Exhibition to watch im Vitra Design Museum

Here We Are!

VDM
Anzeige für die ikonischen Karelia-Sessel von Liisi-Beckmann (1969)
Anzeige für die ikonischen Karelia-Sessel von Liisi-Beckmann (1969)

Frauen im Design. Eigentlich selbstverständlich sollte man meinen. Zumindest heutzutage. Oder? Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein hat die Rolle der Frau in Designberufen von 1900 bis heute untersucht. Die Ausstellung mit dem Titel "Here We Are!" läuft noch bis zum 6. März 2022 und vermittelt zum Teil überraschende Erkenntnisse darüber, wie vor dem Hintergrund des Kampfes um Gleichberechtigung Frauen Designgeschichte geschrieben haben.

Das Thema wird dabei nicht nur zeitlich weit gefasst. So werden Werke von 80 Designerinnen gezeigt, von der US-amerikanischen Sozialreformerin Jane Addams und der Designerin Louise Brigham bis zur russischen Designerin Galina Balaschowa, die das Interieur der Raumkapseln des russischen Raumfahrtprogramms gestaltet hat.

Rund die Hälfte der Designstudierenden sei heute weiblich, heißt es in der Pressemitteilung des Museums. Aber auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts hätten Frauen entscheidende Beiträge zur Entwicklung modernen Designs geleistet, sie kämen in den Geschichtsbüchern nur deutlich seltener vor als ihre männlichen Kollegen. Nicht selten standen sie zudem im Schatten ihrer Ehepartner. Man denke nur an Ray Eames und ihren Mann Charles oder Aino Aalto, die deutlich unbekanntere Ehefrau des berühmten finnischen Designers und Architekten Alvar Aalto. Selbst die Welt des in den 1920er Jahren so fortschrittlichen Bauhaus stand Frauen nur formal im gleichen Maße offen wie Männern. Sie studierten zwar gemeinsam, aber man versuchte die weiblichen Studierenden vorrangig im Bereich der Weberei einzusetzen.

Here We Are!: Frauen im Design 1900 - heute


Die Reise der Museumsgäste durch 120 Jahre Designgeschichte ist in vier Bereiche gegliedert. Der erste beschäftigt sich mit der Entwicklung des Designs in Europa und in den USA, darunter auch das Bauhaus, die Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätten in Moskau (WChUTEMAS) und die 1919 gegründete Loheland-Schule, die nur Frauen aufnahm. Im zweiten Ausstellungsbereich sind die 1920er bis 1950er Jahre Thema. Eine Zeit, in der Frauen wie die französische Architektin Charlotte Perriand und ihre irische Kollegin Eileen Gray erste Erfolge feierten und die eng verknüpft ist mit so klingenden Namen wie Eames und Aalto. Vorgestellt wird u.a. auch die Keramikerin Eva Zeisel, die unabhängig arbeitete und schon 1946 eine Einzelausstellung im New Yorker Museum of Modern Art hatte.

Here We Are!: Frauen im Design 1900 - heute: Installation


In den Jahrzehnten von 1950 bis 1980, dem dritten Bereich der Schau, erstarkte der Feminismus, die Rollenbilder und Möglichkeiten der Frauen veränderten sich. Das Vitra Design Museum illustriert sie mit den plakativen knalligen Marimekko-Designs, italienischen Designerinnen wie Nada Vigo, Gae Aulenti, Cini Boeri und der Russin Galina Balaschowa. Der vierte Bereich widmet sich schließlich der Gegenwart mit Matali Crasset, Patricia Urquiola, Inga Sempé, Ilse Crawford und Hella Jongerius. Zudem werden aktuelle Initiativen vorgestellt, die in einem feministischen Diskurs Design und Architektur hinterfragen. Dazu gehört das Kollektiv Matri-Archi(tecture), das in einer eigens für die Ausstellung geschaffenen Arbeit die persönlichen Erfahrungen afrikanischer und Schwarzer Designerinnen thematisiert.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Programm begleitet, darunter Workshops, Online-Talks und Events auf dem Vitra-Campus.

Here We Are! - Frauen im Design 1900 - heute: Vitra Design Museum, Weil am Rhein. 23. September 2021 bis 6. März 2022.
stats