Der erste Look: Klassischer Burberry-Trenchcoat, gegürtet, dazu beige Lackpumps, ein Seidentuch im neuen Burberry-Logo um den tiefen Dutt gewickelt. Überhaupt: Beige. Klassisch Burberry, femininer und cleaner als vermutet. Mitunter sogar ladylike, regelrecht damenhaft. Doch mit fortschreitender Zeit der Show zeigt Tisci etwas mehr: Mustermix aus Leo, floralen Prints, Polka-Dots, bei den Männern Pinstripe-Varianten. Erste zaghafte, gewagtere Details wie Kettenränder an den Trenchcoats, Federn, Perlen, Volants, Fanny-Packs.

Doch schließlich kulminiert die Show in dem, was viele nach wochenlangen Instagram-Teasern von Tisci klar erwartet haben: Streetwear-Einflüsse. Etwas Workwear-Attitüde. Schwarze Lack-Trenchcoats, Seefahrer-Kappen, ebenfalls in Lack. Shirts mit dem Aufdruck „Why did they kill Bambi" auf Rehfell-Muster. Überdimensionale Taschen, weite Sillhouetten. Bei den Frauen: roter Lack, ein großer Burberry-Slogan in dicken roten Lettern auf einem beigen Trench-Kleid.

Tisci verbindet mit seiner ersten Kollektion also die Vergangenheit – auch in Form der kürzlich im Flagship-Store gelaunchten Kapselkollektion aus alten, wiederbelebten Looks aus dem Burberry-Archiv – , die Gegenwart und die Zukunft der britischen Marke. Mit einem Ausblick in Richtung dessen, wohin sich Burberry unter Tisci entwickeln könnte. Doch wohin die Design-Reise letztlich geht – ob in Richtung Streetwear, zurück zu den Wurzeln oder irgendwo dazwischen – darüber lässt Tisci die Branche mit seinem Debüt im Unklaren.

Ein Blick auf die nach der Show gelaunchte Kapselkollektion könnte einen Hinweis darauf geben: Diese enthält einige wenige, aus der Debüt-Kollektion kuratierte Stücke. Und dort zeigen sich vor allem: Streetwear-Einflüsse. Auch im Londoner Flagship-Store, wo die Kollektion exklusiv stationär erhältlich ist, gehen in den ersten Minuten nach der Show vor allem Bomberjacken aus Netzstoff, Hoodies und Shirts über die Ladentheke. Allesamt Schwarz, clean. Und ganz im Zeichen von Logomania, versehen mit dem neuen, dicken, von Tisci kreierten TB-Logo.

Doch: Alles in allem bleibt die Show wesentlich weniger radikal und umkrempelnd – und dadurch auch weniger visionär, als erwartet. Es wird keine eindeutige, klare Botschaft gesendet. Damit ist die erste Kollektion unter neuer Ägide auch letztlich nicht so kraftvoll wie erhofft. Es bleibt also die Frage, ob diese Kollektion ausreicht – für die ehrgeizigen Pläne von CEO Gobbetti.
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