So dunkel war es lange nicht mehr. Mitunter gar so sehr auf den Pariser Laufstegen, dass Bilder der Fotografen körnig und unscharf rüberkommen. Doch keineswegs nur die Locations von Celine, St. Laurent und Co. waren düster, sondern viele Kollektionen an sich: Die Designer entdecken erstens Schwarz aufs Neue. Es zieht sich – „als roter Faden” wäre hier unpassend – als Leitmotiv durch viele Schauen.

Damit einher geht zweitens eine deutliche Reduktion von schmückenden Details, von Mustern und viel Drum und Dran, wie jüngst schon von den anderen Schauen-Schauplätzen signalisiert. So schaffen sich die Designer Freiraum, in dem sie wieder stärker mit den Silhouetten spielen können. Vor allem: In keiner Farbe kommen Formen und Schnitte plakativer zur Geltung.

Das Bild wird also auch in Paris insgesamt ruhiger, die Vielfalt der Schnitte hingegen größer. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf den Schultern – oft sehr breit und geradlinig oder nach oben gerundet – sowie voluminösen Ärmeln. Im Gegensatz dazu wird die Taille wieder betont, gelegentlich geht es bis zur Sanduhr-Silhouette. Auch die jungen Kreativen, ob Demna Gvasalia bei Balenciaga oder Virgil Abloh mit Off-White, gestalten solche angezogeneren, ausgearbeiteten Looks. Was sich bei Dior allein aus der Historie von Bar Jacket zu Faltenrock erklären lässt und sehr jung, abwechslungsreich interpretiert wird, ist jetzt auch bei Maison Margiela, Balmain und Isabel Marant zu sehen.
Paris Fashion Week
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Doch das ist nur eine Strömung in dieser an Strömungen stets besonders reichen Modestadt. Wo die Namen von Haider Ackermann bis Y/Project reichen, wo Celine nach Yohji Yamamoto zeigt, da ist die stilistische Vielfalt entsprechend groß. Insofern gibt es neben diesen femininen, Couture-angelehnten Looks mindestens genauso viele, die mit Klassik-Einflüssen spielen. Der Anzug ist omnipräsent, das Kostüm holt auf - beide noch einmal in traditionellen Stoffdessins von britischen Glenchecks bis zu amerikanischen Plaid-Karos.

Als drittes Element tritt die entspannte, lässige und reduzierte Formensprache auf, wie man sie früher vor allem von Celine kannte und heute in sehr vielen Kollektionen vorfindet mit einem lockeren, weichfallenden Mantel über schwingendem Rock oder weiter Hose. Diese Idee wird in zig Kollektionen durchgespielt als tragbare, moderne Grundausstattung. Der Mantel ist sowieso in unzähligen Varianten noch einmal extrem breit vertreten.

Schließlich – auch dies typisch für Paris – die offensive Glamour-Fraktion, die von Saint Laurent und Balmain angeführt wird, aber Spuren in vielen Kollektion hinterlässt. Da sind extrakurze Röcke, extratiefe Ausschnitte Gang und Gäbe, genauso wie jede Menge Jet-Perlen und Strass. Denn schillern und schimmern, das soll die Mode auf jeden Fall weiterhin.

Lesen Sie die ausführliche Analyse der Paris Fashion Week am 06. März ab 18 Uhr im E-Paper der TextilWirtschaft und am 07. März in der gedruckten Ausgabe.
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