Die Online-Plattform Stylebop.com hat sich ganz dem Business mit Designer- und Luxus-Mode verschrieben. Erst vor kurzem luden die Macher zum exklusiven Event in Berlin mit dem Klassenprimus des Premiumjacken-Marktes Moncler. Im TW-Interview spricht Womenswear-Einkaufschefin Coco Chan über die kommende Saison, verrät an welchen Kollektionen und Designern man im Frühjahr 2018 nicht vorbeikommt und welche Trends kommerziell die stärkste Durchschlagskraft versprechen.


TextilWirtschaft: Frau Chan, welche Schauen haben Ihnen bei den jüngsten Fashion Weeks am besten gefallen?
Coco Chan: Calvin Klein gibt mit der Kollektion 205W39NYC gibt die Richtung der Saison vor. Ich liebe es, wie Raf Simons die Idee von Americana weiterdenkt, mit Silhouetten, die die 50er und 60er zitieren und Utility-Nylons. Die Kleider am Schluss waren besonders romantisch und zugleich subversiv. Die beste Neuauflage des Handwerks-Trends wiederum haben ich bei Roksanda gesehen. Kleider mit Ballon-Ärmeln, Mäntel mit ausgefransten Säumen, geschnürt mit dicken Kordeln und Dessins, die an Hand- und Betttücher erinnern. Ihr Händchen für Schnitte macht diese Referenzen fazinierend und nahbar zugleich. Bei Versace ist es Donatella gelungen, das Erbe des Hauses dadurch zu manifestieren, dass sie sich erstmals das Archiv vorgenommen und starke Teile neu aufgelegt hat. Ob mit Pastelltönen von Kopf bis Fuß oder den ikonischen Medusa-Prints und Pop Art-Bodysuits - sie beweist mit ihrer Auswahl, den Zeitlosen Ansatz des "Mehr-ist-Mehr-Glamours". Und die Wiedervereinigung der Supermodels zum Finale der Show war definitiv ein Moment, den man gerne miterlebt hat. In Paris ist es Balenciaga erneut gelungen, die Idee des Designer-Brandings zu untergraben und ein Spiel mit den Codes des eigenen Hauses sowie anderer Marken zu spielen. Ich kann mir gut vorstellen, dass das einige starke Reaktionen provozieren wird, und das ist ja auch Sinn der Übung: darüber nachzudenken, wie wir die Dinge, die wir tragen, immer wieder anders darstellen können. Welche Kollektionen und Newcomer sind vielversprechend und warum?
Y/Project beeindruckt mit einem Gespür, das seinesgleichen sucht. Die Mischung aus High und Low, einem Schuss Bad Taste, wurde zum Frühjahr wunderschön weiterentwickelt. Glenn Martens hat dem Label eine Identität verpasst, die ihr einen festen Platz auf der Streetstyle-Landkarte verpasst. Aber die Frühjahrs-Kollektion zeigt zudem auch seine außerordentlichen Fähigkeiten in der Schnittkonstruktion. Jacquemus wird auch immer stärker und stärker. Die Kollektion für Frühjahr 2018 ist die beste, die das Label je gezeigt hat. Die Kleider, die Mäntel, die Hüte! So viel Liebe - wir sind ganz aufgeregt, die Linie jetzt im November erstmals zuverkaufen.

Welche Trends vom Laufsteg sind Ihrer Meinung nach kommerziell am relevantesten?
Der Handwerks-Trend hat großes Potenzial. Er spricht eine breite Zielgruppe an. Patchworks, Gehäkeltes, Handgeflochtenes, gewebte Details und überhaupt alles, was bekannte Teile um eine weitere Dimension, um mehr Reichtum ergänzt, sorgt dafür, dass Gewöhnliches plötzlich besonders und einzigartig wirkt. Ich glaube außerdem, dass Pastelle eine wichtige Rolle spielen werden. Sie fühlen sich leicht und optimistisch an. Sie versprühen genau die Art Energie, die wir momentan brauchen. Am besten funktionieren sie auf transparenten oder durchscheinenden Qualitäten. Das transportiert Licht und Leichtigkeit. Und lässt sich nahtlos mit Neutral- wie auch Primärtönen kombinieren.
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