashion mittlerweile für 30% des Gesamtumsatzes, vor der Pandemie waren es 22%. Die Gruppe geht nicht davon aus, dass die Online-Erlöse wieder auf dieses Niveau zurückfallen werden – wohl auch, weil die Frequenzen in den Innenstädten noch nicht wieder auf Vor-Corona-Niveau sind. Interessant: Während die Frequenzen in Europa wieder 80% der Vor-Corona-Zeit erreicht hätte, liege Deutschland mit 70% darunter. Dennoch hätten die Umsätze flächenbereinigt in der zweiten Jahreshälfte in ganz Europa mit 2,05 Mrd. Pfund 10% über denen von 2019/20 gelegen. Die Gruppe hat das Jahr über alle Handelskonzepte hinweg weltweit mit 3402 Filialen abgeschlossen.
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