Warum ist Streetwear wieder so hip? Was hat Mode mit gesellschaftlichen Entwicklungen zu tun? Antworten darauf gibt Dickies-Designer Pascal Matthias im Exklusiv-Interview mit der TW.


TextilWirtschaft: Ob Ikonen wie Levi’s und Calvin Klein oder Sportswear-Marken wie Fila und Champion: Labels, die mit ihren Logos in den 90ern eine Hochphase hatten, sind wieder extrem angesagt. Auch Dickies war ein Hype-Label der 90er. Wie kann es jetzt auch davon profitieren?
Pascal Matthias: Die junge Generation ist sich wieder bewusster darüber, was Kleidung für sie bedeutet. Sie sucht nach authentischen Brands mit Geschichte, einer Story. Nach Brands, an die sie glaubt. In unserer Historie liegt auch unser Vorteil. Dickies gibt es seit 1922 und sowohl erwachsene Männer als auch Skate-Kids vertrauen uns. Das kommunizieren wir den Händlern auf Messen und den Verbrauchern stark über Social Media.

Wie gelingt es Ihnen, für Dickies die richtige Balance zwischen der DNA und aktuellen Trends zu wahren?
Wir bleiben uns in unseren traditionellen, etablierten Silhouetten treu. Der neue Dreh kommt eher über Funktionalität. Zudem experimentieren wir mit unterschiedlichen Farben.

Zum Frühjahr gibt es erstmals eine Frauenkollektion von Dickies. Wieso gerade jetzt?
Womenswear ist auf jeden Fall ein spannendes Feld, an das wir uns langsam heranwagen. Dass wir jetzt damit starten, hat mit der konkreten Nachfrage unserer Kunden zu tun. Oft ist es ja so, dass Labels, die mit Frauen starten, plötzlich zwei ganz verschiedene Kollektionen machen. Das soll uns auf keinen Fall passieren. Aber zum Glück ist Streetwear einer der wenigen Bereiche der Fashion-Branche, wo kein Unterschied zwischen Mann und Frau gemacht wird.

Dann sind sicher auch die gleichen Inspirationen in beide Linien eingeflossen. Was hat Sie beeinflusst?
Wenn ich nach Inspirationen für eine neue Kollektion suche, achte ich weniger auf Mode als auf die Kultur und die aktuelle Verfassung der Gesellschaft. Und die ist im Moment ziemlich fragmentiert.

Inwiefern spiegelt sich das in der Mode wider?
Streetwear reagiert darauf. Und die erlebt schließlich einen riesigen Hype. Was Vetements, Comme des Garçons und Off-White machen – over-oversized Silhouetten, Track Suits und all das – ist ein Ausbruch aus allem Formellen. Mit ihrer Kleidung drücken die jungen Menschen aus, dass sie nicht nur arbeiten gehen, sondern beispielsweise davor Sport treiben. In den 80ern sollte Mode von Moschino oder Versace Reichtum vermitteln. Darum geht es jetzt nicht mehr. Die Mode drückt jetzt viel mehr aus. Was wir tun, wie wir uns fühlen, wie wir leben, was wir über die Welt denken – unabhängig vom Preis.

Das Interview mit Pascal Matthias lesen Sie in voller Länge in der kommenden Ausgabe der TextilWirtschaft, ab Mittwoch, 30. August auf dem Smartphone oder Tablet für Android sowie iOS und am 31. August in der gedruckten Ausgabe.

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