Die Weihnachtskampagnen der britischen Einzelhändler haben Tradition. Sind erst einmal die Schaufenster der großen Kaufhäuser in Szene gesetzt, wird der Startschuss für die aufwendigen und kostspieligen TV-Werbespots gegeben. Immerhin geht es nach Schätzung des Londoner Marktforschungsinstituts Mintel in diesem Dezember im Weihnachtsgeschäft um ein Stück vom Umsatzkuchen in Höhe von 44.6 Mrd. Pfund (rd. 50,4 Mrd. Euro).

Trotz oder gerade wegen der Brexit-Unsicherheit werden die Werbeausgaben zur diesjährigen Weihnachtssaison einen Rekord erreichen. Die Advertising Association prognostiziert für das 4. Quartal 2017 Werbeausgaben in Höhe von 5,93 Mrd. Pfund. In der Vorjahresperiode waren es 5,79 Mrd. Pfund. Dass die Werbeausgaben zur Festtagssaison seit 2010 um 37% gestiegen sind, führt die Advertising Association auf den verschärften Wettbewerb vor allem im Retail-Sektor sowie den Trend zu Kampagnen mit großen Budgets zurück.

„In den vergangenen Jahren hat es immer mehr Blockbuster-Kampagnen gegeben,“ sagt Karen Fraser, Director von Credos, dem Werbe-Think-Tank, der die Prognose zusammen mit der Advertising Association erstellt. Emotionale Kampagnen haben in den vergangenen Jahren einige der größten Preise in der Werbebranche gewonnen. Firmen, die Werbung mit gefühlvoller Resonanz liefern, können langfristig mit positiven Effekten rechnen, davon ist Fraser überzeugt. In der Woche, in der Branchengrößen wie John Lewis und Marks & Spencer ihre Weihnachtskampagnen launchten, hat die Advertising Association das Konsumenten-Verhalten analysiert. Die Umfrage unter 1000 Briten ergab, dass 47% von Weihnachts-Spots zu Tränen gerührt waren. Ein Drittel der Befragten gab an, sich mehr auf die Weihnachtswerbung zu freuen, als auf jeglichen Filmstart. Und 16% haben immerhin ihre Pläne geändert, um die Premiere ihres Lieblings-Weihnachts-Werbespots nicht zu verpassen.

Für viele Briten beginnt der offizielle Start zu Weihnachten, wenn sie einen bestimmten Werbefilm sehen oder hören, so Fraser. Retailer machen inzwischen spezielle Versionen ihrer Werbespots, die auf Instagram oder Facebook laufen. John Lewis zeigte seinen Spot „Moz The Monster“ Stunden früher in  den Sozialen Netzwerken und in den Stores, bevor er im Fernsehen erschien.

John Lewis: „Moz The Monster“



Jahr für Jahr mit großer Spannung erwartet wird der Weihnachts-Spot der Department-Store-Kette, die sich das Projekt wieder geschätzte 7 Mio. Pfund hat kosten lassen dürfen. Wieder ein herzerwärmender Film, der die Story des kleinen Joe erzählt, unter dessen Bett das Monster Moz schläft und schnarcht. Der knuddelige Störenfried mit den großen Kulleraugen und Joe freunden sich an, spielen jeden Abend, in der Nacht kann Joe nicht schlafen und am Tag seine Augen nicht aufhalten. Zu Weihnachten bekommt Joe das perfekte Geschenk in Form ein Nachtlichts, das ihm hilft Ruhe zu bekommen.

Als Joe das Licht ausschaltet, geht der Lärm seines Freundes wieder los und Joe weiß, dass er ihn immer wieder zurückholen kann, wenn er an ihn denkt. Kreiert wurde der Film, der die Fantasie von Kindern feiert, von John Lewis‘ Stammagentur adam&eve DDB unter der Regie von Michel Gondry, musikalisch unterlegt mit einer Coverversion des Beatle-Songs „Golden Slumbers″, interpretiert von Elbow.

Marks & Spencer: „Paddington And The Christmas Visitor“



Er trägt Schlapphut, Dufflecoat und ist ziemlich behaart. Der liebenswerte Bär namens Paddington ist der Star in Marks & Spencers 90 Sekunden-Film. Kreiert von Grey London wurde der Spot vor dem Film-Start  von „Paddington 2“ gelauncht. Paddington, die wuschelige Kinderbuchfigur, hält einen Dieb mit Bart und rotem Mantel für Santa und hilft ihm alle gestohlenen Geschenke wieder zurückzubringen. So rettet er Weihnachten für seine Familie und Nachbarn.

