Womenswear: Anlassmode

Endlich wieder Chic

Kristina Fidelskaya
Back to black.
Back to black.

Von Kopf bis Fuß gestylt. Egal ob für den großen oder den kleinen Auftritt. Kleider bleiben top. Blazer holen auf. Und Schwarz ist der Aufsteiger. Eines wird auch deutlich am POS: Es soll mehr glitzern und glänzen.

Endlich glänzen. In der Orderphase zum Herbst 2021 rund um Februar/März war längst nicht klar, ob die Coronabeschränkungen Partys und Büropräsenz zulassen würden. Somit gab es zu dem Zeitpunkt noch sehr viel Unsicherheit in Bezug auf Anlassmode. Würde man tatsächlich noch viel benötigen? Zumal noch viel eingelagert war: all die Hosenanzüge und Abendkleider, die während der Lockdown-Phasen keinen interessierten. Zudem konnte man kaum einschätzen, inwiefern die Maskenpflicht die Lust auf Familienfeiern und Treffen mit vielen Menschen in diesem Herbst/Winter noch einschränken würde.

Seit diesem Sommer ist der Knoten geplatzt. Es gab viel Nachholbedarf und somit haben sich die Umsätze außerhalb des Casual-Segments erholt. Der Handel spricht von sehr guter Stimmung rund um Kleider, Blazer, festliche Oberteile. Bei Bredl in Ravensburg wurde das Thema in den Schaufenstern bildstark gepusht. Eine Toskana-Hochzeit auf dem Land diente acht Wochen lang als Hintergrund für Schickes. Mitinhaberin Beate Gieseke: "Es läuft super, und zwar querbeet von jung bis alt. Wir mussten immer wieder nachdekorieren, weil alle Modelle so schnell ausverkauft waren."

Ähnlich guter Stimmung ist auch Stefanie Stelzer, Teamleiterin Anlass bei Garhammer in Waldkirchen: "Alle haben Lust auf etwas Schickes. Egal wie groß gefeiert wird, es soll perfekt sein." Bei einem norddeutschen Multilabel-Haus verzeichnet man ebenfalls drei tolle Monate, besonders im festlichen Bereich. Die Einkäuferin hat alles durchgeordert, keine Programme ausgelassen, was sich nun auszahle, weil das Sortiment ausgewogen sei.

Festliche Mode: Colouful


Auswahl und Kompetenz sind schließlich wichtig. Ob die Frauen nun online nach dem Traumkleid suchen oder den stationären Handel aufsuchen. Die Umsatzanteile, die über den Bildschirm gehen, bleiben auf einem sehr hohen Niveau, heißt es von den Spezialisten wie Vera Mont und Swing. Einfach, weil die Vielfalt im Netz so groß ist. Das ist wohl entscheidend, denn viele Händler berichten, dass in keinem anderen Bereich so emotional eingekauft werde. Zunächst heiße es immer, nein, wir wollen nur eine kleine Feier, nichts Besonderes. Sobald dann die erste Person andeute, sich neu einkleiden zu wollen, würden alle durchdrehen. Dann müsse es das Besondere sein.

Stefan Kober, Managing Director von Peter Hahn, kann das bestätigen: "Der Total-Look wird spannender, denn jetzt will man wieder feiern, ausgehen, sich von Kopf bis Fuß zeigen. Kleider laufen hervorragend. In größerem Umfang werden erstmals Figur-umspielende Stufenkleider verkauft. Das ist neu. Natürlich sind unsere Modelle schmeichelnd geschnitten, aus soften Materialien. Insgesamt bemerken wir, dass die Lust, sich etwas Gutes zu tun, steigt."

Festliche Mode: Black


Wenn das Besondere gefragt ist, darf es auch mehr kosten. Bei Garhammer sind VK-Preise für Kleider über 300 Euro eher die Regel. Durchschnittspreise von 200 Euro sind überhaupt kein Problem. In großen Häusern durchforsten die Frauen entsprechend gezielt die Premium-Abteilungen, vor allem wenn es um semi-Festliches geht. Corinna Einhaus und Heike Schwingel-Damm von Corinna in Dorsten und Gelsenkirchen-Buer bestätigen: "Es gibt eine sehr hohe Nachfrage nach angezogener, festlicher Kleidung. Wir sehen durchaus eine Aufbruchstimmung." Viele Hochzeiten wurden in diesen Herbst verschoben und nachgeholt, mal mit mehr, mal mit weniger Gästen. Alleine für die Fotos wolle sich jeder schön machen, auffallen.

