Store des Tages Herbst 2021

Zu Gast bei Freunden im Fashion Loft in Uetersen

Fashion Loft

Die Eröffnungswelle nimmt Fahrt auf. Denn auch in diesen oft herausfordernden Zeiten gibt es genug Händler, die an den stationären Handel glauben. Das hat das Frühjahr mit seinen zahlreichen Eröffnungen gezeigt. Deswegen stellt die TextilWirtschaft auch in den kommenden Wochen jeden Tag einen interessanten neuen oder umgebauten Store vor. Den Anfang macht das Fashion Loft in Uetersen.

Melvin Behrens träumt schon so lang er denken kann von einem eigenen Fashion Store. Die Ausgangslage für ihn ist eigentlich ideal, denn seine Eltern führen ein Bettenfachgeschäft in zweiter Generation in zentraler Lage in Uetersen im Kreis Pinneberg nahe Hamburg. Die Immobilie ist in Familienbesitz, die Familie als Händler in der Stadt bekannt.

Nachdem er seine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann in einem Modehaus in Celle abgeschlossen und seinen Handelsfachwirt gemacht hat, will der jetzt 26-Jährige seinen Traum Wirklichkeit werden lassen – mitten in der Corona-Zeit.

Dass ausgerechnet die Pandemie in diese Zeit fällt, lässt auch beim ihm Zweifel aufkommen. "Natürlich geht einem da viel durch den Kopf – ist das jetzt der richtige Zeitpunkt? Was, wenn nochmal ein Lockdown kommt?" Aber der Jungunternehmer lässt sich dadurch nicht beirren und zieht sein Vorhaben durch.

26 Jahre jung und voller Tatendrang - Melvin Behrens glaubt an die Zukunft des stationären Modehandels und sein Fashion Loft.
Fashion Loft
26 Jahre jung und voller Tatendrang - Melvin Behrens glaubt an die Zukunft des stationären Modehandels und sein Fashion Loft.

Den 400m² großen Laden über zwei Etagen baut er auf eigene Faust um, entwirft einen Plan für das Interior-Design. Er besorgt beispielsweise einen alten Roller und ein Vintage-Fahrrad, die er zum Warentisch umbauen lässt. Alles geschieht auf eigene Faust, zusammen mit einer Holzbaufirma aus Hamburg. Coronabedingt verzögert sich der Umbau etwas. "Das war für mich der schwierigste Teil an dem ganzen Projekt, denn es war extrem herausfordernd, Handwerker zu bekommen", sagt Behrens. So beschließen sie, nun doch erst im Spätsommer zu eröffnen und nicht, wie zunächst angedacht, im Frühling.

Da das Geschäft vorerst nur Damenmode führt, plant er eine Erfrischungsecke ein, mit Sekt und anderen Getränken, an denen sich auch die Herren die Zeit vertreiben können. Er leiert eine Kooperation mit einer Sektkellerei an, so dass dort original "Fashion Loft-Sekt" ausgeschenkt wird. "Keiner soll sich hier langweilen", sagt er.

Das Fashion Loft richte sich laut Behrens an "modebewusste Frauen jeden Alters". Angeboten werden Looks "von lässig bis elegant" in verschiedenen Preislagen. Das Sortiment setzt sich u.a. zusammen aus Monari, Opus, Herrlicher, Mavi, Cambio, Marc'O Polo, Esqualo, Eterna, Funky Staff und Ragwear.

Welche Labels er in seinem Laden verkaufen will, hat er schon lange gewusst. Dass er dann auch alle ohne Probleme bekommen hat, liegt vielleicht auch daran, dass es aktuell nach Behrens' Aussage kaum eine Neueröffnung in Norddeutschland gebe. Zudem merkt man dem jungen Mann die Lust auf Modehandel sofort an, er brennt für sein Projekt. "Einzig Opus hat sich anfangs etwas geziert. Sie kamen tatsächlich vorbei und haben sich den Laden und Pinneberg angesehen. Aber nachdem wir uns dann kennengelernt hatten, war alles klar", erzählt er.

Store des Tages Herbst 2021: Fashion Loft in Uetersen

Was das Finanzielle betrifft, hat Behrens Unterstützung durch seine Familie bekommen, sowie einen Gründerzuschuss seiner Bank. Mietkosten hat er glücklicherweise keine, da die Immobilie in Familienbesitz ist.

In Pinneberg selbst gibt es aktuell kein vergleichbares Geschäft, auch deswegen glaubt Behrens an den Erfolg des "Fashion Loft". Was ihm dabei wichtig ist: Er will auf Stammkunden setzen, Verbindlichkeit, Nähe und Persönlichkeit. "Wir wollen den Kunden langfristig haben und keine schnelle Nummer", erklärt er. "Deswegen wird jede Kundin mit einem Lächeln und einem Sekt begrüßt." In der Umkleide steht für jede Kundin ein kleines Päckchen mit Schuhanzieher, Frischetuch und Deo bereit. "Viele Kunden fahren eher nach Hamburg, um ein Einkaufserlebnis zu haben. Aber dieses Erlebnis wollen wir unseren Kunden jetzt auch hier in der Kleinstadt bieten", so Behrens.   

Werbung macht Behrens vor allem über die lokalen Medien. Es gibt Artikel über ihn in der Lokalpresse und Beiträge im Radiosender der Region. Zudem setzt er auf Mund zu Mund-Propaganda sowie auf einen Teil der Stammkunden seiner Eltern. Zwar haben die in ihrem Bettenfachgeschäft ein komplett anderes Sortiment. Aber wer schöne Bettwäsche und dekorative Heimtextilien kauft, interessiert sich im Zweifel auch für Mode.

Anfang August hat Behrens seinen Laden eröffnet, mit einer kleinen Party mit DJ. "Wir wurden buchstäblich überrannt und unsere Erwartungen bei weitem übertroffen", berichtet er. Jeden Tag sehe er neue Gesichter auf der Fläche. "Es läuft bombig, wir verkaufen so schnell, dass wir kaum nachkommen mit der Ware. Ich habe schon Ware aus dem Karton heraus verkauft," sagt er und lacht.
Dass das auch mit Corona zusammenhängt, will er nicht ausschließen. "Ich habe das Gefühl, die Leute haben Lust, endlich wieder was zu erleben. Sie sind ausgehungert und sehnen sich nach schönen Momenten". Selbst die letzten Zweifel, ob man in diesen schwierigen Zeiten einen Laden eröffnen sollte, sind bei ihm mittlerweile verschwunden. "Es war die beste Entscheidung, die ich jemals getroffen habe."




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