Wenn die Tage kürzer werden und es draußen ungemütlich ist, macht ein Museumsbesuch erst richtig Spaß. In diesem Herbst/Winter dürfte es Modeinteressierten nicht schwer fallen, spannende Ausstellungen zu finden. Ob in Deutschland oder im Ausland, ob großer Couturier oder junge Designerin – die Themen und die Ansatzpunkte sind vielfältig. Wir haben fünf sehenswerte Ausstellungen zusammengestellt, die zum Teil schon zu sehen sind oder noch in diesem Winter starten.

CHRISTIAN DIOR: DESIGNER OF DREAMS

Wer hätte das gewusst? Christian Dior war bekennender England-Fan. „Es gibt kein anderes Land in der Welt, außer meinem Heimatland, dessen Lebensart ich so sehr mag. Ich liebe englische Traditionen, die englische Höflichkeit, englische Architektur. Ich mag sogar die englische Küche“, soll er gesagt haben. Jetzt wird der große Couturier mit einer Ausstellung im Victoria&Albert Museum im von ihm so geschätzten Land geehrt. Christian Dior: Designer of Dreams startet im Februar 2019 und wird schon im Vorfeld mit Superlativen bedacht: Es ist die größte Dior-Ausstellung, die es jemals in Großbritannien gegeben hat und die größte Modeausstellung im V&A seit der extrem erfolgreichen Alexander McQueen Ausstellung „Savage Beauty“ 2015.

Insgesamt elf Themengebiete rund um das berühmte Haus beleuchtet die auf der großen Dior-Ausstellung im Pariser Musée des Arts Décoratifs basierende Schau. Diors Faszination für die britische Kultur und seine diversen Kooperationen mit britischen Designern und Künstlern ist nur eines davon. Auch auf seine berühmtesten Kundinnen wird ein Blick geworfen, so wird das Kleid, das Prinzessin Margaret an ihrem 21. Geburtstag getragen hat, zu sehen sein. Insgesamt mehr als 500 Objekte, vom Haute Couture Kleid bis zu Illustrationen und Parfüm-Flakons zeigt das V&A. Und auch den sechs auf Christian Dior folgenden Designern ist ein Teil der Ausstellung gewidmet.



Christian Dior: Designer of Dreams: 2. Februar bis 14. Juli 2019. Victoria & Albert Museum, London. Eintrittspreis: 24 Pfund.

68. POP UND PROTEST

Die 68er – eine bewegte Zeit. Geprägt von kultureller Revolution, sexueller Befreiung und poltischem Aufbegehren. Aber nicht nur das: Die Swinging Sixties waren auch die Zeit von Miniröcken, Pixie-Cuts und Twiggy – der Vorreiterin heutiger Topmodels und Influencer. Die Ausstellung Pop und Protest im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg widmet sich diesem Jahrzehnt mit all seinen Facetten. Rund 200 Objekten – darunter Musikinstallationen, Mode, Filme, Fotografien, Plakate, Designobjekte, historische Dokumente und Raum-Ensembles wie Verner Pantons ikonische Spiegel-Kantine sind zu sehen.

68. Pop und Protest: 18. Oktober 2018 bis 17. März 2019. Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg. Eintrittspreis: 12 Euro.

CONTEMPORARY MUSLIM FASHIONS

„Es gibt Menschen, die glauben, dass es unter muslimischen Frauen überhaupt keine Mode gibt, aber das Gegenteil ist der Fall, mit modernen, lebendigen und außergewöhnlichen Modeszenen“, sagt Max Hollein, der frühere Direktor und CEO der Fine Arts Museums of San Francisco. Eine Ausstellung zu dieser Thematik sei längst überfällig gewesen. Er hat sie, gewissermaßen als sein Abschiedsgeschenk – im Sommer wechselte er ans New Yorker Metropolitan Museum – nach Kalifornien geholt. Das de Young in San Francisco leistet mit Contemporary Muslim Fashions seit September Pionierarbeit. Ziel der Kuratoren ist es, islamische Kleidung zu entmystifizieren und ihre Kreativität und Vielfalt abseits von Burka und Niqab zu zeigen.

