Best of Store des Tages: Die Top 5 Läden

Trotz schwieriger Rahmenbedingungen im ersten Halbjahr 2021: Im Modehandel tut sich was. Mehr als drei Monate lang hat die TextilWirtschaft neue und umgebaute Läden vorgestellt. Die meistgeklickten im Überblick.

Das hat die TW online-Leser am meisten interessiert (von links): Der neue Sinn in Bad Homburg, das Sinn Off-Price-Konzept in Dortmund und das neue Store-Design von Marc O'Polo.
Auf dem Siegerpodest - diese Stores haben die TW online-Leser am meisten interessiert (von links): Sinn in Bad Homburg, Sinn Redstore in Dortmund und Marc O'Polo in München.
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Die Frühjahrssaison 2021 herausfordernd zu nennen, ist noch stark untertrieben. In den ersten Monaten des Jahres lief im Modehandel nur wenig. Auf eine kurze Eröffnungsphase im März folgten der erneute Lockdown und die Bundesnotbremse. Erst Ende Mai normalisierte sich die Situation langsam, und die Läden durften nach und nach wieder öffnen.

Dennoch hat sich in der Modehandelslandschaft viel getan. Läden wurden umgebaut und neu eröffnet, wenn auch mit Verspätung. Die TextilWirtschaft hat diese Phase - wie schon seit einigen Jahren - intensiv begleitet und so oft wie möglich neue Stores vorgestellt. 65 waren es insgesamt in der Zeit vom 15. März bis 2. Juli.

Den Anfang machte die neue Wäschefläche bei Kaiser in Freiburg, den Schlusspunkt setzte das umgebaute Tommy Hilfiger Flagship am Berliner Kudamm. Dabei waren große, filialisierte Multilabel-Formate wie Sinn, Fast Fashion-Händler wie Mango mit seinem neuen Store-Konzept, Marken-Stores von Marc O'Polo bis S.Oliver, aber auch ganz individuelle Läden, wie der von Daniel Thiel in Wiesbaden. Nachhaltigkeit ist ein Thema (siehe Lanius), genauso wie Secondhand (siehe Vintage Revivals).

Wer aber hat das größte Leserinteresse auf breiter Front entfaltet. Gemessen an den Zugriffszahlen ist Sinn, mit seinem Store in Bad Homburg und dem Outlet-Konzept in Dortmund klarer Klicksieger. Es folgen Marc O'Polo mit seinem erstmals in München vorgestellten neuen Design unter der Überschrift Scandinavian Studio, Joop! und Thiel's in Wiesbaden. Die fünf Top-Stores zum Nachlesen:

1. Das macht Sinn in Bad Homburg

Der Hagener Bekleidungsfilialist Sinn hat in Bad Homburg im Louisencenter auf 4500m² seinen 31. Store eröffnet. Im umgestalteten Center, das jetzt unter dem Namen La Vie wiedereröffnet wurde, ist Sinn im Erdgeschoss alleiniger Mieter neben einer Bäckerei und einem Kiosk. Das erste Stockwerk teilt sich Sinn mit dem Elektro-Markt Saturn, im zweiten Obergeschoss hat der Hagener Fashionfilialist eine große Wäscheabteilung eingerichtet. Hohmann & Heil, auch Teil der Sinn-Gruppe, betreibt als Partner der Sport2000 eine 500m² große Sportfläche mit Fokus auf Fitness, Wandern und Schwimmen.

"Bad Homburg als eine der wirtschaftlich erfolgreichsten Städte Deutschlands ist ein Glücksfall für uns", sagt Sinn-Einkaufschefin Susanne Straus.  "Wir werden den Kundinnen und Kunden von ‚das macht Sinn‘ ein Sortiment präsentieren, das dem Anspruch und der Bedeutung von Bad Homburg gerecht wird. Aktuelle Damen- und Herrenmode und Wäsche mit einem Fokus auf 100% Marken mit nationaler und internationaler Bedeutung, gepaart mit der hohen Beratungskompetenz der ‚das macht Sinn‘ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, bilden die Basis für die angestrebte Attraktivität des neuen Bekleidungshauses."

2. Sinn Redstore in Dortmund

Die Neueröffnungs-Festspiele bei Sinn gehen weiter:Das 2nd Season-Konzept Redstore hat im früheren Kaufhof am Westenhellweg in Dortmund seine Tore geöffnet - mit Covid-Testzentrum am Eingang. Und in Gütersloh ging kurz danach die Sinn-Filiale Nr. 33 an den Start. Das Haus in Dortmund soll mehr als ein normales Outlet sein, verkündet der Filialist aus dem westfälischen Hagen. Der zunächst 2500m² große Store wirkt eher wie ein klassischer Multichannel-Laden, aber nicht wie eine Resterampe. Man wolle die "Marken in einer Form anbieten, die der Wertigkeit der angebotenen Artikel entspricht", sagt Einkaufschefin Susanne Straus. "Wühltische oder übervolle Ständer und Regale wird es nicht geben."

Die Produkte werden von 32 Beschäftigten vor allem nach Marken präsentiert, einige auf Wholesale-Flächen. Es gibt jedoch nicht die bei vielen anderen Outlet-Konzepten übliche Ordnung allein nach Größen, egal von welchem Label. Den Umbau nahm das Sinn-Team, wie üblich, weitgehend selbst in die Hand. "Viele Marken waren sofort bereit, bei unserem Konzept mitzumachen", sagt Sinn-Chef Friedrich-Wilhelm Göbel. Verkauft wird Mode – DOB, HAKA, Wäsche – von rund 100 Marken mit bis zu 50 % Rabatt. Dabei handelt es sich laut Sinn um für das Jahr 2020 entwickelte Ware, die wegen der Shutdowns bisher kaum oder gar nicht auf die Fläche gelangt ist.

