Mehr Ruhe, mehr Klasse, mehr Lady-Chic – das ist die modische Botschaft aus Mailand nach fünf vollgepackten Tagen Schauen-Marathon. Die Lücke, die Guccis Ortswechsel nach Paris in dieser Saison hinterlassen hat, ist zwar spürbar. Dennoch ist in Sachen Spektakel so einiges geboten.

Allen voran von Emporio Armani, der einen ganzen Hangar des Mailänder Flughafens zu Laufsteg und Bühne umfunktionieren lässt. Nach der fulminanten Fashion-Show spielt Popstar Robbie Williams über eine Stunde ein Überraschungs-Konzert und begeistert das Publikum mit einem kompletten Hit-Set.

Tags oder besser nachts darauf hält Philipp Plein bei seiner Rückkehr nach Mailand anlässlich seines 20. Firmenjubiläums mit dem gewohnt gewaltigen Bang dagegen. Ein riesiger verspiegelter Laufsteg, die Show eine Hommage an Pop-Ikone Michael Jackson, eine verschwenderische After-Party und Auftritte von Rapper Chris Brown und Pop-Diva Rita Ora inklusive. Für Blockbuster, Party und Lautstärke ist also ausreichend gesorgt. Zumal auch Etro und Missoni mit 50 und 65 jeweils große Geburtstage ihrer Unternehmen feiern.

Doch so laut die Party, so leise die Mode. Der exzessive Muster-, Dekadenz- und Deko-Hype ist passé. Zeit für monochrome Looks, mitunter sogar einen neuen Minimalismus, der sich mit einer neuen Eleganz paart. Mehr Lady statt Streetgirl lautet das Motto. Allen voran bei Prada, wo schmale Bermudas zu hochgeschlossenen Hemdjacken oder feminine Hängerkleidchen über weißen Hemdblusen und Pullis einen neuen Chic signalisieren. Muster bleiben dabei die Ausnahme.

Ohnehin sind monochrome Looks, ganz frei von Drucken, ein zentraler Trendwechsel. Bei Max Mara genauso wie bei No.21, Salvatore Ferragamo und Jil Sander sowieso. Hier schafft es das Kreativduo Lucie und Luke Meier ohnehin den typischen Sander-Minimalismus auf neue, moderne Weise immer konsequenter wiederzubeleben. Sie scheinen ihren Weg für das Haus gefunden zu haben. Eine starke Botschaft, auch für alle die Phoebe Philo bei Céline hinterher trauern sollten.

Zur neuen Eleganz passt auch das starke Comeback des Bleistiftrocks, der ebenso häufig zu sehen ist, wie schmale Bermudas. Gerne auch schön shiny. Lieblingsmaterial ist häufig Lack, als echtes Leder ebenso wie als künstliche PU- oder Plastik-Variante.

Sie passen auch hervorragend zu sportiven Tendenzen, die es nach wie vor gibt. Nicht zuletzt bei Etro, Emporio Armani, Iceberg und Newcomer Brognano. Sie reichen vom Surfer-Babe im Neopren-Top bis zum hauchdünnen Nylon-Parka. Und vor allem bis zur Radlerhose – der absolute Aufsteiger im Gros der Kollektionen. In puncto Innovation schlägt Chic allerdings Cheerleader.
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