Best of Store des Tages: Die Top Eröffnungen

Collage: TW

Im stationären Modehandel geht was. Nach zwei schwierigen Corona-Jahren, geprägt von Geschäftsschließungen und Existenzängsten, trauen sich 2022 wieder viele Unternehmer, in ihre Läden zu investieren: Neues zu wagen, Altes neu zu denken.

Und die Kunden dafür sind da. Klar, das Online-Business wächst weiter, aber nicht mehr so dynamisch. Die Menschen haben wieder Lust auf Bummeln, auf persönlichen Kontakt und Stöbern in spannenden Sortimenten. Das zeigen auch die wöchentlichen Auswertungen der Umsätze im TW-Testclub.

In der Reihe "Store des Tages" hat die Redaktion der TextilWirtschaft vom 10. März bis zum 31. Mai online täglich einen neuen Store vorgestellt, fast 60 waren es insgesamt. Geprägt waren sie oft von Neuanfang, Zuspitzen der Sortimente und auch von Nachhaltigkeit. Händler, die von der Hochwasser-Katastrophe im vergangenen Sommer betroffen waren und jetzt endlich wieder eröffnen konnten, waren dabei, so wie das Ehepaar Eller vom Modehaus E1 und Günter Blauen vom Modehaus Prinz in Euskirchen. Platzhirschhäuser wie Engelhorn mit der neuen Schuhabteilung, Garhammer mit seinem Young Fashion-Bereich und Stackmann mit Wäsche haben ihren Auftritt geschärft und an den Zeitgeist angepasst.

Aber am meisten interessiert hat die TW online-Leser in diesem Frühjahr, wie der neue Magasin du Nord von P&C aussieht. Die Düsseldorfer haben die dänische Department-Store-Kette 2021 übernommen und jetzt erstmals einen deutschen Store unter diesem Namen in Kassel eröffnet. Auf den Plätzen folgen: der Concept-Store Emma·s in Nordhorn, der Bademode-Anbieter mit nachhaltigem Fokus Mymarini in Hamburg, der Hallhuber Pop-up-Store in Wiesbaden und Garhammer Kaos in Waldkirchen. Eine bunte Mischung, die die Vielfalt der Modehandelslandschaft unter Beweis stellt. Die Top 5 im Überblick:
Vor rund einem Jahr hat P&C Düsseldorf die dänische Department Store-Kette Magasin du Nord übernommen. Jetzt erlauben es die Rechte an der Store Brand dem Düsseldorfer Konzern, an einem ehemaligen P&C Hamburg-Standort mit Womens- und Menswear zu starten. Der neue Store erstreckt sich auf 4000m² über drei Etagen und folgt in der Struktur dem aktuellen Konzept der P&C-Filialen. Auch bei Magasin du Nord bilden Labels wie Boss, Calvin Klein, Tommy Hilfiger, Hugo und Marc Cain die Säulen im Sortiment, ebenso wie Markenshops von Joop! und Polo Ralph Lauren für die Herren sowie Hugo und Tommy Hilfiger Jeans für Damen und Herren. Eine Boutique mit Urban Streetwear Styles rundet das Konzept ab. Lounge Areas laden zum Verweilen ein. Die Aufteilung der Etagen folgt in der Schichtung dem aktuellen Konzept der P&C-Stores: Mit Menswear im Erdgeschoss, Womenswear im 1. Obergeschoss. Konfektion und Anlassmode finden sich auf der zweiten Etage.

