Slim-Shades, Cateye- oder Panto-Form? Goldverspiegelt oder lieber light tinted in Pastell? Acetat- oder Metallrahmen? Und: Gibt es bei Sonnenbrillen auch so etwas wie ein Must-have, etwa mit Blick auf die Silhouette? Fragen über Fragen rund um das Accessoire, das als Statussymbol längst Ganzjahresprodukt ist, aber eben vor allem im Sommer als Key-Piece jedes Looks Hoch-Zeit hat. Beantworten kann solche Fragen wohl am besten ein Spezialist, der auch selbst leidenschaftlicher Brillenträger ist – wie Akram Husseini von Klar in Darmstadt. Seit vielen Jahren schon ist der kleine Store Anlaufstelle nicht nur lokaler Brillenliebhaber, denn Husseini liebt Nischenlabels – und wird nicht müde, jede Saison aufs Neue auf die Suche zu gehen.


TextilWirtschaft: Herr Husseini, die Modebranche hatte ein vergleichsweise herausforderndes erstes Halbjahr. Wie gestaltet sich das Geschäft mit Sonnenbrillen in dieser Saison bislang?
Akram Husseini:
Wir können nicht klagen, Q1 und Q2 liefen gut für uns, das Wetter hat gestimmt. Gerade kurz bevor die Ferien beginnen, wollen alle noch schicke Brillen haben – und wir haben clever eingekauft.

Was heißt das genau, was sind derzeit die wichtigsten Namen?
Mit Garrett Leight, dem Label aus Kalifornien, haben wir uns sehr breit aufgestellt. Die haben ein gutes Gespür, die Produkte auf den Punkt zu bringen. Von der Silhouette sind die Brillen kommerziell, aber trotzdem nicht mainstreamig, das ist eine tolle Mischung. Auch Mykita aus Berlin spielt nach wie vor eine wichtige Rolle bei uns. Die haben zwei, drei Konzepte, die ich richtig gut finde. Zum Beispiel Lessrim, die Linie für randlose Brillen. Zu unseren Top-Brands zählt in diesem Jahr zudem Eyevan7285 aus Tokio. Da trifft japanische Handwerkskunst auf maximalen Style – für mich von den asiatischen Labels gerade das stärkste am Markt. Häufig haben es japanische Brillenlabels in Europa etwas schwer, da sie für unseren Geschmack zum Teil einfach zu verschnörkelt sind. Bei Eyevan ist das ganz anders – sie haben den perfekten Twist aus japanischem und europäischem Style gefunden.

Und schließlich Ahlem – ebenfalls eine unserer wichtigsten Kollektionen, sowohl mit Blick auf den Umsatz als auch stilistisch. Davon sind wir hier alle einstimmig begeistert – und das gibt’s wirklich selten. Hinter dem Label steht eine Französin aus Paris, die jetzt in Kalifornien lebt. Die Produkte haben einen ganz besonderen Spirit, sind einfach wahnsinnig schön gemacht und auch qualitativ super, werden in Frankreich gefertigt. Ab 400 Euro geht’s los.

Welchen Bon erzielen Sie denn überhaupt so im Schnitt?
Wir sind insgesamt hochpreisiger geworden, unsere Sonnenbrillen bewegen sich im Kern zwischen 300 und 400 Euro. Den Preiseinstieg markieren bei uns Garrett Leight und Oliver Peoples mit VKs zwischen 269 und 299 Euro. Durch den Einkauf versuchen wir, uns gegenüber Mitbewerbern stärker abzugrenzen. Denn günstigere Konzepte wie etwa Ace & Tate oder Viu machen ebenfalls einen guten Job. Dadurch, dass wir unser Sortiment hochpreisiger aufgestellt haben, ist natürlich auch  der Durchschnittsbon nach oben gegangen. Der Kunde, der sich im Fachhandel eindeckt, will sich absetzen – und ist entsprechend bereit, mehr Geld auszugeben.

Viele Player im Markt haben bereits reduziert. Wie verfährt man da im Eyewear-Business?
Da haben wir mit unserem Produkt noch ein bisschen mehr Glück – bei uns geschieht das wesentlich später, wir zögern das sehr lange raus. In der Regel reduzieren wir frühestens in den ersten beiden September-Wochen, maximal 50% und begrenzen uns dabei meist auf Sonnenbrillen.

Auch auf Instagram aktiv: Motiv aus dem aktuellen Shooting von Klar in Island. Welche Kollektionen, die Sie (noch) nicht selbst führen, begeistern Sie derzeit besonders?
Jacque Marie Mage, ebenfalls ein Label aus Kalifornien, sollte man auf jeden Fall beobachten. Eine Wahnsinnskollektion. Teilweise werden pro Modell nur 50 bis 100 Teile aufgelegt. Und auch Andy Wolf aus Österreich macht tolle Sachen, mit denen sind wir jetzt zur Vorlage verabredet.

Was kommt, was bleibt?
Was die Gläser anbelangt, ist Farbe ein großes Thema. Während verspiegelte Varianten gar nicht mehr gehen – vielleicht mit Ausnahme alter Oakley-Modelle aus den 90ern –, bringen farbige Gläser, leicht getönt, egal, in welcher Farbe, schöne Mehrverkäufe. Bei den Shapes sind runde Formen definitiv weiterhin ein Thema, derzeit vorwiegend in Metall, wobei bei uns transparente Acetat-Rahmen in dieser Saison mit am besten gelaufen sind. Wer nicht auf rund steht, geht auf Cateye, allerdings auf die etwas höheren Formen, nicht auf die Slim-Varianten. Dieser Trend rauscht gefühlt etwas an Deutschland vorbei bzw. wird eher im günstigeren Bereich gesucht. Die Highend-Brands zieren sich da etwas. Ob das Cateye-Thema sich bis nächstes Jahr hält, wage ich zu bezweifeln. Panto-Formen werden sicherlich immer ein Thema bleiben, obwohl uns diese nun auch schon ein paar Jahre begleiten.

Und wie sieht es bei den Materialien aus?
Ich glaube ganz fest daran, dass kräftigere Brillen wiederkommen. Ich denke da in Richtung Hornbrillen oder an richtig dickes, bulliges Acetat. Nachdem wir nun so lange die feinen, filigranen Silhouetten hatten, wäre das nur die logische Konsequenz. Mehr kann ich aber erst im September sagen, nach der Order.

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