3. Marc O'Polo in München

Mehr als nur ein neuer Anstrich: Mit dem Konzept The Scandinavian Studio, das Marc O’Polo jetzt in den Münchener Pasing Arcaden lanciert hat, wollen die Stephanskirchener die Modern Casual Brand strategisch weiterentwickeln und ihre Position im globalen Premiumsegment unterstreichen. Der nationale und internationale Roll-out ist bereits in vollem Gange.Großzügig und bewusst geradlinig. So beschreibt Marc O’Polo das neue Store-Konzept, das mit den langjährigen Partnern und Ladenbauexperten Knoblauch in den Münchener Pasing Arcaden umgesetzt wurde.

Für das Design wurde ein internationaler Pitch durchgeführt, bei dem sich die Brand & Retail-Beratung Fitch mit Hauptsitz in London durchsetzen konnte. Ziel sei es gewesen, auf den 180m² die Werte Simplizität, Natürlichkeit, Innovation, Zeitlosigkeit und – gemäß den Wurzeln des Labels – skandinavisches Design zu transportieren und damit die Modernität der Marke zu unterstreichen. Die großzügige Gestaltung und das wertige Interieur sollen zudem einem luxuriösen Anspruch gerecht werden. Die Innovation äußert sich beispielsweise in großformatigen LED-Screens, den sogenannten Heropanels, die das Drucken und Verschicken von saisonalen Kampagnenmotiven überflüssig machen. Während sich die Screens auf der Vorderseite befinden und – aus dem Headquarter in Stephanskirchen ansteuerbar – großflächig Kampagnen, Kapseln und Ähnliches zeigen, dienen die Rückseiten als smarte Warenträger. Die digitale Infrastruktur inklusive der LED-Screens wurde von 4Dmagic, einem Fulfillment-Dienstleister für digitale Ladenkonzepte, entwickelt und implementiert.

4. Joop! in Düsseldorf

Neuer Laden, neuer Look. Joop! will mit Stores und Shop-in-Shops expandieren. Am Düsseldorfer Kö-Bogen hat die Marke nun ein erstes Ausrufezeichen gesetzt. Auf zwei Etagen und insgesamt rund 400m² hat die Brand das neue House of Joop! eröffnet. Das komplette Portfolio sei in dem Store erhältlich, teilt die Marke der Holy Fashion Group aus Kreuzlingen mit. Im Erdgeschoss finden Kunden die Womenswear- und Accessoires-Kollektionen, im ersten Stock wird die Menswear sowie die Casual-Linie Joop! Jeans präsentiert.

Nach Unternehmensangaben dient der Store in Düsseldorf mit neuem VM-Konzept als Vorbild für künftige Läden und Shop-in-Shops, die sowohl national als auch international folgen sollen. Nähere Angaben zur weiteren Expansion macht das Unternehmen auf Anfrage nicht. Das Ambiente des Laden ist clean und reduziert. Weiß lackierte Holzwerkstoffe und Materialien wie Leder und Metall prägen den Look. Flexible Ladenbauelemente ermöglichten eine variable, saison- und themenbezogene Warenpräsentation, heißt es. Der Fokus liege auf jedem einzelnen Produkt, auch das Lichtdesign wäre darauf ausgerichtet.

5. Thiel's in Wiesbaden

Sich von anderen Händlern abzusetzen, das ist das Ziel von Daniel Thiel. Und das ist ihm definitiv auch gelungen bei seinem neuen Store Thiel's, den er Anfang April ganz in der Nähe seines ersten Ladens eröffnet hat. Vintage Möbel und edle italienische Fliesen bieten den Rahmen für ein Sortiment mit Marken wie Polo Ralph Lauren Women's, die damit erstmalig wieder in Wiesbaden verkauft werden. Eigentlich sollte die Eröffnung schon früher stattfinden, doch die aktuelle Lage sorgte für Verzögerungen. Karfreitag war es dann soweit: Unweit seines ersten Stores konnte Daniel Thiel endlich die Fenster seiner zweiten Location öffnen. Die liegt ebenfalls mitten in der City, zwischen Wilhelmstraße und Marktplatz. Dort hat Thiel eine ehemalige Bar bezogen und die 120m² große Fläche auf Mode eingestimmt.

Unterstützung holte er sich mit Architektin Rabea Haag-Melachrinos an Bord, mit der das Store-Design in Zusammenarbeit entstanden ist. Das basiert im Wesentlichen auf dem Spiel mit Kontrasten: Individuelle Vintage-Möbel aus Vollholz, die Thiel selbst zusammengetragen hat und dann von einem Fachmann hat restaurieren lassen, treffen auf Wände, die mit hochwertigen Fliesen der Firma Fioranese in Uni und mit Muster gestaltet sind. Ein weiß gekalkter Eichenholzboden im Fischgrätmuster erdet das Design und sorgt für eine warme Note im Kontrast zu den gefliesten Wänden.  Beim Ladenbau setzt Thiel auf das modulare System von Alu Italy Jakobs-DMV, dessen pulverbeschichtete, dunkle Warenträger sich flexibel anordnen und je nach Warenvolumen in ihrer Größe individuell anpassen lassen. Das sorgt für Luftig- und Leichtigkeit auf der Fläche. Genauso wie die vielen Spots, die an Hängeleisten befestigt sind. Besonderes Highlight: die Wendeltreppe aus dunklem Stahl, die die beiden Verkaufsebenen miteinander verbindet.
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