Nach 20 Jahren am alten Standort ist Susanne Emma Ebling mit ihrem Store in der niedersächsischen Kreisstadt Nordhorn umgezogen und hat sich den Traum vom Concept-Store erfüllt. Mit viel Enthusiasmus und Eigenleistung ist in den Räumlichkeiten der ehemaligen Kreissparkasse ein Magnet für Fashion-Freunde aus der ganzen Umgebung entstanden. Ganz ohne klassischen Ladenbauer oder Architekten, aber mit einer klaren Vorstellung davon, was wo stehen wird, und vielen Kontakten zu örtlichen Handwerkern, hat Ebling innerhalb von zweieinhalb Monaten alles so umgebaut, wie sie es haben wollte: „Ein Wohnzimmer zum Wohlfühlen, wo man alles bekommt, was das Leben schöner macht.“

Außer dem Verkaufsraum gibt es jetzt ein Lager und eine Private Shopping Suite mit Umkleide, die gebucht werden kann. Dank der Flächenvergrößerung kann Ebling zur Womenswear jetzt auch Menswear anbieten. Es gibt eine gemütliche Kinderecke mit Fatboys und einem stets aufgeladenen iPad zum Herumlümmeln und Spielen sowie eine Hundebar für die vierbeinigen Shopping-Begleiter. Das Ambiente: hell, freundlich. Am Boden wurden graue Fliesen in Beton-Optik verlegt, ansonsten herrschen Schwarz und Weiß vor. Für Glamour sorgen die goldenen Tom Dixon-Lampen, die Ebling aus ihrem alten Store mitgenommen hat.

Fast alles, was man im Laden sieht, kann man auch kaufen. So gibt es neben allerlei Dekoartikeln auch Bücher, speziell bedruckte Servietten, Postkarten, Körperpflegeprodukte von Molton Brown, Kerzen von Onno und Baobab, Waschmittel von The Laundress, Düfte von Bon Parfumeur, aber auch kulinarische Genüsse vom Olivenöl bis zum Gewürz von Nicolas Vahé. Säule des Geschäfts ist und bleibt aber die Womenswear. „Wir wollen inspirieren, aber auch ehrlich beraten“, sagt Susanne Emma Ebling, die dabei von vier Teilzeitkräften, einer Vollzeitkraft und zwei Aushilfen unterstützt wird. Zum Sortiment gehören Premium-Marken wie Allude, Hemisphere, Herno, van Laack, Windsor, Santoni, Kudibal, Closed, Tagliatore, Dondup und Woolrich. Zum Preiseinstieg gibt es Marc O'Polo.

Das Hamburger Swimwear-Label Mymarini ist in seiner Heimatstadt umgezogen und hat sich deutlich vergrößert. Auf nun 190m² in Eppendorf können Kunden und Kundinnen die gesamte Kollektion shoppen. Palmen, Bastlampen und Holzmöbel, dazu weiße Wände und weißer Dielenboden: Mit diesem Look will Mymarini das Strandfeeling nach Hamburg in die Eppendorfer Landstraße 60 bringen. "Wir wollten mit unserem neuen Flagship-Store einen Raum schaffen, der ein Gefühl von sommerlicher Leichtigkeit vermittelt und unsere Kund*innen mental in Urlaubsstimmung versetzt. Mit mehr Platz, viel Licht und dem Blick für das Besondere ist uns das gelungen", sagt Mareen Albright, Gründerin und Designerin von Mymarini.

Das Highlight des neuen Standortes sei die großzügige Fensterfront, die viel Tageslicht bietet. Hochwertiges Holzmobiliar mit geradlinigen, minimalistischen Tischen, dazu Bastteppiche und Sonnenschirme – puristisches Design trifft auf Beach Style (Interior Design: Gisela Friedrich-Mayer, Hamburg). Neben der Swimwear und den Ready-to-wear-Kollektionen von Mymarini gibt es im Store außerdem noch Produkte von Gobi Amsterdam, Marin et Marine, P.F. Candle Co., The Basket Room und weiteren.

