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„Wettbewerbsrechtlich unbedenklich“

Kartellamt: Grünes Licht für SportScheck-Übernahme

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Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für die SportScheck-Übernahme durch Signa Retail gegeben.
Das Bundeskartellamt hat grünes Licht für die SportScheck-Übernahme durch Signa Retail gegeben.

Das Bundeskartellamt hat an diesem Montag den Erwerb der Otto-Tochter SportScheck durch die Wiener Signa Retail freigegeben.

„Durch die Übernahme entsteht der führende Anbieter im Sport-/Outdoor-Einzelhandel in Deutschland. Trotzdem ist das Vorhaben im Ergebnis wettbewerblich unbedenklich“, erklärt Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes. „Bundesweit liegen die gemeinsamen Marktanteile von Signa Retail und SportScheck in den relevanten Bereichen bei unter 15%. Selbst bei isolierter Betrachtung des rein stationären Handels kommen die Beteiligten in keiner Region auf über 30% Marktanteil. Das Online-Geschäft ist in diesem Bereich des Handels zudem sehr bedeutsam. Durch Online-Händler wie Amazon oder die Online-Shops der Hersteller wird ein wesentlicher Wettbewerbsdruck erzeugt.“

Wie es in der Erklärung des Bundeskartellamtes weiter heißt, liegen die gemeinsamen Marktanteile von Signa Retail und SportScheck bundesweit unter Einbeziehung des Online-Handels in den Bereichen Sport/Outdoor-Bekleidung, -Schuhe und -Ausrüstung bei unter 15%. Laut Bundeskartellamt wurde ein Gesamtmarktvolumen von rund 8,5 Mrd. Euro ermittelt. Nicht einbezogen worden seien Umsätze im Lebensmitteleinzelhandel oder von Einzelhändlern, die als Bekleidungseinzelhändler einzuordnen sind. Intensiver befragt worden seien 16 Marktteilnehmer, darunter auch die großen Onlinehändler, die beiden Einkaufsgenossenschaften sowie vier Hersteller mit ihren Einzelhandelsaktivitäten.

Neben Signa Retail werde es auch nach der Übernahme weitere große Sport-/Outdoor-Händler wie vor allem Decathlon und Amazon geben. Bedeutsam für den Wettbewerb in diesem Bereich seien unter anderem auch die Sportfachhändler, die den Einkaufsgemeinschaften Intersport und Sport 2000 angeschlossen sind und in der Summe mit Sport- und Outdoor-Artikeln jeweils deutlich höhere Gesamtumsätze als Signa Retail erzielen.



Doch sowohl mit Intersport als auch mit Sport 2000 ist auch der neue entstehende Player verbunden: SportScheck ist größtes Intersport-Mitglied und auch die Signa Sports-United-Tochter Tennis Point kauft über Intersport ein. Outfitter und Internetstores wiederum, auch beide Teil des Signa Retail-Geschäftsfeldes Signa Sports United, kaufen über Sport2000 ein. Trotz dieser Kooperationen ergeben sich laut Kartellamt „beschaffungsseitig, also im Verhältnis zu den Herstellern/Lieferanten (...) keine wettbewerblichen Bedenken.“

Zu der von der Benko Privatstiftung kontrollierten Signa Retail gehören die vier unabhängigen Handelsplattformen Signa Premium, Signa Sports United, Signa Department Store Group, Signa Home & Lifestyle. Die Karstadt Sports- und Galeria Karstadt Kaufhof-Filialen gehören zur Department Store Group. Die Signa Sports United-Gruppe betreibt rund 80 Online-Shops, darunter die Shops von Internetstores (u.a. fahrrad.de), Tennis Point, Oufitter und Stylefile.


Wie das Bundeskartellamt weiter ausführt, hat Signa Retail im stationären Geschäft mit den Karstadt Sports- und Galeria-Filialen eine starke Marktposition, die durch die 19 SportScheck-Standorte (inkl. der Outlets in München und Unterhachingen) in einigen Regionen weiter ausgebaut werde. In Großstädten wie Berlin, München und Hamburg verfügen die Beteiligten gemeinsam über mehr als zehn Filialen. In diesen Städten sei jedoch auch eine Vielzahl von Wettbewerbern vertreten. Weiterhin bestehe erheblicher Wettbewerbsdruck auf einzelne Sortimentsbereiche durch spezialisierte Fachhändler und die Einzelhandelsaktivitäten der großen Sportartikelhersteller.

Die Ermittlungsergebnisse hätten verdeutlicht, dass der Verhaltensspielraum von Signa Retail auch im stationären Vertrieb durch den Online-Wettbewerb beschränkt wird. Der Anteil des Online-Umsatzes am Gesamtumsatz der befragten Unternehmen liege bei ca. 30%. Die reinen Online-Händler üben nach Auskunft der befragten Unternehmen erheblichen Wettbewerbsdruck auf den stationären Vertrieb aus. Über 90% der vom Bundeskartellamt befragten Sportartikelhändler mit Filialgeschäften nannten mindestens einen reinen Online-Händler unter den fünf engsten Wettbewerbern für das eigene Filialgeschäft.
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