Eine rührende Geschichte mit viel Action, und im Paddingshop verkauft Marks & Spencer über 90 Produkte mit dem kleinen Bär. Marks & Spencer hofft wohl, von dem zweiten Teil der 2014 begonnenen und vermutlich noch lange nicht beendeten Filmreihe Paddington profitieren zu können, die von den Kinderbüchern des Engländers Michael Bond inspiriert ist. Zum ersten Mal wird Marks & Spencer die Weihnachtsgeschichte in einem Buch mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren herausgeben. Laut Rob Weston, Brand and Marketing Director, ist es die bei weitem „digitalste” Kampagne des Unternehmens, die unter #LoveTheBear auf allen Social Media Plattformen läuft, sowie in Facebook- freundlichen Versionen kommt.

Mulberry: „My True Love Gave to Me”



Das urbritische Label, das Heritage und Tradition mit innovativen Akzenten verknüpft, hat für seinen Film das klassische Weihnachtlied „Twelve Days Of Christmas“ auf seine Weise interpretiert. Darin wird in Form einer Zählgeschichte aufgelistet, welche Geschenke der Sänger zwischen dem Weihnachtstag (25. Dezember) und dem Dreikönigstag (6. Januar) von seiner wahren Liebe (true Love) erhalten hat. Der spielerische Kurzfilm wurde unter der Regie der Modefotografin und Regisseurin Charlotte Wales gedreht, die für jeden der zwölf Tage Geschenke hervorzaubert und die Mode,  Accessoires und Taschen von Mulberry schwungvoll in Szene setzt. Zu den Referenzen an die Geschichte des Weihnachtslieds gehören die Turteltauen,  die Gänse, die Kanarienvögel und die goldenen Ringe ebenso wie die Milchflaschen, die die Models aus den Taschen ziehen, sowie die Trommler am letzten Tag. Gesungen wird das Lied von der Band The Big Moon.

Heathrow Airport: „The Bears are back in town“



Im vergangenen Jahr hatte der Londoner Flughafen Heathrow zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Weihnachts-TV-Kampagne gelauncht, die zum großen Hit mit Millionen Abrufen wurde. Die 50 Jahre lange Liebesgeschichte des betagten Teddy-Pärchens  Doris und Edward Bair wird in diesem Jahr weiter erzählt. „Nach der überwältigenden Resonanz rund um den Globus auf Doris und Edward im vergangenen Jahr mussten wir diese liebenswerten Bären wieder auf die Bildschirme bringen“, so Ross Baker, Heathrows Commercial Director, „wir hören von unseren Passagieren, dass es nichts schöneres gibt, als Weihnachten von einem geliebten Menschen in die Arme genommen zu werden.“

Der Spot mit den detailverliebten Szenen beginnt in den 60er Jahren, als Edward von einer Geschäftsreise zurückkommt und seinen Mantel im Flugzeug vergisst.  Doris, damals Stewardess der Airline, bemerkt das und läuft mit Mantel hinter ihm her. Sie möchte nicht, dass es dem Passagier kalt wird. Ihre Augen treffen sich und der Rest ist Geschichte.

Zu dem sentimentalen Sound von Petula Clarks „Couldn’t Live Without Your Love“ werden die detailverliebten Szenen in der Heathrow Ankunftshalle gezeigt, in denen sich Doris und Edward jedes Weihnachten näher kommen. Sie werden älter, wechseln auch ihre Kleider und treffen zum Schluss den Rest der Familie. Kreiert von der Werbeagentur Havas London,  wurde der Film unter der Regie von DOM&NIC durch Outsider Productions und Animation von The Mill produziert. Gefilmt wurde im historischen Terminal 1, der seit 2016 für Passagiere geschlossen ist. British Airways stellte ein Original BOAC Flugzeug, Stewardess-Uniformen und zusätzliche Details zur Verfügung, um die Geschichte der Flugreisen authentisch rüber zu bringen. Passagiere, die Heathrows Personal Shopping Service in Anspruch nehmen, erhalten bei einem Kauf einen Schal mit Bären-Design, das von Karen Mabon entworfen wurde.

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