44 Label Group Designer Max Kobosil im Interview

"Alle unter einer Flagge"

© Max von Gumppenberg
Der Kopf hinter 44 Label Group: Max Kobosil
Der Kopf hinter 44 Label Group: Max Kobosil

Max Kobosil ist einer der spannendsten Newcomer der Mailänder Schauenwoche. Als Techno-DJ spielt der Berliner internationale Gigs vor über 10.000 Menschen. Mit dem Mailänder Mode-Unternehmer Claudio Antonioli an seiner Seite soll jetzt die Kollektion 44 Label Group durchstarten.

TextilWirtschaft: Sie haben schon das zweite Mal in Mailand gezeigt, das erste Mal in einem wieder richtig gut gefüllten Schauenkalender. Die Show ging direkt in eine Party über. Wie haben Sie es erlebt?
Max Kobosil: Es war ein sehr wichtiger und auch aufregender Tag für mich. Ich bin ja trainierter DJ, lege vor zehn-, fünfzehntausend Leuten auf und stecke so eine kleine Afterparty nach der Show locker weg. Aber vor der Show war ich doch schon etwas aufgeregter als vor einem DJ Set. Unter dem Strich ist alles sehr gut gelaufen, kleine Pannen passieren natürlich immer, die nimmt man aber wahrscheinlich vor allem selbst wahr. Der Zuspruch ist jedenfalls großartig gewesen und ich bin sehr happy mit der Show.


Was ist Ihnen bei der jüngsten Kollektion am wichtigsten, welche Idee steht dahinter?
Die Kollektion beruht auf dem Konzept der positiven Veränderung. Es geht darum, Ereignisse aus der Vergangenheit hinter sich zu lassen. Slogans wie "Burn your past" sind sehr persönlich und stehen für eine neue positive Energie.

Ist die Arbeit an 44 Label Group generell ein Projekt, das für Sie in diese vorwärtsgewandte Richtung geht?
Ich habe mich schon immer für Mode interessiert. Aber auf dem Level hier ist das natürlich etwas komplett anderes. Ich habe 2018 mit Merchandise angefangen, auf meinem Musiklabel R Label Group. Damals haben wir angefangen, T-Shirts zu verkaufen, die dann so gut ankamen, dass wir immer mehr produziert haben, aber kaum noch hinterhergekommen sind. Und ab einem gewissen Punkt, als dann auch die Pandemie kam, war der perfekte Zeitpunkt gekommen, um das auf ein neues Level zu heben – mit Claudio (Antonioli, Anm. d. Red.), den ich über einen gemeinsamen Freund kennengelernt habe.

Claudio Antonioli hat Brands wie Off-White, Palm Angels und Marcelo Burlon mit aufgebaut und ist im Premium- und Luxus-Segment verankert. War das ein einfacher Schritt vom Merch in dieses Genre?
Wir reden bei meiner Kollektion zwar nicht von Haute Couture, aber wenn man hochwertige Materialien einsetzt, ein ganzes Team viel Zeit und Arbeit investiert, kommt man um einen gewissen Preis nicht herum – das ist ja etwas grundlegend anderes als damals, als ich mit ein paar Freunden alles in Eigenregie gemacht und T-Shirts aus der Wohnung meiner Mutter heraus verschickt habe, weil bei mir einfach nicht genug Platz war. 

Wann war klar, dass aus dem Merch mehr werden könnte?
Die 44 hat mich schon immer begleitet, es ist der Bezirk in dem ich groß geworden bin (44 ist die alte Postleitzahl von Neukölln, Anm. d. Red.). Wir haben sie auf Wände gesprüht und uns immer damit identifiziert. Kreuzberg 36, Neukölln 44 − für Berliner ist sowas direkt ein Begriff. Das ich etwas mache, das sich nicht nur auf mich als Person bezieht, war die Grundidee. Alle unter einer Flagge, alle im selben Team. Den Ansatz fand ich immer schön. Und auch meine Supporter haben gesagt: Wir tragen alle die gleiche Nummer, sind wie ein Fußball-Team. Dadurch hat sich früh gezeigt, dass hier mehr entsteht.

Was hat sich für Sie seit der ersten Show hier in Mailand verändert? Vermischen sich die Communitys aus Fashion und (Techno-)Musik?
Durch die Kollektion und die Fashion Shows bin ich in neuen Sphären unterwegs, treffe mich mit vielen neuen Leuten, aber dabei ist doch immer   alles connected. Die Welten verschmelzen. Und sind vorher schon verbunden gewesen.

Mailand Fashion Week: 44 Label Group F/S 2023


Inwiefern?
Wer ausgeht, der überlegt sich, auch wenn er nichts auf Mode gibt, mit Sicherheit doch irgendwie, was er anzieht. Und wenn es nur die Entscheidung zwischen dem grauen und dem schwarzen T-Shirt ist. Jeder macht sich ja doch auf seine Art hübsch.

Wie wichtig ist bei all dem Ihre Heimat Berlin? Kommt daher die meiste Inspiration?
Ich bin ja in Berlin groß geworden, wohne noch da – ziehe zwar demnächst nach Mailand –, aber Berlin wird immer ein wichtiger Teil von mir sein. Meine Inspiration ziehe ich aber aus der ganzen Welt. Ich spiele in vielen Ländern, bin in Bogota, São Paolo, Buenos Aires und New York, gerade erst war ich in Los Angeles – und überall nehme ich Einflüsse für meine Arbeit mit. Das ist ein endloser Pool an Inspiration.

Wo passiert gerade am meisten?
Südamerika ist generell schon super, da ist es roh und rau und dadurch für mich sehr inspirierend. Vor dem Krieg hatte auch Kiew eine wahnsinnig schöne Szene, Tiflis in Georgien ist auch ein Hotspot, wo Rave wirklich ein Lifestyle ist.

Für welchen Sound steht der Techno-Musiker Max Kobosil?
Das ist schon eher die härtere elektronische Richtung.

Wie viel Ihrer Zeit investieren Sie in die Musik, welchen Anteil in die Mode?
An der Clubszene inspirieren sich ja viele, ich lebe das wirklich 24/7. Deshalb sage ich auch, dass 44 noch einmal etwas komplett anderes ist. Ich arbeite an dem Label auch wenn ich toure, führe Calls, schreibe Mails, alle diese Dinge.

Was an der Arbeit als Fashion-Designer ist komplett neu für Sie? 
Ich gebe jetzt Interviews, das habe ich als Musiker nicht gemacht.
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