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Was wird aus Sporthübner?

Eine Frage der Größe

Sporthübner
Ein Sporthaus mit 4000m² in der Innenstadt hat der neue Eigentümer des Sporthübner-Flaggschiffs in Darmstadt bislang nicht im Portfolio.
Ein Sporthaus mit 4000m² in der Innenstadt hat der neue Eigentümer des Sporthübner-Flaggschiffs in Darmstadt bislang nicht im Portfolio.

Drei Unternehmen haben jetzt den Zuschlag für wichtige Filialen der insolventen Dielmann-Gruppe erhalten. Für zwei Käufer vor allem eine Investition in den Sport.

„Die Krise ist wie ein Brennglas, das die Schwächen aufzeigt.“ Das sagte Markus Dielmann im Gespräch mit der TW im April. Nur wenige Wochen später startete die Dielmann-Gruppe, die er gemeinsam mit seinem Bruder Thomas in dritter Generation führte, ein Schutzschirmverfahren.


Als Anfang September das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, war bereits klar, dass die Gruppe nicht als Ganzes erhalten werden kann. Welche Standorte zum Jahresende geschlossen würden, war kurz darauf entschieden (siehe Tabelle). Offen blieb nach dem Verkauf der ersten acht Standorte an die Deichmann-Tochter MyShoes im Oktober unter anderem die Zukunft der Haupthäuser in der Darmstädter Innenstadt.

Die ist nun geklärt: Sowohl das Dielmann-Haupthaus in der Ludwigstraße als auch das Sporthübner-Flaggschiff gehen an Fritz Frank Schuhe + Sport. Das 1912 in Bad Kreuznach gegründete Familienunternehmen betreibt aktuell über 40 Filialen als klassische Schuhfachgeschäfte, Sportfachgeschäfte sowie Schuh + Sportfachmärkte von Köln bis Augsburg. Neben den beiden Flaggschiffen gehen zwei weitere Schuh- und fünf weitere Sport-Häuser an Fritz Frank Schuhe + Sport.

Sporthübner und Sport Fink künftig unter einem Dach

Mit Übernahmen kennt man sich aus. „Die gelungene Integration der in der Vergangenheit übernommenen Unternehmen ist sicher Teil unserer Kompetenz – neben Warenthemen, die man selbstverständlich gut bedienen muss“, sagt Geschäftsführer Andreas Kolb. Die bisher größte Übernahme war die von zwölf Standorten der Fink/Lahr-Gruppe im Jahr 2014. Alle damals übernommenen Läden, ob Sport- oder Schuh-Filialen, existieren heute noch.

Dass der damalige Insolvenzverwalter bei Fink Schuhe + Sport nun auch mit dem Dielmann-Verfahren betraut war, habe die Gespräche erleichtert, so Kolb. Und er kündigt an: „Wir wollen die neuen Standorte als lokale Größen erhalten.“ Die Namen Sporthübner und Dielmann sollen also nicht vom Markt verschwinden. Auf der Suche nach Expansionsmöglichkeiten sei man schon vor Corona gewesen, so Kolb. „Ob man jetzt expandieren kann, hat sich nicht in diesem Jahr entschieden.“ Die Frage sei nicht, wie man durch den Lockdown gekommen sei, sondern: Wie kundenorientiert bin ich? Finden die Kunden bei uns, was sie suchen? Und: Habe ich ein klares Kostenmanagement?

Eine Filiale wie das Sporthübner-Flaggschiff in der Darmstädter Innenstadt hat man allerdings noch nicht im Portfolio. „Ein tolles Haus, das die angebotenen Sportarten sehr gut abdeckt“, sagt Kolb. Potenzial sieht er in der mutigeren Interpretation der funktionalen Themen. „Die Drei-Lagen-Jacke kann man Männern sicher auch in aktuellen Farben verkaufen und den Frauen ein Fitness-Outfit jenseits der Leggings mit Standard-Oberteil. Diese Kompetenz bringen wir auf jeden Fall mit.“

Sport soll gestärkt werden

Bei der jetzigen Übernahme und der Auswahl der zu übernehmenden Standorte sei es vor allem um eine Stärkung des Sportbereichs im Unternehmen gegangen. „Mit jeder nennenswerten Erhöhung des EK-Volumens verbessert sich unsere Position gegenüber den Lieferanten.“ Bislang liege der Anteil der Sport-Sparte bei etwa 30%. Der Umsatzanteil, den das Unternehmen allein in seinen Schuh-Läden mit Sneakern macht, ist allerdings deutlich höher: „Der liegt selbst in der Herbst/Winter-Saison mittlerweile bei 50%.“

Auch bei Siemes Schuhcenter, Käufer von drei Schuh-Filialen und eines Sporthübner-Hauses, hat der Sportschuh-Bereich „seit jeher einen hohen Stellenwert und wird stetig erfolgreich ausgebaut“, wie es bei der familiengeführten Gruppe heißt. „Die Übernahme der Sporthübner-Filiale mit 700m² Verkaufsfläche ist somit der nächste Schritt in die richtige Richtung.“ Anders als bei Fritz Frank Schuhe + Sport sollen die von Siemes übernommenen Filialen an die bestehenden Vertriebskonzepte angepasst werden. Der Dritte im Bunde, der jüngsten Dielmann-Übernehmer, ist die Sutor-Gruppe mit 21 Schuhhäusern. Mit den drei neuen Schuhhäusern in Erlangen und Würzburg wird die Präsenz in Franken ausgebaut. Mit dem Verkauf dieser insgesamt 16 Filialen haben 269 Beschäftigte ein Perspektive.

Auch bei der ANWR wird man aufgeatmet haben: Alle drei Übernehmer sind, ebenso wie Dielmann, Mitglieder bei dem Handelsverbund. Sutor und Fritz Frank Schuhe + Sport sind über eine Einkaufskooperation noch enger miteinander verbunden. Sie kaufen nun auf einen Schlag für ein ganzes Dutzend mehr Häuser ein.

Inwiefern Größe vor allem im Sport ein entscheidender Wettbewerbsvorteil ist, zeigt sich dieser Tage in Weiterstadt. Hier eröffnet auf 8000m² die größte deutsche Decathlon-Filiale. Für die benachbarte Sporthübner-Filiale wurde indes bislang kein Käufer gefunden.

Die Dielmann-Standorte im Überblick
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Die Dielmann-Standorte im Überblick

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