So erhalten die Besucher Eindrücke in Trends und die Arbeit von Designern aus dem Mittleren Osten und Südostasien, es gibt einen Bereich, der sich der Streetwear- und Sportbekleidung widmet (man denke nur an den Nike Pro Hijab). Aber auch die Arbeit westlicher Desinger, die sich an muslimische Kundinnen richten, wird gezeigt.

Neben rund 80 Ensembles etablierter und aufstrebender Designer der Bereiche Luxus-Mode, Streetwear, Sportswear und Couture umfasst die Ausstellung rund 40 Fotografien, die die ausgestellten Kleidungsstücke kontextualisieren. Das Ende des Rundgangs durch die Ausstellung krönen Designer-Stücke von Yves Saint Laurent, Karl Lagerfeld und Jean Paul Gaultier, die zum Teil im Auftrag arabischer Herrscherhäusern gefertigt wurden.

Wer es nicht bis zum 6. Januar 2019 nach San Francisco schafft, so lange läuft die Ausstellung noch, der kann Contemporary Muslim Fashions ab April in Frankfurt am Main im Museum für Angewandte Kunst sehen. Contemporary Muslim Fashions: 22. September 2018 bis 6. Januar 2019. De Young, San Francisco. Eintrittspreis: 28 Dollar

CHRISTIEN MEINDERTSMA: BEYOND THE SURFACE

Die Produktgestaltung ist für die Niederländerin Christien Meindertsma nur ein kleiner Teil des gesamten Designprozesses. Sie interessiert sich für das, was dahinter oder unter der Oberfläche steckt. Dafür unternimmt Meindertsma Expeditionen in Fabriken und leistet Detektivarbeit auf Müllhalden und in Werkstätten. Ihre erste Einzelausstellung außerhalb ihres Heimatlandes im Vitra Design Museum in Weil am Rhein widmet sich ihrer Arbeit mit Materialien wie neuer und recycelter Wolle, Flachs und Schlacke aus der Haushaltsmüllverbrennung. Gezeigt werden einzelne Projekte wie „One Sheep Sweater“, bei dem aus der Wolle eines Schafes jeweils ein Pullover produziert wurde und der Flax Chair, ein nachhaltiges Möbelstück aus Flachs, das mit dem Dutch Design Award ausgezeichnet wurde.

Zu sehen sind aber nicht nur Produkte, sondern auch Prototypen, Materialproben und Fotografien. Denn getreu dem Titel liegt der Fokus der Ausstellung auf den Prozessen hinter dem fertigen Produkt, die Meindertsma in Filmen und Publikationen festhält. Christien Meindertsma: Beyond the Surface: 18. August 2018 bis 20. Januar 2019. Vitra Design Museum Gallery, Weil am Rhein. Eintrittspreis: 11 Euro.

SPITZMAUS MUMMY IN A COFFIN

Wes Anderson ist vor allem Cineasten ein Begriff, zu seinen bekanntesten Filmen zählen The Royal Tenenbaums und The Grand Budapest Hotel, in diesem Jahr sorgte er mit dem Animationsfilm Isle of Dogs für Aufsehen. Das Kunsthistorische Museum Wien hat den US-Regisseur und seine Frau, die  Kostümbildnerin und Autorin Juman Malouf gebeten, ihre Favoriten aus dem Gesamtbestand des Hauses zu einer Ausstellung zu kuratieren. Mehr als 400 Objekte aus allen vierzehn Sammlungen hat das Ehepaar ausgesucht, darunter den Sarg einer Spitzmaus aus dem 4. Jahrhundert vor Christus. Ihre Entscheidung für die Objekte fiel instinktiv, ohne Kenntnis ihrer  Bedeutung oder Herkunft. Die Ausstellung ist eine Kooperation des Kunsthistorischen Museums mit der Fondazione Prada, wo sie ab Oktober 2019 zu sehen sein wird. Ganz großes Kino.  Wes Anderson and Juman Malouf: Spitzmaus Mummy in a Coffin and other Treasures: 6. November 2018 bis 28. April 2019. Kunsthistorisches Museum, Wien. Eintrittspreis: 15 Euro.

Von Azzedine Alaïa bis Viktor&Rolf

Ausstellungen to watch