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Wegen fehlender Öffnungsperspektive

Endgültiges Aus für Sporthaus Saemann

Saemann
Mit Saemann schließt eines der Intersport-Gründungshäuser nun endgültig.
Mit Saemann schließt eines der Intersport-Gründungshäuser nun endgültig.

Schlussstrich: Das insolvente Sporthaus Saemann hat seinen Geschäftsbetrieb eingestellt. Die Läden sind geschlossen, betroffen sind 40 Mitarbeiter. Wie Insolvenzverwalter Lutz Lohmann berichtet, seien die Gespräche mit einem Investor fortgeschritten gewesen, dessen Bedingung sei allerdings die Perspektive auf eine baldige reguläre Öffnung gewesen. Diese sei aufgrund der jüngsten politischen Entscheidungen auf Bund- und Länderebene nun allerdings nicht gegeben.

Das Heilbronner Traditionsunternehmen hatte am 15. Dezember Insolvenz angemeldet – einen Tag vor dem zweiten bundesweiten Shutdown. Mit Problemen hatte das Unternehmen seit längerem zu kämpfen, daraus machte Geschäftsführer Thomas Gauß keinen Hehl. "Angefangen hat es mit einer Baustelle im Vorfeld der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn, die beide Zufahrtswege zu unserer größten Filiale nahezu gekappt hat. Und zwar 20 Monate lang." Diese größte Filiale war ein Intersport Profimarkt – der erste Sportfachmarkt Deutschlands, den Saemann 1995 am Europaplatz eröffnete. Zum Unternehmen gehörten außerdem drei Golf-Shops in und um Heilbronn sowie ein Laden in der Heilbronner Innenstadt.

Die Umsatzeinbußen, die das Unternehmen aufgrund der massiv rückläufigen Frequenzen verbuchte, bezifferte Gauß auf 1,5 Mio. Euro. Doch Saemann erholte sich. "Wir waren auf einem guten Weg", berichtet Gauß. Dabei störte auch die Decathlon-Filiale nicht, die zwischenzeitlich neu in Heilbronn eröffnet hatte. "Dann kam Corona."

Saemann Sportkultur: Sport trifft Lifestyle trifft Erlebnis


Es wurde eng für das Unternehmen. Zur Überbrückung der Situation mit weiteren Umsatzausfällen von 1,5 Mio. Euro brauchte Saemann Geld. Die Gespräche mit der Hausbank seien erfolgversprechend gewesen, ein zusätzlicher Kontokorrentkredit in Höhe von 250.000 Euro wurde in Aussicht gestellt. "Gekoppelt war dies an ein Sanierungsgutachten mit positiver Fortführungsprognose", so Gauß. Dieses Gutachten, das ihn allein 30.000 Euro gekostet hat, legte er der Volksbank Heilbronn Ende Juni vor. "Dann zog sich das Ganze wie Kaugummi." Aus unternehmerischer Sicht habe für ihn nur eine Erweiterung des Kontokorrentrahmens mit einer damit einhergehenden Flexibilität Sinn gemacht, so Gauß. "Ein Kredit würde vielleicht kurzfristig Luft verschaffen, das Problem aber nur in die Zukunft verlagern."

Der herbe Schlag kam am 4. November: die überraschende Absage der Bank. Warum, weiß er nicht. Vielleicht, weil die Bank in Fusionsgesprächen mit der VR Bank Schwäbisch Hall-Crailsheim steht und vielleicht deswegen keine weiteren Kreditrisiken eingehen wollte? "Möglich, dass wir ein Stück weit Opfer dieser Situation geworden sind."

Diese Situation brachte ihn in Entscheidungsnot. Zumal Heilbronn über lange Zeit einer der Corona-Hotspots in Baden-Württemberg war und die Kunden noch früher als im restlichen Deutschland zu Hause blieben. Mit dem Lockdown Light ging dann der nahezu Komplett-Ausfall des Wintersports einher.

Besonders tragisch ist das finale Saemann-Aus vor allem deswegen, weil Gauß erst 2018 mit einem innovativen Konzept für den innerstädtischen Sporthandel gestartet war: Sportkultur Saemann. Mit Eistheke und Wanderschuh, mit Running-Sortiment und Lifestyle-Brands. Von Ellesse bis Goldbergh, von Meindl bis On.

Kein Selbstläufer. Nach den ersten Monaten wurde das Sortiment angepasst, wieder etwas stärker Richtung Sport gedreht. Als Pionier könne man eben nicht von den Fehlern anderer lernen, sondern müsse sie selbst machen, so Gauß. "Aber wir haben insgesamt sehr positive Resonanz auf Sportkultur Saemann", sagte er im Dezember.

Gauß hoffte auf eine Fortführung des Unternehmens, die auch der Insolvenzverwalter als Perspektive formuliert hatte. Doch schon Ende Dezember fiel es dem Urenkel des Gründers Wilhelm Sämann schwer, voller Zuversicht nach vorne zu blicken. Denn er konnte sich zu dem Zeitpunkt schon kaum vorstellen, dass die Läden am 11. Januar wieder öffnen würden. Er sollte recht behalten.
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