Store des Tages Frühjahr 2021

Sturmsegler in der Bauhausstadt

Kaseee

Die Apoldaer Designerin Katrin Sergejew hat in Dessau ihren dritten Laden für ihr Label Kaseee eröffnet und versucht − gebeutelt von der Corona-Krise − trotz allem in der Bauhausstadt das Motto ihrer aktuellen Kollektion zu leben: "Federleicht fliegen lernen". Auch wenn das gerade mitten im Corona-Sturm ein täglicher Kampf sei.

"Wir befinden uns in der bislang härtesten Phase der Corona-Pandemie. Aber wir werden kämpfen bis zum Letzten. Kleider machen Leute, das ist in diesen Zeiten wichtiger denn je", erklärt Steffi Schröter. Sie managt für Kaseee den Vertrieb und Verkauf und steht gerade im neu eröffneten Store in der Dessauer Fußgängerzone, direkt am Marktplatz, zehn Meter vom Rathaus entfernt. Bestlage, sagt sie. Und die Kunden kommen, trotz Corona. Oder gerade deswegen.

Hungrig auf Mode trotz Wärme

"Die Eröffnung war überwältigend, der Store wird sehr gut angenommen. Viele Kunden waren hungrig auf uns. Trotz Wärme machen wir sehr gute Umsätze", sagt Schröter. Entspannt ist sie deshalb trotzdem nicht. "Wir kämpfen jeden Tag, dass das Licht anbleibt. Wir erhalten keinen Corona-Bonus wie andere Branchen. Auch die Überbrückungshilfen waren eine Katastrophe", schimpft sie. Als sie gemeinsam mit der Designerin Katrin Sergejew den neuen, 89 m² großen Laden im Oktober mietete, hatten sie sich gerade vom ersten Lockdown erholt. Die Geschäfte liefen wieder gut, ein weiterer Lockdown war undenkbar. "Normalerweise wollten wir schon im Februar eröffnen", sagt Schröter. Jetzt ist es Juni geworden und der zweite Lockdown noch immer nicht wirklich vorbei.
 

Federleicht fliegen lernen und Wurzeln schlagen

Aber obwohl es gerade schwierig sei, "federleicht zu fliegen", sind Sergejew und Schröter überzeugt vom neuen Standort. Dessau sei näher dran an den vielen Stammkunden in Berlin und Leipzig als die beiden anderen Stores in Jena und Weimar. Die Bauhausstadt stehe zudem ganz unter dem Motto "Faszination Wandel" und ziehe damit Innovationen mit kreativen Gestaltungsprozessen an. "Hierher folgen wir unseren Kollektionsworten federleicht fliegen lernen und schlagen Wurzeln in der Stadt von Hugo Junkers", so Schröter. Verwandlung, Innovation und Kreativität, für die Dessau stehe, seien zudem auch im Markenkern von Kaseee verankert.

Minimalistisch und klar im Bauhaus-Stil

Nicht nur, weil derzeit kein Geld für die Modernisierung des übernommenen Ladengeschäfts da sei, wurde vieles übernommen, die Wände nur geweißt und mit viel Chrom gearbeitet. "Wir folgen der Bauhauslinie, da wir selbst im Design minimalistisch und klar sind." Das Sortiment besteht fast ausschließlich aus der 2007 gegründeten, in Thüringen gefertigten eigenen Kollektion. Die avantgardistische und trotzdem tragbare Mode mit einem Fokus auf klare und schlichte Linien, außergewöhnliche Schnitte, zeitlose Eleganz und sportliche Funktionalität wird außer in den eigenen drei Läden und im eigenen Online-Shop auch von sechs weiteren Multilabel-Anbietern und auf diversen E-Commerce-Plattformen verkauft.

Bewusstsein für Qualität und Nachhaltigkeit

Dazu kommen im neuen Dessauer Store wechselnde Produkte von Künstlerfreunden und die Kaseee-Kunst, bedruckte Leinwände und Schallschluckplatten sowie die neue Home-Kollektion mit Kissen, Vorhängen und Platzsets. "Es ist geplant, dass unsere Herren- und Kinderkollektion zwischen unseren Stores wandert", sagt Schröter. Und sie gibt sich trotz allem zuversichtlich: "Es gibt keinen Zweifel, dass wir Erfolg haben werden. Wir sind authentischer denn je, deutsches Handwerk ist stark nachgefragt, wir können reagieren auf Wetter und Trends. Der Kunde hat wieder ein Qualitätsbewusstsein. Mal ganz vom wachsenden Bewusstsein für Nachhaltigkeit abgesehen."

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