Store des Tages Frühjahr 2022

For Denim-Lovers: BytemyStork in Bad Vilbel

Bytemy Stork
Bytemy Stork in Bad Vilbel: Der Billard-Tisch auf der mittleren Ebene ist einer der Blickfänge und dient auch als Präsentationsfläche für die nachhaltigen Jeans.
Bytemy Stork in Bad Vilbel: Der Billard-Tisch auf der mittleren Ebene ist einer der Blickfänge und dient auch als Präsentationsfläche für die nachhaltigen Jeans.

Ein Store für nachhaltige Jeans in einer Mittelstadt – kann das funktionieren? Das Ehepaar Rahn setzt mit seinem neuen Laden BytemyStork in Bad Vilbel seit Kurzem genau auf dieses Konzept.

Jeans so weit das Auge reicht – bei BytemyStork dreht sich alles um den blauen Stoff. Verkauft werden tatsächlich nur Hosen von ausschließlich nachhaltigen Marken. Ein überraschender und zugleich ungewöhnlicher Anblick, denn eine einzige Produktkategorie auf einer Fläche ist eher selten.


Doch Barbara und Marco Rahn haben ihren Multilabel-Store mit genau diesem Konzept eröffnet: Bei BytemyStork gibt es nur Jeans mit verschiedenen Schnitten und Waschungen aus nachhaltiger Produktion, am besten made in Germany.

Entsprechend gestaltet sich das Sortiment, das sich mit Blaumann Jeans, Feuervogl, Kuyichi, Good Society, Bloomers, D-Side, K.O.I, Torland und einer limitierten Edition handgemachter Jeans by Johann Ruttloff an Frauen und Männer gleichermaßen richtet. Die VKs starten bei 79,90 und gehen bis zu 365 Euro für die handgemachten Ruttloff Teile. Die Kernpreislage liegt zwischen 99 und 120 Euro.

Store des Tages Frühjahr 2022: BytemyStork in Bad Vilbel

Die Rahns wollen es besser machen. Selbst unzufrieden und frustriert, weil sie keine passenden Jeans im Handel fanden, wollten sie etwas Eigenes starten. Zu Beginn sollte es gar kein Store werden, sondern eine eigene Denim-Linie.

"Wir haben auch schon einen Prototypen, aber da sind wir noch im Lernprozess", erzählt Rahn, dessen Leben als freiberuflicher IT-Berater früher von Bits und Bytes bestimmt wurde. Byte ist daher auch Teil des Firmennamens. Stork, deutsch Storch, bezieht sich auf die große Population an Störchen, die in Bad Vilbel und Umgebung leben. Soviel zur Namensgebung.

Seine Frau Barbara Rahn hat durch die langjährige Leitung einer Heimtextilfiliale in der Frankfurter Innenstadt über 30 Jahre lang Einzelhandelserfahrung gesammelt. Schließlich entschlossen sie sich, in den Modehandel einzusteigen, zunächst mit einem Online-Shop. Relativ kurzfristig ergriffen sie die Möglichkeit, einen eigenen Laden zu eröffnen.

Vorher Bar jetzt Jeans

Eine ehemalige Bar in Bad Vilbel, die in den vergangenen zwei Jahren praktisch geschlossen war, bot sich kurzerhand als Location an. Barbara Rahn entdeckte die Immobilie zufällig bei einem Besuch in Bad Vilbel. Es war eine Gelegenheit, die die Rahns beim Schopf packten, denn geeignete Ladenlokale sind rar, nicht nur in den Großstädten.

"Es ist zwar keine 1a-Lage, aber durch die Nähe zu Ärztehäusern, Supermärkten, Bars und Restaurants gibt es sehr viel Laufkundschaft, von der wir profitieren", so Rahn. Vieles in der Immobilie hat das Ehepaar für seinen Store übernommen, so wie die offene Wand, die den Blick aufs Mauerwerk freigibt. Sie befindet sich im Eingangsbereich im unteren Bereich des Ladens.

140m² auf drei Ebenen

Der 140m² große helle Laden erstreckt sich über drei Ebenen. Im Eingangsbereich finden sich die Modelle für Damen. Die Herrenmode wird auf der mittleren Ebene verkauft. Dort befinden sich auch zwei Umkleidekabinen. Die obere Ebene, die über eine Treppe erreichbar ist, ist noch im Entstehen. Dort sollen zwei weitere Kabinen und eine Lounge-Ecke oder Sitzgelegenheit Platz finden.

