Schließen
The Spin
What you need to know in global fashion. Sign up now!
 
Interview mit Alexander Lochner von Lochner Top Fashion

„Super schlicht und super flach”


Lochner
Alexander Lochner holt Top Fashion-Labels nach Oberbayern: Isabel Marant, Anine Bing, Jérôme Dreyfuss, MSGM, Dorothe Schumacher und viele mehr.
Alexander Lochner holt Top Fashion-Labels nach Oberbayern: Isabel Marant, Anine Bing, Jérôme Dreyfuss, MSGM, Dorothe Schumacher und viele mehr.

Alexander Lochner von Lochner Top Fashion in Burghausen im Gespräch über den Mode-Wandel, Nichtfarbigkeit, elegante Schuhe zum Kleid und den modischen Tod der Dad's Sneaker.

TextilWirtschaftWie erleben Sie die Einkaufsrunde bis jetzt, Herr Lochner?
Alexander Lochner:
Es ist eine spannende und schwierige Saison zugleich, befinden wir uns doch mitten in einem Trendwechsel. International gesehen, in Paris zum Beispiel, wird es jetzt nach dem Gucci-Hype definitiv ruhiger – was ich sehr gut finde. Doch etliche der Kollektionen, die ich hier in Deutschland ordere, sind noch immer sehr farbig. Deshalb tue ich mich etwas schwer.


Setzen Sie komplett auf Nichtfarbigkeit?
Wir haben schon jetzt den Wandel eingeläutet mit sehr viel Camel, Offwhite, Khaki und etwas Altrosa. Die Kundinnen reagieren absolut positiv darauf. Sie sind übersättigt von der vielen Farbe. Aus den Pre-Kollektionen zum Sommer nehme ich allenfalls milchige Pastelle, rauchiges Lindgrün, wie bei Isabel Marant zu sehen ist. Ab Januar wird es bei uns aber richtig, richtig ruhig. Auch Drucke ordere ich extrem selektiv – ausschließlich bicolor. Wunderschön bei Isabel Marant, der Queen der Prints: immer dezent, piano.

Wie würden Sie den neuen Sommer-Look beschreiben?
Mir schwebt stilistisch eine Mischung zwischen The Row, Bottega Veneta und Helmut Lang vor. Dabei ist es wichtig, dass alles super selbstverständlich rüberkommt. Bloß nie aufgesetzt oder konstruiert.

Wo finden Sie das?
In der Pre von Dorothee Schumacher bin ich schon mehr als fündig geworden. Sehr viele cleane, abgeräumte Styles, ein rattenscharfes langes Strickkleid mit hohem Seitenschlitz. Weniger feminin als zuletzt. Auch mit Closed komme ich gut zurecht. Da gibt es coole Hosen in Papertouch-Qualitäten. Oder Paperbag-Hosen, sowieso einer meiner Favoriten für nächsten Sommer. Dazu ein oversized Strickteil, vorne reingesteckt, ganz easy. Für weniger mutige Frauen kann es ein schmales Oberteil sein. Schließlich gefallen mir Utility-Einflüsse. Eine anständige Woll-Businesshose, dazu ein oversized Shirt und obendrüber ein cooles Workwear-Hemd in kerniger Baumwolle. Alles in der gleichen Farbe und vieles sehr, sehr hell.

Wie gehen Sie generell an die Silhouetten heran?
Es braucht jetzt hochwertige Stoffe und spannende Silhouetten. Von weit bis sehr weit. Und wenn eine Frau das gar nicht tragen kann, dann bekommt sie ein Kleid. Oder Bermudas. Außerdem habe ich verstärkt Gürtel eingekauft, weil viele Frauen doch gerne Figur zeigen. Daneben glaube ich für den Sommer stark an Strick, da gibt es auch mal superschmale Pencilskirts und Schlauchkleider, die man mit oversized Oberteilen und Blazern kombinieren kann.

Sommer 2020: So könnten die Outfits bei Lochner aussehen

Apropos Blazer. Wird er noch größer?
Auf jeden Fall. Richtig groß, ich habe da einen ganz tollen von einem skandinavischen Label – für ausdrücklich modische Frauen. Auch die Blazer von Anine Bing haben genau die richtige Länge und Weite. Ich fange beim Look sowieso immer mit dem Blazer an. Dazu Culottes – das bleibt. Und ist ein super Look.

Und welchen Schuh zeigen Sie Ihren Kundinnen dazu? Sneaker?
I’m so bored! Die ganze Ugly-, Chunky-, Dad’s-Sneaker-Arie ist ja nun wirklich durch. Wenn, dann geht es in die Old Sneaker-Richtung, so à la Stan Smith. Ach ja, und Chucks-Typen habe ich vermehrt gekauft. Aber das große Fashion Must-have sind sie auch nicht.

Welche Schuhe finden Sie denn dann wegweisend?
Bei Aeyde habe ich Naked-Sandals geordert. Superfiligrane Zehengreifer, im 90er-Stil. So etwas unter weiten Hosen, das sieht sehr modern aus. Überhaupt finde ich es heute wieder viel interessanter, zum Kleid einen femininen Schuh zu kombinieren.

Wie werden Kleider überhaupt aussehen bei Ihnen?
Superweit. Wadenlang. Oder auch Maxi. Wir sind sehr erfolgreich mit Maxikleidern. Lange Cuprokleider können wir jeder Frau verkaufen: ob als Wickelkleid gegürtet mit extratiefem Ausschnitt oder offen über einer Hose getragen. Aber natürlich Ton-in-Ton.

Bevorzugen Sie generell stimmige Kombis mit Schuh und Tasche?
Ja, absolut. Tonig und nichtfarbig sollte es sein.

Aber wenn jemand keinen femininen Schuh zum Kleid tragen möchte? Wären Cowboys eine Alternative?
Das ist auch nicht mehr neu. Dann helfen nur noch Flip-Flops.

Gibt es denn keinen neuen Schuhtyp?
Wir finden Karreeformen witzig. Als Ballerina. Oder als Slingback – zur Culotte sieht das fantastisch aus. Der Ballerina gefällt mir eigentlich zur langen Paperbag-Hose besser, so dass vorne nur das Karree hervorschaut.

Wenn wir oben recht viel Volumen haben, brauchen wir dann nicht von unten markantes Schuhwerk als Gegengewicht?
Nein, das ändert sich. Super schlicht und super flach muss es sein – alles andere hatten wir die letzten Jahre ja schon.

Apropos, haben Sie noch etwas Neues bei Accessoires entdeckt?
Wir haben eine ganze Menge Haarreifen gekauft, ein bisschen Spaß braucht man ja schon. Taschen bleiben tendenziell eher klein, Belt-Bags sind aus meiner Sicht durch, während Crossbodys bleiben. Und ein paar sensationelle Shopper habe ich bei Jérôme Dreyfuss gekauft. Also, wenn ich es mir so recht überlege, glaube ich doch, dass die Saison ganz fein werden kann.

stats