Store des Tages

Tretter-Schuhe eröffnet in Würzburg seine nördlichste Filiale

Schuh-Tretter
Bekenntnis zum stationären Schuh-Business. "Die Zeit dafür war reif, sich gegen den allgemeinen Markttrend Richtung Online zu wenden", sagt Gregor Tretter, gemeinsam mit Bruder Luca Teil der Geschäftsleitung von Tretter-Schuhe.
Bekenntnis zum stationären Schuh-Business. "Die Zeit dafür war reif, sich gegen den allgemeinen Markttrend Richtung Online zu wenden", sagt Gregor Tretter, gemeinsam mit Bruder Luca Teil der Geschäftsleitung von Tretter-Schuhe.

Analog-Offensive. Alle Welt tickt online. Wer bis zur Krise keinen eigenen Webshop hatte, hat ihn im Zeitraffer hochgezogen. Wer auf Instagram nicht oder nur mäßig aktiv war, hat dort seine Kunden regelmäßig mit Live-Sessions abgeholt. Viele Händler haben sich zudem an eine Plattform angedockt. Derweil investiert das süddeutsche Familienunternehmen Tretter-Schuhe, in den vergangenen Monaten selbst stark online gewachsen, gerade jetzt ins stationäre Business. Erst im Mai wurde ein neues Geschäft in Würzburg eröffnet, weitere Store-Openings stehen auf der Agenda.

Direkt am Dom, mitten in der Innenstadt von Würzburg, hat Tretter-Schuhe seine jüngste – und zugleich nördlichste – Filiale in Deutschland eröffnet. Das 900m² große Geschäft richte sich auf zwei Etagen an die ganze Familie, sagt Gregor Tretter, gemeinsam mit Bruder Luca Teil der Geschäftsleitung von Tretter-Schuhe. Dem Markt entsprechend – en gros werden drei Viertel der Schuhkäufe von Frauen getätigt – holt auch Tretter die weibliche Klientel großzügig direkt im EG auf 500m² ab. Die Basis des Sortiments bilden hier Kollektionen wie Gabor, Paul Green und Birkenstock, in der Spitze geht es bis hin Dr. Martens, Kennel & Schmenger, Copenhagen Studios und dem Label Konstantin Starke, das Tretter als GEB-Mitglied über den Essener Einkaufsverbund bezieht.

Männer und Kinder teilen sich indes das erste Obergeschoss. Bei Männern reicht das Markenspektrum von Lloyd, Sioux, Camel active, Clarks und Pantofola d'Oro bis hin zu Konstantin Starke und Boss. Bei Kindern von Ricosta und Superfit bis Geox und Vado.

Welcome in Würzburg: Tretters jüngster Store


Die Würzburger Räumlichkeiten wurden zuvor von dem mittlerweile insolventen Filialisten Dielmann bespielt, der Store war bereits geschlossen. Den Umbau hat die Firma Huber Ladenbau aus Wuppertal verantwortet, mit der Schuh-Tretter schon mehrfach zusammengearbeitet hat. Interior und Fenster wurden komplett erneuert. "Die Basis war aber natürlich da", hält Gregor Tretter fest und verweist etwa auf den "schönen Glasaufzug."

Bis dato ist Würzburg die einzige Dielmann-Filiale, die von Tretter übernommen wurde und jetzt unter eigenem Namen weitergeführt wird. Allerdings sei man auch an anderen Ex-Dielmann-Standorten noch dran, verrät Gregor Tretter, so zum Beispiel an Erlangen. Überhaupt stehen weitere Store-Eröffnungen auf der Agenda der Münchner. So wird man im September im Fürther Einkaufszentrum "Flair" Flagge zeigen. Auch Ingolstadt habe man im Visier.

Darüber hinaus sollen auch die Münchener Filialen auf den aktuellsten Stand gebracht werden bzw. soll vor Ort der ein oder andere Store, "der sich ausgelebt hat", geschlossen werden. Gregor Tretter: "Der Fokus liegt auf den Top-Häusern." Aktuell sind es insgesamt 26 Filialen, die das Familienunternehmen unter den Namen Tretter, Thomas und Bartu im süddeutschen Raum betreibt. Bis Ende des Jahres sollen es 30 sein – dann alle mehrheitlich geflaggt unter dem Namen Tretter. Die Thomas-Häuser bleiben bestehen. Obgleich der Würzburger Store der bislang nördlichste im Portfolio ist, wolle man vorerst im süddeutschen Raum bleiben.

So viele Veränderungen im Store-Portfolio von Tretter-Schuhe in so kurzer Zeit habe es bis dato noch nie gegeben, betont Tretter. "Wir haben lange nachgedacht, ob der Schritt, in diesem Moment in die stationäre Offensive zu gehen, der richtige ist, haben uns dann aber gemeinsam im Gesellschafterkreis dazu entschlossen, die Chance zu nutzen." Chance deshalb, weil aktuell viele Händler stationär eher in die Defensive gingen, erläutert Tretter. Alle seien gerade sehr abwartend. "Wir haben für uns indes die Möglichkeit gesehen, unsere Expansion gerade jetzt voranzutreiben."

Eine gesunde wirtschaftliche Basis bringt das Familienunternehmen, das von Thomas Tretter, dem Vater von Gregor und Luca, geführt wird, nach eigenen Angaben aus den letzten 70 Jahren mit. "Auch wir sind in den zurückliegenden Monaten online stark gewachsen. Auch uns haben die stationären Einbußen massiv wehgetan, aber wir haben eine solide Basis und das Finanzmanagement, die Expansion zu stemmen. Die Zeit dafür war reif, sich gegen den allgemeinen Markttrend Richtung Online zu wenden", legt Gregor Tretter dar.

60 bis 70% des Umsatzes generiert das Unternehmen nach wie vor stationär. Dass es nach dem Lockdown hier, auf der Fläche, jetzt keinen Faux-pas geben darf, ist dem ganzen Team bewusst. Tretter: "Gerade jetzt suchen die Kunden stark den menschlichen Austausch, daher müssen wir sie jetzt zu 110% über den Service abholen." Aus diesem Grund gab es während des Lockdown eine große Schulungsoffensive. Auch wurden neue Dienstleistungen eingerichtet. So können Kunden im Store einkaufen, sich die Schuhe im Anschluss aber kostenfrei nach Hause liefern lassen.

"Darüber hinaus zählt mehr denn je ein kuratiertes Angebot, mit den richtigen Schuhen, mit den richtigen Marken. Auch Trendthemen wirklich frühzeitig zu zeigen, ist eine unserer wichtigsten Aufgaben." Damit blickt Tretter auch schon Richtung Orderrunde Frühjahr/Sommer 2022: "Wenn wir nur noch Standards einteilen, können wir uns nicht abgrenzen."

Auch Kunden-Events wird es bei Tretter-Schuhe geben, sobald das möglich ist. Jetzt den Rotstift anzusetzen, um die Kunden zu locken, davon hält Tretter hingegen nichts. "Die Kunden, die fünf Monate zu Hause bleiben mussten, jetzt über Sale zu locken, das ist sicherlich die falsche Strategie. Da haben wir doch andere Stärken vorzuweisen." Engagiert hat sich Tretter-Schuhe allerdings mit einem ganz besonderen Rabattmodell für Menschen in Pflegeberufen. In Zusammenarbeit mit der VdPB, der Vereinigung der Pflegenden in Bayern, gewährt der Schuhhändler aktuell allen, die in Pflegeberufen arbeiten, pauschal 20% Rabatt.

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