In der Mode hat jeder alles irgendwo schon einmal gesehen? Wer neigt, diese Frage zu bejahen, der sollte zuerst einen Blick auf Glenn Martens werfen. Der Belgier steht mit seinem Label Y/Project für Originalität. Er konstruiert seine Kleidung so, dass sie unterschiedlich geknöpft und getragen werden kann. „Ich freue mich, wenn die Kunden meine Mode in Besitz nehmen“, sagt er.

Dass Martens etwas Besonderes zu sagen hat, ist längst kein Geheimnis mehr. Diesel und Ugg heuerten ihn für Kapseln an. 2017 gewann er den prestigeträchtigen Andam Fashion Award. Damit besserte er nicht nur seine Geldbörse auf, sondern gewann auch Francesca Bellettini, CEO von Saint Laurent, als Mentor. Im Januar 2019 war er Gast-Designer auf der Pitti Uomo in Florenz. Für seine Catwalk-Show, die abends im Kreuzgang der Basilika Santa Maria Novella stattfand, händigte er Taschenlampen aus. Stolpergefahr im pechschwarzen Klosterdunkel.


TextilWirtschaft: Was ist die Philosophie von Y/Project?
Glenn Martens: Y/Project zelebriert Eklektizismus. In unseren Shows zeigen wir die Vielfalt der Menschen. Manche Marken drängen auf den von mir so genannten Army-Effekt. Sobald jemand die Marke trägt, wird er selbst zur Marke. Wir machen genau das Gegenteil. Wir zelebrieren Individualität und Diversität.


Sie haben Architektur studiert. Inwiefern prägt das Ihre Arbeit als Modedesigner?
Ich studierte erst Architektur, dann Mode. Architektur war für mich das erste Mittel, um mich kreativ auszudrücken. Dementsprechend beginne ich meine Kollektionen immer mit Konstruktions-Experimenten. Ich bin regelrecht besessen von Konstruktion. Sobald wir das Konzept für die Saison gefunden haben, wenden wir die Twists auf die verschiedenen Produktkategorien an.


Wem folgen Sie auf Instagram?
Instagram ist der perfekte Seismograph dafür, was heute geschieht. Wenn du dich durch die Bildergalerien blätterst, reist du durch die Welt. Im Bruchteil einer Sekunde springst du vom Berliner Untergrund hinein in eine esoterische Künstlerszene in Los Angeles. Das ist alles möglich. Wir schreiben das Jahr 2019, lass‘ es uns nutzen!


Wie viele Jeans und Sneaker haben Sie zu Hause im Schrank? Welches sind die Lieblings-Stücke?
501 Levi's. Ich kaufe immer zwei. Ich glaube, derzeit habe ich sechs im Schrank. Ich habe ein Paar schwarze Turnschuhe. Die trage ich so lange, bis sie auseinander fallen. Dann habe ich noch ein Paar Church’s und Wanderstiefel.


Welchen Look bevorzugen Sie?
Ich reise viel. Wenn ich in Paris bin, verbringe ich den halben Tag auf dem Fußboden, um mir die Kollektion zurechtzulegen. Die andere Hälfte bin ich in Meetings. Deshalb muss meine Kleidung easy und flexibel sein. Ich ertappe mich dabei, mir eine Uniform geschneidert zu haben: schwarze Denim, schwarzes Denim-Hemd. Je nachdem, welche Schuhe ich trage, wirke ich klassisch elegant.


Wo kaufen Sie im Internet Mode ein?
Ich bin verwöhnt. Ich bin die Quelle meiner eigenen Mode, ich kriege so viel Y/Project, wie ich will. Ansonsten kaufe ich nur in Schnäppchen-Läden ein.


Sie machen Mode für Frauen und Herren. Was fällt Ihnen leichter?
Der Ansatz ist grundlegend verschieden. Wer Männermode entwirft, muss dauernd darüber nachdenken, für welche Person sie gedacht ist. Bei den Damen kann der Designer hingegen wesentlich konzeptioneller zu Werke gehen. Mode für Männer ist mehr Psychologie, Mode für Frauen mehr Kunst. Beides ist herausfordernd. Ich liebe beides.

Lesen Sie das ausführliche Gespräch mit Glenn Martens ab Mittwoch, 20. Februar, 17 Uhr im E-Paper sowie ab Donnerstag, 21. Februar in der gedruckten Ausgabe.

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