Ebenfalls auf der dritten Ebene wird ein Fotostudio für den eigenen Online-Shop aufgebaut, der aktuell noch in Arbeit ist. Marco Rahn wollte zunächst mit der Fläche beginnen: "Ich kenne das aus der IT: Man startet erst einmal mit dem, was da ist und schaut dann im Prozess, was noch verbessert werden kann."

Stahlrohre sorgen für kernige Design

Der Ladenbau entstand in Eigenregie. Stahlrohre und Holzplatten bilden die Basis für das kernige Design. Sie dienen als Warenträger. Für den Boden wurde ein Linoleum in dunkler Holzoptik verwendet, das besonders robust und unempfindlich ist.

Bei der Beleuchtung setzen die Rahns auf großformatige Strahler mit LED-Leuchtmitteln, die auch in Studios zum Einsatz kommen. Jeder ist einzeln anspielbar. Einrichtungs-Highlights sind die rustikale Holztheke und der Billardtisch auf der mittleren Ebene.

Start mit rund 1000 Hosen

Das Ziel: "Im ersten Jahr wollen wir stabil die monatliche Miete einnehmen, im zweiten Jahr das ehemalige Gehalt meiner Frau erwirtschaften." Ausreichend Rücklagen hätten sie. Aktuell liegen knapp 1000 Hosen auf Lager. Um künftig die notwendigen Umsätze pro m² erzielen zu können, wird noch mehr Ware auf die Fläche kommen.

In die Vororder gehen die zwei, die den Ein- und Verkauf gemeinsam verantworten, nur sehr verhalten. Den größten Teil der Produkte ziehen sie über NOS nach. Auch wenn "die Lieferanten zum Teil schon Druck machen, dass wir ordern sollen, sind wir noch sehr verhalten, weil wir nicht wissen, wie die Ware abfließt. Daher setzen wir eher auf NOS-Programme und schieben die Vororder noch etwas hinaus, auch wenn es dann nicht mehr alle Größen gibt", erklärt Barbara Rahn die Einkaufsstrategie. Eine Sortimentserweiterung sei ebenfalls möglich, Shorts, Kleider und Röcke denkbar. Einzige Bedingung: Die Teile müssen aus nachhaltigem Denim hergestellt sein.

Hohe Nachfrage nach Überlängen

Der Laden kommt bei Männern und Frauen gleichermaßen gut an. Der durchschnittliche Bon liege aktuell bei rund 110 Euro. Die Kerngrößen bei Weite 30/31. Allerdings werden die Rahns auch die Randgrößen und Überlängen ausbauen, die sie ebenfalls recht zügig nachziehen können. "Da gibt es eine Nachfrage", berichtet Barbara Rahn.

Von Heimtextilien und Bits und Bytes zu Denim: Barbara und Marco Rahn, die Macher von Bytemy Stork.
Bytemy Stork
Von Heimtextilien und Bits und Bytes zu Denim: Barbara und Marco Rahn, die Macher von Bytemy Stork.
Zielgruppe seien vor allem die Kunden über 40 Jahren. Eine jüngere Käuferschaft soll aber auch gewonnen werden. Dafür setzen die Einzelhändler auf Social Media. Eine Minijobberin kümmert sich um den Content und bespielt die Kanäle.

Darüber hinaus setzen sie auf klassische Anzeigenschaltung in lokalen Anzeigenblättern: "Sobald eine Anzeige am Donnerstag erschienen ist, merken wir, dass sich zum Wochenende hin, also Freitag und Samstag, die Frequenz merklich steigt", sagt Rahn. Anzeigen in Zusammenarbeit mit den Brands, die sie verkaufen, sollen künftig auch geschaltet werden. "Natürlich ist es unser Ziel, dass die Leute ganz gezielt zu uns kommen."

Gekürzt und repariert wird auch

Neben neuen Jeans gibt es auch einen Reparatur- und Kürzungs-Service. Darüber hinaus kooperieren die Inhaber mit lokalen Künstlern, die ihre Werke im Store ausstellen können. Geplant sei auch ein Upcycling-Projekt: Nicht mehr getragene Jeans sollen ein neues Leben als Taschen oder Schürzen bekommen. Zwei Nähmaschinen hinter dem Kassenbereich stehen bereit, erste Versuche Neues aus altem Denim zu gestalten, wurden schon unternommen.

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