Store des Tages Frühjahr 2020

About:Blue mit Restart an der Elbe

Roberto Rigamonti
About:Blue hat im Juni 2020 neu in Hamburg Ottensen eröffnet
About:Blue hat im Juni 2020 neu in Hamburg Ottensen eröffnet

Fünf Jahre war Jörg Miedke mit seinem Konzept About:Blue in Hamburg Eppendorf präsent. Die Lockdown-Phase hat er genutzt, um nach Ottensen in neue Räumlichkeiten zu ziehen. Im Fokus des Sortiments: hochwertige Menswear aus Italien, Frankreich und Spanien.

Store des Tages Frühjahr 2020: About:Blue in Hamburg Ottensen

Zum Sortiment des Anfang Juni eröffneten Menswear-Stores gehören gehört etwa hochwertige Knitwear von Filippo de Laurentiis aus Pescara, Shirts und Polos von Altea, Chinos und Shorts von Briglia 1949, die aus der Nähe von Neapel stammen. Hinzu kommen Boots und Sneaker von Astorflex aus dem Veneto. "Für mich ist es immer wichtig, komplette Looks zeigen zu können", sagt Miedke. Und da gehöre der Schuh genauso dazu wie das softe Jacket, etwas von Circolo 1901 oder das Frottee-Oberteil von Majestic Filatures, die Loafer und Espadrilles von Abarcashoes.

"Bei der Auswahl meiner Lieferanten lege ich großen Wert auf Qualität sowie exquisite Verarbeitung. Ich schätze traditionelle Handwerkskunst gepaart mit modischer Raffinesse. Eine Kombination, die häufig nur kleine Manufakturen bieten können", ist Miedke überzeugt.

Wir haben den Macher in Hamburg erreicht und mit ihm über das Wagnis eines Neustarts in Zeiten von Corona gesprochen. Weitere Themen waren die Order für Herbst und die Relevanz des stationären Einzelhandels.

TextilWirtschaft: Herr Miedke, Sie sind mitten im Lockdown umgezogen. Nach fünf Jahren in Eppendorf haben Sie ihren Store nun im Stadtteil Ottensen neu eröffnet. Wie kam es dazu und wie war der Restart?
Jörg Miedke: In den vergangenen Jahren hat sich die Situation an der vorherigen Adresse geändert: Alt eingesessene Geschäfte haben zum Teil geschlossen, was zu einer niedrigen Frequenz geführt hat. Mit Auslaufen des Mietvertrages musste dann auch ich mir die Frage stellen, wie ich in Zukunft weitermache.

Wie sind Sie auf Ottensen gekommen?
Zwischen der Schließung des alten Stores und der jetzigen Neueröffnung habe ich zwei Pop-ups in Hamburg gehabt. Zum einen für Überhänge, zum anderen zum Testen meines Konzepts an anderen Standorten. Einer davon war im Schanzenviertel, der andere in Ottensen, sehr nahe an der Location, an der ich jetzt letztendlich gelandet bin. Und eigentlich habe ich dort gleich gemerkt, dass es passt.

Wie ist die Resonanz nach einem Monat Wiedereröffnung?
Die Leute hier sind sehr offen und interessiert. Aktuell kommen tatsächlich Neukunden in den Laden. Für die Stammkunden von der vorherigen Location sind wir vielleicht auch schon recht weit fortgeschritten in der Saison.

Viele Händler berichten von gehemmter Kauflust durch die Maskenpflicht.
Natürlich ist es etwas anderes, wenn man sich nur mit Maske gegenübersteht. Aber ich habe das Gefühl, dass die meisten Kunden dafür Verständnis haben. Außerdem kann man als kleinerer Händler auch flexible Lösungen finden. So biete ich Kunden zum Beispiel auch an, dass sie sich alleine im Store umschauen können und ich draußen warte.

Wie ist Ihr Sortiment gerade aufgestellt? Wonach schauen die Kunden?
Ich habe die Sommer-Order ja zu einem Zeitpunkt abgegeben, an dem ich noch gar nicht genau wusste, wie der neue Laden aussehen wird. Entsprechend habe ich das Sortiment gestaltet. Während ich damals in Eppendorf mit einem starken Fokus auf Outerwear gestartet bin, habe ich jetzt in diesem Sommer überhaupt keine Jacken im Laden. Stattdessen Polos, Chinos und Shirts. Alles auf Klassikern aufbauend. Es geht den Männern nicht um schnelle Trends. Der Mix macht´s, das schätzen die Kunden.

Wie blicken Sie auf die anstehende Order?
Da die Pitti Uomo in Florenz ausfällt, werde ich in den Schauräumen in München und Düsseldorf ordern. Dort habe ich auch schon feste Termine vereinbart. Ich schätze sehr das haptische Erleben der Ware. Das Digital-Angebot der Pitti werde ich mir aber dennoch mal anschauen.

Ihr Geschäft betreiben Sie jedoch ausschließlich stationär.
Genau, und das wird auch so bleiben. Ich habe zwar eine Präsenz bei Facebook. Die sehe ich aber weniger als Verkaufskanal, sondern als Möglichkeit, Impressionen aus dem Laden zu übermitteln. Und: Auch wenn ein zweiter Lockdown kommen sollte werde ich wohl keinen Online-Shop eröffnen.
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