Store des Tages Frühjahr 2020

Preloved ohne Patina

Hella Good

"Hella Good" in der Innenstadt von Münster ist ein Second Hand-Laden, dem man nicht anmerkt, dass es dort fast ausschließlich getragene Kleidung gibt. Das Vorbild der Inhaberin sind die trendigen Consignment-Concept-Stores in Kanada und ihre Mission ist es, auch Fast Fashion im Umlauf zu halten und gut erhaltenen Einzelstücken eine zweite Chance zu geben.

"Ich wollte schon immer 'einen Baum pflanzen' mit dem, was ich mache", schreibt Hella Kocks auf ihrer Website. Deshalb kam für die Gesundheitsökonomin und Yogalehrerin bei ihrem Einstieg in die Selbstständigkeit und ins Fashion-Business nur ein nachhaltiges Konzept in Frage. "Ich bin zwar kein Öko, aber ich achte darauf, wie ich durchs Leben gehe - beim Thema Gesundheit, beim Einkaufen, beim Essen", sagt die 29-Jährige. Und sie ist selbst schon immer ein großer Fan von Second Hand-Mode und hat schon immer gerne Kleider mit ihren Freundinnen getauscht.

Store des Tages Frühjahr 2020: Hella Good in Münster



In ihrem Anfang des Jahres eröffneten, 60 m² großen Concept Store in einem denkmalgeschützten Gebäude in der Salzstraße 30, zwischen Promenade und Fußgängerzone, konzentriert sie sich ganz auf Preloved-Mode, die sie von ihren Kundinnen bekommt. "Sie bringen mir meist ihre Fehlkäufe, aber auch gut erhaltene getragene Teile und die hänge ich auf Kommission in den Laden. Die Preise gestalte ich selbst, und das Geld bekommen sie, wenn die Teile verkauft sind. Viele sind überrascht, wieviel sie dann bekommen", sagt Kocks.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Second Hand-Anbietern achtet sie dabei nicht auf Markennamen. "Wichtig ist nur, dass die Teile gut erhalten sind. Außerdem bin ich selbst ein großer Fan von H&M und Zara. Die Teile sind sehr modisch und lassen sich gut weiter verkaufen", erzählt Kocks. Weil ihr Laden ziemlich trendig ist und - ganz wie ihre kanadischen Vorbilder - von außen gar nicht wie ein Second Hand-Store wirkt, kommen inzwischen auch junge Designer, die ihre Teile dort verkaufen wollen. Aber Neuware bietet Kocks nur mit Papeterie von Kruth Design und Frollein Schmid und ihrem eigenen auf 150 Teile limitierten Label "Hella Good" - bedruckten T-Shirts, Kleidern und Beuteln aus Bio-Baumolle.

Online läuft, offline zieht an

Da soll regelmäßig was Neues kommen, auch das Rand-Sortiment soll kontinuierlich ausgebaut werden. "Da will ich auch immer mal experimentieren und neue Produkte anbieten. Für Herbst wären fliederfarbene Hoodies cool", sagt sie. Das Zusatz-Sortiment und die eigene Kollektion verkauft sie auch im Online-Shop, mit dem sie notgedrungen startete während des Lockdowns, der kurz nach ihrer Eröffnung kam. Inzwischen läuft er so gut, dass sie im Schnitt zwei Pakete täglich rausschickt und auch viele Teile aus ganz Deutschland zugeschickt bekommt. "Aber das ist eigentlich nicht mein Konzept, eigentlich will ich mich auf den lokalen Handel und meine Kunden in und um Münster konzentrieren", sagt sie.

Und wie läuft das Geschäft sonst so in der Corona-Krise? "Inzwischen wieder richtig gut. Ich habe das Gefühl, dass die Krise das Bewusstsein der Kunden nicht nur für Second Hand, sondern auch für den kleinen, regionalen Einzelhandel gestärkt hat. Ich bekomme viel Support von Leuten, die mich unterstützen wollen."

stats