Store des Tages Frühjahr 2020

Nach zwölf Jahren: Sinn ist zurück in Essen

Sinn

Wenn sich eine Handelskette in der Insolvenz befindet, ist oft eine der ersten Fragen: Wie viele Häuser werden geschlossen? Bei Sinn − seit Ende April unter dem Schutzschirm − ist es gerade genau andersherum: Das Unternehmen aus Hagen eröffnete jetzt an prominenter Stelle in Essen neu: auf 3000m² Verkaufsfläche am ehemaligen Anson's-Standort, direkt am Eingang zur Fußgängerzone.

Es ist bereits die zweite Neueröffnung unter dem Schutzschirm: Erst im April war nach dem Ende des Shutdown die Filiale in Unna ans Netz gegangen. Es war das 23. Haus des Unternehmens mit 1550 Mitarbeitern: Im früheren P&C-Store arbeiten fast 40 Mitarbeiter auf 3200m² VK-Fläche.

Store des Tages Frühjahr 2020: Sinn in Unna



Wie bei den anderen Eröffnungen der vergangenen Monate wurde beim inhouse geplanten Umbau darauf geachtet, dass möglichst viel Tageslicht ins Haus fällt. Im Erdgeschoss etwa entfernten die Handwerker fast alle Rückwände. Im Zusammenspiel mit dem alten Echtparkett-Boden gibt das Licht eine besonders warme Atmosphäre im "Eick-Haus", in dem seit den fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts mit Mode gehandelt wird. "Es ist ein Schmuckkästchen geworden", strahlt Geschäftsleiterin Lydia Ostwald, die für Sinn - ehemals SinnLeffers - schon viele Häuser geleitet hat und seit 2001 im Unternehmen ist.

Diese Atmosphäre soll auch besonders viele weibliche Kunden locken. "Am Tag der Eröffnung waren die Männer noch fast in der Überzahl", sagt Ostwald, ohne sich sonderlich darüber zu wundern. Üblicherweise domineren bei Sinn die weiblichen Kunden. Aber der Vormieter, P&Cs Kette Anson's, war schließlich ein reiner HAKA-Anbieter.

Den modernen Männern bieten sich Marken wie S. Oliver, Tom Tailor, Gant, Roy Robson und Benvenuto, im Bereich Modern Women zählen Opus, Someday, Guess, Monari, Comma oder Mac zum Sortiment. In den Hosen-Abteilungen finden sich Gardeur oder Brax ebenso wie Alberto oder PME Legend. Insgesamt sind es etwa 120 Marken und Labels. Und zwar auf vier Etagen: Sinn hat die oberste wiederbelebt, die der Vormieter nicht mehr genutzt hatte.

Store des Tages Frühjahr 2020: Sinn: Comeback in Essen

Das Team aus knapp 40 Mitarbeitern ist fast komplett neu im Unternehmen, war aber größtenteils vorher schon im Modehandel tätig. Im März trafen sich alle zum ersten Mal auf der Baustelle zum Welcome Day. "Seither haben sie gesehen, wie das hier wächst und sich entwickelt. Das bringt eine ganz besondere Motivation im Team", glaubt die Chefin.

Dabei ist eine Neueröffnung in Zeiten von Corona alles andere als einfach - von der Einhaltung der Hygiene-Pflichten mal ganz abgesehen. "Wir haben von den Lieferanten sehr große Unterstützung bei der Einrichtung bekommen", sagt Ostwald. Aber wegen der Pandemie bedingten Ausnahmesituation "stehen manche Möbel noch an den Grenzen oder sind noch gar nicht produziert. Aber ich denke, es fällt gar nicht auf", so die Geschäftsleiterin. Maximal 250 Kunden darf sie derzeit ins Haus lassen, Probleme bereitete das bisher noch nicht.

Zu den Besonderheiten der neuen Filiale gehört, dass ihr nur eine Laufzeit von zwei Jahren beschieden ist. Dann nämlich will der Eigentümer das Haus "revitalisieren". Deshalb auch wurde etwa die Elektrik nicht komplett erneuert. Sinn hat bereits eine Option, auch anschließend im Gebäude wieder Ankermieter zu werden. Während der Bauzeit in ein Zwischenquartier zu ziehen - damit hat die Kette schon an anderen Standorten Erfahrung gesammelt.

Die Essener, so Lydia Ostwald, seien jedenfalls erst einmal froh, dass Sinn nach dem Rückzug im Jahr 2008 wieder in der Ruhrmetropole vertreten ist - und dann noch mittendrin: "Es gibt viele Kunden, die keine Center-Menschen sind. Die gehen viel lieber in Innenstädte, die pulsieren".

Darüber würden sie und ihr Team mit vielen Kunden sprechen. Nicht aber über das Schutzschirmverfahren: "Das war bisher überhaupt kein Thema."
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