Bei Corinna hat man viele Kleider geordert. Die hätten durchaus etwas festlicher sein können, sagen die Inhaberinnen. In den Kollektionen haben Glitzer- und Glanz-Themen jedoch gefehlt. Einhaus: "Unsere Lieferanten unterstützen uns aber sehr. Die Kollektion Ba&sh etwa läuft super, opulent, goldglänzend, bestickt. Das macht richtig Lust."

Die echten Anlass-Spezialisten haben Lieferprobleme, wie der gesamte Markt derzeit. Viele Kleider kommen aus Asien und da stockt der Nachschub. Das bestätigt auch Annemarie Albrecht, Einkäuferin von Modehaus Schöpf in Karlsruhe, das überregional für seine große Auswahl bekannt ist. Alles komme vier Wochen später in den Verkauf. Man habe derzeit eher zu wenig Ware.

Festliche Mode: Blazer


Ein weiteres Thema kommt hinzu: Anja Steffen, Einkäuferin bei Cohausz in Borken, hat sich in der Orderphase bereits gewundert, wie casual viele sonst angezogene Coordinates-Spezialisten ihre Kollektionen ausgerichtet haben. Jetzt fehlen an der Stelle schlichte Etuikleider, besondere Blusen oder geschmückte Röcke. Die Versorgung mit NOS-Ware, in denen sich meist Hosenanzüge und Blazer befinden, ist ebenfalls problematisch. Umsätze gehen somit verloren. Bei Cohausz könnte die Auswahl etwa an farbigen Blazern und Tops in Silber-Metallic größer sein. Passend zur Weihnachtszeit sollen die Sortimente dann wieder mehr Glam-Power entwickeln, heißt es vielerorts.

Was läuft jetzt? In jedem Fall darf es ausgefallener sein. Farbe nennen viele Einkäufer als wichtigsten Impuls. Dabei liegen Rottöne von hell bis dunkel im Verkauf vorne. Kein Trend ohne Gegentrend: Schwarz steht bei modeaffinen Kundinnen nach längerer Abstinenz hoch im Kurs. Vertikale wie Zara setzen auf Black Beauty.

Bei Bredl sind pompöse Kleider gefragt: lang, glamourös und am liebsten in der Farbe Magenta. Bei Schöpf werden Taft und Glitzer favorisiert für schmale Kleider und auch Modelle mit weiten Röcken. Großformatige Blumendrucke und Jacquards setzen auf Individualität und bedienen Themen für die Liebhaberinnen des Besonderen.

Festliche Mode: Glamour


Geht es um den großen Anlass, liegen Midikleider gut im Rennen. Es darf aber auch bodenlang sein. Tiefe Dekolletés und Rückenausschnitte sind dabei ein Muss wie auch hohe Beinschlitze. Bei Garhammer sind für lange Kleider eher schlichte Rockteile gefragt, die durch ein besonderes, glitzerndes Oberteil bestechen.

Wenn es um den kleineren Anlass geht, werden die erwähnten schlanken Kleider gesucht. Es fehlen ebenfalls schlichte Jumpsuits, an deren Erfolg eigentlich keiner mehr so recht geglaubt hatte. Dabei können sie in neuen Farben und Materialien durchaus wieder punkten, insbesondere bei Kundinnen, die den sportiven Dreh suchen.

Wie geht es nun weiter? Für die anstehenden Silvesterpartys hat sich der Handel vielfach eingedeckt. Wenn auch nicht so üppig wie noch vor zwei Jahren. Für das komplette Jahr 2022 glauben viele Experten dann an einen regelrechten Boom für Party & Co., speziell an noch viel zahlreichere Hochzeiten. Die Pandemie hat sicherlich nachhaltig die Kleidung für den Alltag und das Business verändert. Wenn es allerdings um Eventmode geht, zeigen vor allem die jungen Frauen, das sie sich unverändert gerne schmücken und den Kauf noch bewusster angehen.
stats