Das Rätsel um den neuen Eigner des 3D-Spezialisten Mifitto ist gelöst. Wie die für die Investorensuche zuständige Beratungsfirma Mento AG der TextilWirtschaft mitteilte, hat das Kölner Start-up One FID die Assets des Duisburger Unternehmens übernommen.

Mifitto hatte zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen eine Technologie entwickelt, mit der Schuhe und Füße vermessen werden können. Am 5. Juli dieses Jahres musste Mifitto Insolvenz anmelden. Im September wurde das Insolvenzverfahren eröffnet und die Gesellschaft aufgelöst. Anfang Oktober schloss Insolvenzverwalter Dirk Hammes das Verfahren ab und verkündete zwei Woche später, dass ein „Konsortium aus Investoren aus Köln und Franken“ Mifitto übernommen habe.



Wie erst jetzt bekannt wurde, hat das erst im März gegründete Kölner Start-up One FID (Kurzform für One Fitting Identity) die Vermögenswerte von Mifitto gekauft. Hinter dem neuen Eigner stehen der in Lichtenfels ansässige 3D-Druck-Dienstleister Robert Hofmann GmbH (Hofmann – Ihr Möglichmacher) und die Kölner Online-Agentur Ambient Innovation GmbH. Hinzu kommen die Privatpersonen Joshua Meskemper und Timo Marks.

3D-Scanner von Mifitto
3D-Scanner von Mifitto


Timo Marks ist Geschäftsführer von One FID. Er will nun die Schuh- und Fußvermessungstechnologie von Mifitto optimieren und dann in die eigenen Produkte integrieren. Zielgruppen sind Privatpersonen, Online- und Stationärhändler sowie Schuhersteller. Die Verbraucher können mithilfe einer 2D-App oder bei Händlern aufgestellten 3D-Scannern ihre Füße vermessen, um künftig online und offline leichter passende Schuhe zu finden. Online-Händler können One FID in ihre Shops integrieren und so ihre Retourenquoten senken. Schuhherstellern bietet die Technik die Möglichkeit, auch weit entfernt lebenden Verbrauchern Schuhe mit individuellen Passformen zu verkaufen.   

Mifitto hat knapp 180 Scanner bei stationären Händlern in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Benelux-Ländern installiert. Die dort gemessenen Werte konnten in rund 200 Online-Shops genutzt werden. Zu den Handelspartnern gehörte auch der Multichannel-Händler SportScheck, der die Geräte in etwa der Hälfte der 20 deutschen Standorte aufgestellt hat. Einem Unternehmenssprecher zufolge werden die Scanner nach wie vor genutzt. 

One FID-Geschäftsführer Marks führt derzeit Gespräche mit allen bisherigen Mifitto-Partnern, zu denen neben SportScheck u.a. mehrere Karstadt Sports-Häuser und Sport Reischmann in Kempten sowie Dutzende weiterer Mitglieder der Verbundgruppe Intersport gehören. „Wir haben die Verträge nicht mitgekauft. Die Kunden können selbst entscheiden, ob sie mit uns zusammenarbeiten wollen“, sagt Marks, der zuletzt das selbst gegründete Start-up Die Schuhleister als Geschäftsführer geleitet hat. 

Die Schuleister stellte als White Label-Produzent Maßschuhe auf Basis von digitalen Fußdaten her. Außerdem bot das Kölner Unternehmen Vertriebspartnern und Endkunden die Möglichkeit, auf der Grundlage von Fuß-Scans Schuhe aus 40.000 Optionen zu konfigurieren. Anfang Februar dieses Jahres musste es allerdings Insolvenz anmelden und im April wurde die Gesellschaft aufgelöst. "Das Geschäftsmodell fokussierte noch zu sehr auf der Vergangenheit und nicht der Zukunft, da diese digital ist", erklärt Marks. Die Erfahrungen sollen in One FID einfließen, um "mit hoher Geschwindigkeit an der Digitalisierung der Schuhindustrie weiterzuarbeiten", sagt Marks. Dazu wurden die zehn Schuhleister-Mitarbeiter zu One FID mitgenommen.

Weitere Stationen des promovierten Maschinenbauers waren u.a. das Digitalhub Cologne, die Bertelsmann-Tochter Arvato sowie die Hochschulen Steinbeis, Fresenius, wo Marks als Dozent arbeitete.

Startseite des Online-Auftritts von One FID
One FID
Startseite des Online-Auftritts von One FID


Bei One FID will der 33-Jährige nun einen Ganzkörper-Scanner für den Stationärhandel entwickeln. Dieser soll mittelfristig auch aufs Smartphone kommen. „Das iPhone X hat schon eine Tiefenkamera integriert, sodass die Kunden sich theoretisch zu Hause selbst vermessen könnten. Das ist keine Spinnerei mehr“, sagt der Unternehmer. Vom zuletzt 15-köpfigen Mifitto-Team konnte Marks bislang nur fünf Mitarbeiter engagieren. Der Grund: Die Angestellten hatten schon vor dem Insolvenzantrag selbst gekündigt und großenteils schnell neue Arbeitgeber gefunden. Darunter auch die Gründer, die laut Marks zu „Mitbewerbern außerhalb von Europa“ gewechselt sind. 

Marks konnte aber immerhin den ehemaligen Mifitto-Angestellten verpflichten, der den Algorithmus des 3D-Spezialisten entwickelt hat. Zudem verhandelt der Geschäftsführer derzeit mit dem Fraunhofer-Institut, das über die Abteilung Fraunhofer Venture an Mifitto beteiligt war und die virtuelle Anprobe des Start-ups mitentwickelt hat. Marks: „Wir haben großes Interessere daran, mit vielen Partnern von Mifitto und anderen Unternehmen aus der Schuh- und Textilindustrie zusammenzuarbeiten." Sein Fernziel ist durchaus ambitioniert: "Wir wollen zum zentralen Dienstleister für den Bekleidungseinkauf mit digitalen Daten werden.“
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