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Store des Tages Frühjahr 2019

Zeitgeist: Mit Kaffee, Stil und Konzept

Frischer Kaffee und Bio-Limonade. Helle Möbel und bequeme Sitzgruppen. Sportliche Schuhe, handverlesene Mode, Blumen, Kosmetikbehandlungen, Haarschnitte und Frisuren. Das ist Zeitgeist im ostwestfälischen Bünde. Die Stadt liegt im Kreis Herford und hat rund 47.000 Einwohner.

Store des Tages Frühjahr 2019: Zeitgeist in Bünde




Zeitgeist ist ein neuer Laden (500m²) in der Bünder Fußgängerzone. Ein Aufenthaltsort mit Theke, warmen und kalten Getränken und Sitzgruppen. Ein DOB-Laden mit Schuhen sowie Freizeit- und Anlassmode. Ein Möbelladen, in dem es Tische, Stühle, Sofas, Lampen, Blumen und Einrichtungsgegenstände gibt. Ein Frisörladen und Kosmetik-Studio. Wäre der Begriff nicht gänzlich abgenutzt, könnte man von einem Concept-Store sprechen. Hinter der Idee steht die Familie Kemena. Udo (58) und Ursula (53) Kemena betreiben seit längerer Zeit in Ostwestfalen vier Multilabel-Läden mit DOB unter dem Namen Fashion-Store sowie einen Men-Store. Als Franchise-Nehmer außerdem sieben Esprit-Stores. Nach Ausbildung in Nagold und mehreren Jahren Erfahrung im Modehandel ist seit rund zwei Jahren Tochter Laura (24) im elterlichen Unternehmen tätig.

„Die Möglichkeit für unser Zeitgeist-Konzept ergab sich, als eine Parfümerie aus dem Laden in der Bünder Fußgängerzone auszog, um sich zu verkleinern“, sagt Udo Kemena. Mit dem befreundeten Frisörmeister Marc Schuster waren sich die Kemenas schnell einig. Schuster, vor Ort ein bekannter Frisör in dritter Generation, gab seinen wenige Meter entfernten Laden in eigener Immobilie auf, um sich zu verkleinern und als Partner und Mieter auf rund 60m² im Zeigeist neu zu erfinden. „Wir ergänzen uns und profitieren von der Kooperation und haben gemeinsam mehr Frequenz als in getrennten Läden“, sagt Schuster.

Das Store-Design hat Familie Kemena selbst entwickelt. Leifeld Lichttechnik hat die Beleuchtung übernommen, Ladenbau Döpke erstellte die Warenträger nach Ideen der Kemenas. Beide Unternehmen haben ihren Sitz in Bünde. Lampen, Tische, Blumen und Sitzmöbel wurden in Holland beschafft. „Alles steht zum Verkauf. Gleich am Eröffnungstag ist ein großer Tisch weggegangen“, freut sich der frisch gebackene Möbelhändler Udo Kemena.

Einig war sich die Familie bei der Planung, dass es keine Shops und Flächen geben wird. Die Mode wird in Stil- und Farbwelten präsentiert. Ausnahme ist ein Yaya-Shop rechts am Eingang, der sich jedoch gut einfügt, und als Original-Shop kaum zu erkennen ist. Das Fashion-Sortiment ist in der Region eher ungewöhnlich, zumindest in dieser Kombination: American Vintage, Closed, Cinque, Dawn, Calvin Klein Women, Nümph, Selected Femme, Penn & Ink lauten die Namen der Labels. Im Zeitgeist gibt es auch Anlassmode, „weil es in der Region kein Angebot in der von uns favorisierten modischen Ausrichtung gibt“, wie Laura Kemena sagt. Sie verantwortet seit knapp einem Jahr den Einkauf der Fashion Stores und hat auch das Sortiment im Zeitgeist geprägt. Ihre Auswahl an Anlassmode hat sie mit den Labels Coast, Lipsy, French Connection und Chi Chi London zusammengestellt.

„Für Zeitgeist haben wir uns auch erstmals mit Schuhen beschäftigt. Denn wir sind der Meinung, dass sie zu dem Konzept dazugehören“, sagt sie. Unter anderem gibt es eine Schuhauswahl von Arkk Copenhagen, Bronx und Birkenstock. Die ersten Tage nach Eröffnung scheinen die Entscheidung zu bestätigen. „Einzelne Modelle müssen wir bereits nachbestellen.“

Große Mühe hat Familie Kemena darauf verwendet, nicht nur einen Laden, sondern einen Treffpunkt zu schaffen. Ein Ort, den die Kundinnen gerne aufsuchen. Wo während des Wartens auf den Frisörtermin Kaffee getrunken und geplaudert wird. Wo bei einer Limo vielleicht ein Geschenk gesucht oder gestöbert wird. Nicht nur symbolisch steht für diesen Anspruch der große Tresen. „Hier gibt es weder Ware noch eine Kasse“, sagt Udo Kemena. Die Bezahlvorgänge können mit Tablets mobil an jeder Stelle des Ladens abgewickelt werden. Der Tresen ist ausschließlich eine Bar. Investiert hat die Familie in eine chromglänzende, teure italienische Siebträger-Espressomaschine. Eine einfache Kapselmaschine wäre um ein vielfaches günstiger gewesen. „Aber darum geht es nicht, sondern um Qualität. In diesem Fall um duftenden Espresso mit schöner Crema und feinporig aufgeschäumter Milch.“

Wichtig ist den ostwestfälischen Modehändlern auch die Regionalität. Bier, Limo und Kaffee beziehen sie bei verschiedenen Start-ups im nahen Bielefeld. Bei den geplanten Events arbeiten sie mit örtlichen Partnern zusammen – einem Blumenladen, einer Tanzschule und einer Confiserie gegenüber. Und künftig nach Möglichkeit mit weiteren Partnern vor Ort.

Mit Modegeschäft sei Zeitgeist unzulänglich beschrieben. Es gehe um Lebensgefühl und Stil, sagen Vater und Tochter. Udo Kemena: „Ein Konzept für aktive Frauen, die einen modischen Anspruch haben und in der Lage und bereit sind, dafür Geld auszugeben.“ Seine Tochter ergänzt: „Unser Sortiment ist klar und etwas skandinavisch. Damit wollen und können wir nicht jede Kundin ansprechen. Zusammen mit der Einrichtung und vielen Events steht Zeitgeist für ein Konzept. Das mag nicht jeder Kundin gefallen. Aber wir heben uns ab und stehen für diesen Stil. Nur so hat stationärer Modehandel eine Chance.“



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