Rückblick 2019

Die Top 5 Läden

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Neue Display-Ideen, wie hier bei Forty Five Ten in New York, sorgen für Individualität im Design.
Neue Display-Ideen, wie hier bei Forty Five Ten in New York, sorgen für Individualität im Design.

Wer hat im vergangenen Jahr wo aufgemacht? Welche Läden sind in Erinnerung geblieben? Trotz unverändert schwieriger Rahmenbedingungen für die Branche gab es auch 2019 aufsehenerregende Eröffnungen, vor allem international.

Man denke nur an Galeries Lafayette in Paris oder die US-amerikanische Kaufhauskette Nordstrom, die in New York ein 30.000m² großes Haus eröffnet hat. Worauf kommt es bei der Gestaltung an? Von Trends mag man eigentlich gar nicht mehr sprechen. Zu individuell sind die Läden heute. Es kommt immer mehr darauf an, ein ganz eigenes Statement abzugeben, Läden so schön wie möglich zu machen, schon alleine deshalb, weil Instagramability immer wichtiger wird. Experience ist ein Buzzword, dem Kunden etwas bieten, das er im Internet nicht findet. Gelingen kann das auf ganz unterschiedlichen Wegen. Fünf Beispiele, aus New York, Brescia, Berlin, Landshut und Paris, die uns in ihrem Marktsegment 2019 überzeugt haben.

Forty Five Ten in New York

Hier ist nichts von der Stange. Forty Five Ten, der Luxus Retailer aus Texas, hat seinen ersten Store in Big Apple eröffnet. Im neuen Wohn-, Büro- und Shoppingkomplex Hudson Yards, direkt am Highline Park in Manhattan gelegen, belegt der Store 1600m² auf der fünften Etage. Spektakulär ist nicht nur das Innere, sondern auch schon das in Zusammenarbeit mit dem bekannten Büro Snarkitecture entworfene Schaufenster. Die mit einer gitterartigen Struktur überzogene Front besteht aus Glasziegeln und setzt den Begriff von „brick and mortar“ auf ungewöhnliche Art und Weise um.Das Innere überzeugt mit einem Mix aus zeitgenössischer Kunst, architektonischen Details und zum Teil wechselnden Kollektionen. Standardisierten Ladenbau sucht man vergebens. Jeder der vier Räume ist einer Kategorie gewidmet. Neu ist insbesondere die Vintage-Abteilung mit Design-Stücken aus allen möglichen Kategorien von Mode über Kunst, Bücher und Schmuck bis zu Möbeln.

Die Top-Eröffnungen des Frühjahrs: Forty Five Ten in New York

Oberpaur in Landshut

50 Jahre nach der Fertigstellung ihres Stammhauses hat die Familie Boniberger in einen umfangreichen Umbau investiert. In der Landshuter Innenstadt ist so ein offenes, helles und modernes Modehaus entstanden, das zum Verweilen einlädt. Die Fassade des Modehauses Oberpaur wurde komplett umgestaltet. Die in den 60er Jahren üblichen Arkaden verschwanden, stattdessen wurde die Fassade aufgebrochen und nach vorne versetzt. Das Ziel: Schon von außen soll das Haus offen, hell und einladend wirken (Architektur: MAI Messerschmid Architekten und Innenarchitekten; Ladenbau: Korda Ladenbau (Ausführung); Licht: D&L Lichtplanung). Dieser Ansatz setzt sich im Haus fort. Nachdem die Kunden das Haus mit seiner 7500m² großen Verkaufsfläche betreten haben, empfängt sie eine neue Gastrofläche. Große Glasscheiben geben den Blick auf Fußgängerzone und Basilika frei.

Auch wenn an vielen Stellen kein Stein auf dem anderen geblieben zu sein scheint, wurde doch vieles beibehalten. So wechseln sich sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten Stock die bereits vorhandenen hellgrauen Betonfliesen mit den Eichendielen ab. Das Holz findet sich aber nicht nur auf dem Boden, sondern dient auch zur Rückwandgestaltung, etwa in der Jacken-Abteilung im ersten Stock, als dunkle Lamellendecke im zweiten Stock oder auch als über Ecken verlaufende Lamellen-Wand in der HAKA-Abteilung in der dritten Etage. Auch Beton wird längst nicht nur als Bodenbelag verwendet. Im zweiten Obergeschoss wurde ein „Haus im Haus“ aus Sichtbeton geschaffen. Alle Warenträger entlang der Wände und der dunkel getönten Glasscheiben hängen von der Decke herunter.

