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Vorwürfe nach Medienrecherchen

Vernichtet Nike Neuware?

Nike
Jeden Tag produzieren allein Nike und Adidas mehr als zwei Millionen Paar Sneaker.
Jeden Tag produzieren allein Nike und Adidas mehr als zwei Millionen Paar Sneaker.

Gegen den weltgrößten Sneaker-Hersteller Nike werden schwere Vorwürfe erhoben. Der Konzern soll nach Recherchen von NDR, dem Wochenmagazin Die Zeit und dem Recherche-Start-up Flip systematisch neuwertige Retouren zerstören.

Was passiert tatsächlich mit Retouren? Mit der Bluse, die nach dem ersten Tragen doch nicht überzeugt? Mit Schuhen, die nach zwei Wochen drücken und zurückgeschickt werden? Mit den T-Shirts, die in mehreren Größen bestellt wurde und von denen die meisten ungetragen zurückgehen?
Welche Brisanz dieses Thema hat, bekommt Nike gerade zu spüren. Gemeinsame Recherchen von NDR, dem Wochenmagazin Die Zeit und des Recherche-Startups Flip im Rahmen des Projekts "Sneakerjagd" sollen belegen, dass der Weltmarktführer nicht nur alte Schuhe dem Recycling zuführt, sondern auch neue Produkte, die von den Kunden retourniert werden.


Die Reporterinnen und Reporter haben Sportschuhe im deutschen Online-Shop von Nike bestellt und die Schuhe dann, mit GPS-Trackern ausgestattet, als Retoure an Nike zurückgeschickt. Diese Schuhe seien innerhalb kurzer Zeit in eine Recyclinganlage in Herenthout gebracht worden und dann zerstört worden.
Auf Anfrage habe eine Sprecherin des Unternehmens erklärt, dass Retouren, "die Anzeichen von einer möglichen Beschädigung oder Gebrauchsspuren aufweisen", zerstört und recycelt würden. Ungetragene und makellose Artikel würden zum Wiederverkauf in die Regale zurückgestellt.

"Die überwiegende Mehrheit der von Kunden an Nike zurückgegebenen Schuhe wird weiterverkauft", erklärt der Konzern auf TW-Anfrage. Dem Recycling zugeführt würden zurückgegebene Produkte, die Anzeichen von Beschädigung oder inakzeptablem Verschleiß aufweisen sowie "Testmuster, defekte Produkte, Verkaufsmuster und andere  Schuhe, die nicht für den Einsatz geeignet sind".

"Von den Medien verbreitetes Filmmaterial und Berichte zeigen, dass ein neuer Nike Performance-Basketballschuh, der auf nike.com bestellt wurde, aufgeschnitten und manipuliert wurde, als ein GPS-Tracker in das Produkt eingesetzt wurde, bevor es zurückgeschickt wurde. Gemäß unseren Richtlinien und zum Schutz von Sportlern und Verbrauchern werden manipulierte Schuhe zum Recycling an unsere Nike Grind-Anlage geschickt."

In den USA launchte der Konzern in diesem Jahr ein Programm namens Nike Refurbished, bei dem neuwertige oder leicht getragene Artikel sowie Styles mit leichten optischen Mängeln neu aufbereitet werden und danach zum Verkauf angeboten. Angelaufen ist dieses Programm zum Start in 15 Nike-Stores in den USA. Wie der Konzern nun mitteilt, soll im kommenden Monat auch ein Pilotprogramm in der Region EMEA starten.

Recycling-Programm zur Weiterverarbeitung alter Schuhe

Unter dem Namen Grind hat Nike hat ein Recycling-Programm entwickelt, bei dem primär Materialabfälle aus der Produktion, aber auch alte Schuhe, zu einem Material namens „Grind“ verarbeitet werden. Aus diesem Material werden bislang vor allem Bodenbeläge, Möbel und ähnliches hergestellt, es kommt auch bei einigen ersten Sneaker-Modellen zum Einsatz.


Ob Nike für die Vernichtung gebrauchstüchtiger Retouren von deutschen Behörden belangt werden könnte, wie es in dem Artikel anklingt, der heute in der Zeit erscheint, ist fraglich. Zwar gibt es ein Deutschland-Tochter mit Sitz in Berlin, die Nike Deutschland GmbH, doch die Retail-Aktivitäten des Konzerns werden von der Europa-Zentrale aus geleitet. Betreiber des deutschen Nike-Webshops ist laut Impressum Nike Retail BV mit Sitz im niederländischen Hilversum.
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