Nicht für kurze Zeit, aber dennoch zeitlich beschränkt, testet der Womenswear-Filialist Hallhuber in Top-Lage, in der Kirchgasse 60, ein neues Design. "Dieser Standort ist ein kleines Testfeld – weniger Ware, mehr Premium-Charakter und polarisierender in der Wahrnehmung", sagt Hallhuber CEO Rouven Angermann, der mit dem rund 165m² großen Laden offenbar zufrieden ist. Er habe reduzierte Öffnungszeiten und performe dennoch nach Plan. Eine der Erkenntnisse aus dem Versuch: "Wenn wir Pop-ups umsetzen, würden wir dies in ähnlicher Anmutung wie in Wiesbaden tun", erklärt Angermann. Realisiert wurde das Konzept - nach Ideen von Hallhuber - von der Stuttgarter Agentur Designplus.

Im gestalterischen Fokus steht eines der Top-Themen dieses Frühlings: Farbe, monochrom eingesetzt. Der gesamte Store ist in ein zartes Lindgrün getaucht, das sich auch in der Kollektion für Frühjahr 2022 wiederfindet. Unterschiedliche, aber immer stimmige Nuancen entstehen durch den Auftrag auf die verschiedensten Untergründe. Das Grün bringe den kompletten Verkaufsraum zum Leuchten, heißt es von Designplus. Ein Eyecatcher, auch für die Passanten, die durch die offene Fassade mit ihren sieben Fenstern einen Rundumblick in den Laden und auf das Angebot erhalten.

Ausgewählte Highlights werden auf Podesten in unterschiedlichen Größen mit passenden Acrylhauben fast schon museal in Szene gesetzt. Die Kuben wurden upgecycelt und stammen aus dem Büro von Designplus. Sie werden außerdem als Tischbeine und Kassentresen eingesetzt. Rollstangen stammen aus dem Lager und können frei positioniert werden.

Wer vom Parkhaus über die Straße hinüber zu Garhammer kommt, der steht gleich mitten drin: Kaos hat Garhammer seine Young Fashion-Fläche getauft. Neben einer kleinen Schuhfläche ist es die junge Mode, die die Kunden begrüßt. Zum Jubiläum, das Garhammer Corona-bedingt ein Jahr später begeht, haben die Stuttgarter Retail-Architekten Blocher Partners, die seit 30 Jahren mit der Inhaberfamilie Huber zusammenarbeiten, der rund 900m² großen Fläche jetzt ein Update gegeben.

Die kleine Schuhabteilung ist nun mit einer fünf Meter hohen Lamellenwand aus hellem Holz optisch noch deutlicher von der Fashionfläche abgegrenzt. Wände und Sitzpolster in Yves Klein-Blau bilden nicht nur einen farblichen Kontrast, sondern wirken wie ein Portal zur Shoppingwelt dahinter.

Hier nimmt sich die Architektur zurück. Industrial Chic prägt das Bild: Die Wände, Boden und Decke in Betongrau bilden den Hintergrund für die naturbelassenen Kiefernholz- und MDF-Möbel auf der Fläche. Für die Highlight-Wände wurden C-Profilsysteme als Paneelen zweckentfremdet, Gitterregale komplettieren den Industrial Look.

Highlight sind die Umkleidekabinen, die in drei verschiedene Bereiche aufgeteilt sind. Dabei ist jedes Séparée thematisch einer Metropole mit eigener Farbgebung zugeordnet: Paris ist blau, New York orange und Berlin ist gelb. Fototapeten runden die Inszenierung ab, wie etwa der ikonische Bruderkuss von der Berliner Mauer. Sitzgelegenheiten geben dem Umkleidebereich Lounge-Charakter.

Auch wenn Terminshopping bei Garhammer eine zentrale Rolle spielt, hat das Modehaus bislang keine separaten Private-Shopping-Lounges eingerichtet. Mit dem Umbau der Young Fashion-Fläche hat man nun im Bereich Paris ein entsprechendes Séparée und trägt damit gleichzeitig auch dem Bedürfnis der jüngeren Kundinnen Rechnung, in Freundinnen-Gruppen zu shoppen. Platz für alle ist jetzt da und die Fototapete mit Shopping-Queen Schriftzug in Neonröhren eignet sich perfekt für das Instagram-Beweisfoto.
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