Store des Tages Herbst 2019: Oberpaur in Landshut

One-Off in Brescia

Zwei Einzelhändler tun sich zusammen und eröffnen zwei Läden, unter einem Namen. So geschehen in Brescia, unweit der Modemetropole Mailand. Die beiden Luxusmodehändler Folli Follie und G&B sind dort mit ihrem Konzept One-Off, einem Store für Frauen und einem für Männer, an den Start gegangen. Für die Gestaltung engagierten die Macher zwei unterschiedliche Designbüros.  Der Womenswear-Store misst 800m². Entworfen hat ihn Dimore Studio. Gespielt wird mit starken Kontrasten. Glitter-Teppiche treffen auf Linoleum, Stahl und weiße Kachelfliesen. Highlight ist die säulenartige Kasse, die von oben bis unten mit blonden Perücken geschmückt und mitten auf der Fläche platziert ist. Der Menswear-Store ist 400m² groß und wurde von Baciocchi Associati entworfen. Dort dominiert Streetstyle-Optik mit Materialien wie Kunststoff, Gummi und Aluminium.

Best of 2019: One-Off in Brescia

11teamsports in Berlin

11teamsports gilt als Vorzeige-Player im Sport-Business. Das Unternehmen aus Crailsheim hat sich stark auf Teamsport ausgerichtet. Fußball steht dabei für den Löwenanteil der Umsätze. Das Unternehmen arbeitet eng mit Vereinen zusammen, spricht aber auch Konsumenten direkt an. Wie die Macher das Spiel in den Store bringen, ist besonders eindrucksvoll in der neuen Berliner Dependance zu sehen. Ein Store, der nicht nur für Fußball-Fans einen Besuch wert ist, weil er zeigt, wie mit großen aber auch sehr detailverliebten Ideen stationärer Retail einen neuen Spirit bekommt. Die 340m² große Filiale von 11teamsport setzt einen klaren und einzigartigen Fokus auf Fußball und vereint dafür Hightech mit Nostalgie. Das Grundkonzept des neuen Stores folgt, hier zeigt sich das Fußball-Fantum im Unternehmen, dem Aufbau eines Stadions. Entwickelt und umgesetzt wurde es mit dem Ladenbauer Umdasch. Der Eingangsbereich ist dem Weg aus den Katakomben eines Stadions nachempfunden, den Profispieler gehen, bevor sie den Rasen betreten. Über großflächige Bildschirme wird an den Wänden ein digitaler Spielertunnel erzeugt, der Kunden optisch und akustisch über abgespielte Fangesänge direkt ins Stadion-Feeling schicken soll. Im Store angekommen, die zentrale Fläche ist quasi das Spielfeld, fällt der Blick direkt auf ein Kernstück des Ladens: Die Footwear Wall. Eine Rückwand gefüllt über und über mit Fußballschuhen.

11teamsports: Flagship in Berlin

Dover Street Parfums Market in Paris

Das Beauty-Business boomt. Alles rund um Selfcare hat Konjunktur. Zahlreiche Eröffnungen und Sortimentserweiterungen zeugen davon. Einer der meistbeachteten Stores in diesem Segment ist das neueste Baby des Avantgarde Concept Stores Dover Street Market. Ganz einfach Dover Street Parfums Market  heißt die neue Duft- und Kosmetik-Destination in Paris. Die Macher des Konzepts Rei Kawakubo und Adrian Joffe betreten damit Neuland. Angeboten werden in dem ultra-modernen, 200m² großen Store die komplette Palette der Comme des Garçons-Düfte sowie Parfüms und Beauty-Produkte anderer Luxus-Kosmetikmarken von Gucci bis Thom Browne und Nischen-Labels wie Aer. Anders als sonst in der Branche üblich verzichtet der Laden konsequent auf Logos sowie Kampagnenbilder. Stattdessen werden die Produkte in einem Wald aus säulenartigen cleanen Warenträgern mit Aussparungen präsentiert.

Neues Beauty Konzept: Dover Street Parfums Market in Paris



Diese und noch 47 weitere wegeweisende Projekte aus dem Modehandel stellt die Redaktion der TextilWirtschaft im Jahrbuch „Läden 19/20“ ausführlich in Text und Bild vor. Mit dem diesjährigen Schwerpunkt „Beauty“ wird  zudem der extrem expansiven Entwicklung in diesem Bereich Rechnung getragen. Und: „Läden 2019/20“ ist gleichzeitig ein Jubiläumsband. Seit 30 Jahren am Markt, zeigt das Buch erneut, wohin die Reise geht im Store-Design.  Das Buch kostet 98 Euro und kann hier bestellt werden.
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