Department Store de luxe: Das ist das neue La Samaritaine

16 Jahre mussten sich die Pariser gedulden. Jetzt hat das Warten ein Ende. Nach einer 750 Mio. Euro teuren Restauration hat die französische Hauptstadt eines ihrer schönsten Kaufhäuser zurück: La Samaritaine am Fuße von Pont Neuf öffnet wieder seine Türen.

Die Womenswear in der ersten Etage vereint drei Welten Pariser Chics: die großen Maisons, Designer und Contemporary-Brands.
Mathieu Salvaing

16 Jahren hatte La Samaritaine im Dornröschenschlaf gelegen, jetzt ist Paris wohl schönstes Kaufhaus wieder erwacht. Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron ließ sich die Chance nicht nehmen und nahm persönlich an der Einweihung teil. Auf Twitter schrieb Macron: „Paris hat eines seiner Meisterwerke wieder. Unser Kulturerbe ist lebendiger denn je."

Bereits 2010 hatte der Luxuskonzern LVMH über seine Duty Free Sparte DFS den historischen Department Store im Herzen Paris übernommen. Da hatte das in die Jahre gekommene und offenkundig teilweise marode "Samar", wie es die Pariser nennen, bereits seit fünf Jahren geschlossen. Aus Sicherheitsgründen.

Der neue Eigentümer LVMH investierte rund 750 Mio. Euro in die Restauration des historischen Art Deco-Gebäudes und ergänzte das Gebäude um einen Neubau der japanischen Architekten Sanaa. 

Auf 20.000 m² präsentiert sich La Samaritaine nun in neuem Licht. Und das ist durchaus wörtlich zu verstehen. Das historische Glasdach im Art Nouveau-Gebäude und historischen Fenster mit den ikonischen Eiffel-Strukturen wurden um zwei neue Skylights von Sanaa ergänzt. Der Stilmix von Historie und Moderne zieht sich durch das gesamte Haus. Im historischen Gebäude am Pont-Neuf-Ufer trifft ein Terrazzo-Boden auf graues Eisen im Art Deco- und Art Nouveau-Details. Der Neubau an der Rivoli-Seite steht dagegen für klaren modernen und urbanen Industrie-Stil.
Moderne trifft Historie: Die historische Art Deco-Fassade und der Neubau von Sanaa.
Moderne trifft Historie: Die historische Art Deco-Fassade und der Neubau von Sanaa.
Mathieu Salvaing
600 Marken beherbergt Paris neuer Konsum-Palast. Highlight im Untergeschoss: die nach eigener Aussage mit 3400 m² größte Beauty-Abteilung Europas. Sie verbindet beide Gebäudeteile unterirdisch miteinander. Helles Fischgrat-Parkett, Bodenmosaike und vergoldete filigrane Eisenstrukturen im Eiffel-Stil erinnern an historische Gewächshäuser und die Heritage des Samaritaine. 200 Beauty-Brands finden sich hier. Von Christian Dior, Chanel, Guerlain auf der einen Seite und modernen unisex Brands wie Aesop, The Ordinary, Le Labo - präsentiert im Neubau in urbanem Ambiente mit rohem Holz, gewachstem Beton und Eisenmöbeln. Exklusiv bei La Samaritaine sind Dolce&Gabbana Beauty, Helena Rubinstein, Clé de Peau Beauté, die japanische Skincare-Brand Sk-II, Parfum von Fragonard, die biologische Hautpflege von Orveda sowie die koreanische Hautpflege-Marke Sulwashoo. Für Beauty-Behandlungen stehen 5 Beauty-Space zur Verfügung. In der hauseigenen Parfümerie können Düfte von 3000 Euro bis 300.000 Euro erworben werden.
La Samaritaine hatte schon vor der Eröffnung den Anspruch formuliert, kuratierter aufzutreten, weniger auf Concession zu setzen, stärker selbst zu gestalten. Im Erdgeschoss lässt sich erkennen, wie dieser Spagat versucht wird.
Die Womenswear in der ersten Etage vereint drei Welten Pariser Chics: die großen Maisons, Designer und Contemporary-Brands.
Die Womenswear in der ersten Etage vereint drei Welten Pariser Chics: die großen Maisons, Designer und Contemporary-Brands.
Mathieu Salvaing
Designer-Accessoires und Lederwaren werden im Erdgeschoss zwar  in den einschlägigen Shops der großen Luxusmarken Dior, Louis Vuitton und Celine angeboten, aber auch auf Multibrand-Flächen mit Schwerpunkt auf französisches Design mit Labeln wie Jerôme Dreyfuss, Isabel Marant, A.P.C. und Aufsteigern wie  Wandler, Dragon Diffusion, Danse Lente oder Vanina.
In der ersten Etage findet sich die Womenswear mit den großen Maisons Dior, Fendi, Gucci, Prada wie auch Loewe, Dries van Noten, Alexander McQueen, Marni, Chloé, Sacai, Alaïa. Mit Contemporary Brands wie Sandro und Maje, Self Portrait, In The Mood For Love.
Mathieu Salvaing
Auch die Menswear setzt auf Luxusbrands wie Louis Vouitton, Dior, Gucci und Co. ebenso wie auf Luxury Streetwear von Off-White, Balmain und Stone Island. Acne, Maison Margiela und Thom Browne runden das Sortiment ab ebenso wie Sneaker von Alexander McQueen und Schuhe von Balmain, Acne und Balenciaga. 
Auf der Rivoli-Seite, im Neubau, bricht La Samaritaine mit den traditionellen Department Store-Strukturen und inszeniert sich als Concept Store mit klarem Fokus auf Millennials. Im Erdgeschoss empfangen Brands wie JW Anderson, Sunnei, Ambush sowie Marni, Casablanca, Ahluwalia, Juun.J und junge französische Aufsteiger wie EGONlab. Und in der Womenswear Loungewear von Danoises de Rotate, Kapsel-Kollektionen von Ganni and Nanushka, koreanische Brands wie Pushbutton und System und die ultraminimalistischen Styles von The Frankie Shop. Gefolgt im ersten Stock von Streetwear Brands wie Billionaire und Carne Bollente, ein Sneaker Space der nachhaltigen Sneaker SHINZO Green sowie Pariser Labels wie APC, Maison Kitsuné, Etudes und Atelier de Nîmes. Gegenüber Outerwear von Canada Goose, The North Face und Patagonia.

12 Bars, Restaurants runden das Shopping-Erlebnis ab. Herzstück der Gastronomie ist das rund 1000 m² große Restaurant Voyage unter dem Art Nouveau-Glasdach. Geöffnet von 12 Uhr bis 2 Uhr morgens.

Für all jene, die ihren Besuch in La Samaritaine in den Sozialen Medien dokumentieren wollen haben professionelle Fotografen die besten Perspektiven für Selfies im Store ausgelotet und markiert.
Historie
1870 
eröffnet La Samaritaine in der Rue de Pont Neuf in Paris und erzielt bereits fünf Jahre später erstmals über ein Million Francs Umsatz.

1930 
Das "Samar", wie es die Pariser nennen, erhält ein Art Nouveau-Gebäude von  Frantz Jourdain und eine  Art Deco-Struktur von Henri Sauvage.

2001 
LVMH übernimmt zunächst 55% der Anteile am La Samaritaine, um 2010 alleiniger Eigentümer des Department Stores zu werden.

2005 
Das Gebäude muss aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. 

2015
Die Restauration des Samaritaine beginnt. 

2021
Wiedereröffnung des restaurierten La Samaritaine. 
stats